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Daron Acemoglu "Chinas Modell ist nicht nachhaltig"

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Von der Wichtigkeit guter politischer Institutionen

Perspektiven für das China-Geschäft
Was erwartet deutsche Unternehmer in China? Das Interesse am Kongress der WirtschaftsWoche ist groß Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Wirtschaftsperspektiven für den Handel in China: Frank Appel sprach die Keynote Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Chefredakteur Roland Tichy moderierte den Kongress Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Gudrun Grosse von der IHK Köln Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
China ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Post - Konzernchef Frank Appel Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Frank Appel und Roland Tichy (l.) im Gespräch Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Heißt das, die Länder des Nahen Ostens brauchen noch 400 Jahre, bis sie die Qualität der Institutionen Großbritanniens erreicht haben?

Großbritannien war damals gewissermaßen die Avantgarde bei der Entwicklung von Inklusiv-Institutionen. Die Länder des Nahen Ostens können den Prozess schneller durchlaufen, weil sie sich an historischen Vorbildern orientieren können. Allerdings ist der Weg sehr steinig und mit vielen Instabilitäten verbunden.

Haben ehemalige Kolonien wie Indien und Südafrika einen Vorteil?

Es gibt sehr unterschiedliche Erfahrungen der Kolonien. Indien, die USA, Singapur und Hongkong haben von ihrer kolonialen Vergangenheit profitiert, viele afrikanische Länder südlich der Sahara und in Zentralamerika haben eher darunter gelitten. Die Unterschiede erklären sich durch die koloniale Strategie, die wiederum die anschließende Unabhängigkeitsbewegung beeinflusst hat. Diente die Kolonialisierung in erster Linie der Ausbeutung von Ressourcen, ging dies häufig mit Zwangsarbeit und Repression einher. Wo sich Kolonialherren dagegen selbst in größerer Zahl in ihren Kolonien ansiedelten oder diese vor allem als Handelsposten nutzten, waren die Voraussetzungen ungleich besser. Davon haben diese Länder nach dem Ende der Kolonialzeit profitiert.

Die Chinesen beuten heute Rohstoffe in Entwicklungsländern aus, ohne sich dort anzusiedeln.

Für ein abschließendes Urteil über die chinesische Strategie ist es noch zu früh. Die Chinesen lassen sich nicht in die Karten schauen, daher weiß man nicht, welchen Preis sie für die Rohstoffe zahlen. Das Problem ist doch, dass China in vielen Fällen mit korrupten Machthabern Abkommen schließt, von denen die einheimische Bevölkerung dann kaum profitiert.

Aber China selbst wächst seit Jahren kräftig, obwohl dort Inklusiv-Institutionen fehlen.

Während eines Aufholprozesses, wie China ihn erlebt, sind hohe Wachstumsraten über mehrere Jahrzehnte möglich, ohne Inklusiv-Institutionen aufzubauen. Doch das Modell ist nicht nachhaltig.

Konjunktur



Fördert der zunehmende Reichtum in China den Wunsch nach politischen Reformen?

Historisch lässt sich diese Modernisierungshypothese nicht belegen. In den vergangenen 100 Jahren hat es viele Länder gegeben, die wirtschaftlich stark gewachsen sind, ohne ihre Institutionen zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist Russland. Das Land wies von 1930 bis 1950 hohe Wachstumsraten auf. Trotzdem hielt es an seinen ausbeuterischen Strukturen fest. Oder stellen Sie sich vor, der Ölpreis würde sich verdoppeln und Saudi-Arabien noch reicher machen. Das würde den Reformdruck im Land wahrscheinlich eher reduzieren.

Wie lässt sich der notwendige Wandel beschleunigen?

Es gibt dafür kein Patentrezept. Die betroffenen Länder müssen die Entwicklung selbst vorantreiben. Andere Nationen können sie dabei allenfalls unterstützen.

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