Denkfabrik

Die EZB darf sich nicht hinter Bankenaufsehern verstecken

Die Europäische Zentralbank sollte auch gefährliche Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten verhindern. Nur sie hat die nötigen Instrumente, Vermögensblasen müssen mit höheren Zinsen bekämpft werden.

Die EZB versteckt sich hinter der Bafin.

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), wird immer wieder gefragt, warum er nicht mit höheren Leitzinsen gegen das Risiko neuer Blasen an den Finanz- oder Immobilienmärkten vorgeht. Seine Antwort ist stets dieselbe: Das Verhindern von Blasen sei nicht Aufgabe der Geldpolitiker, sondern der Bankenaufseher.

Dass sich ausschließlich Bankenaufseher und nicht auch Notenbanker um die Finanzstabilität kümmern, setzt allerdings voraus, dass die Instrumente der Aufseher Blasen verhindern können. Höhere Anforderungen an das Eigenkapital und die Liquidität von Banken oder Obergrenzen für die Verschuldung von Hauskäufern helfen, die Risiken von Übertreibungen zu senken. Gleichwohl zeigen die Erfahrungen, dass dies nicht ausreicht. Banken und Investoren können die Auflagen umgehen. Das gilt erst recht, wenn gleichzeitig eine lockere Geldpolitik die Menschen zum Schuldenmachen verführt. Drücken Wassermassen lange genug auf einen Damm, ist es mit Sandsäcken nicht getan.

Offensichtlich benötigen die Bankenaufseher Rückendeckung durch die Notenbanker, die mit dem Leitzins über ein scharfes Schwert verfügen. Schließlich wird es bei höheren Leitzinsen für Banken und Investoren teurer, mit geliehenem Geld risikoreiche Investments zu tätigen. Gleichzeitig müssen sie weniger auf riskante Geschäfte ausweichen, um niedrige Zinserträge auszugleichen. Je höher die Zinsen, desto risikobewusster werden die Akteure. Dieser Risikokanal der Geldpolitik ist sehr wirksam. Deshalb sollte das Entstehen von Blasen nicht nur durch aufsichtsrechtliche Maßnahmen bekämpft werden, sondern auch durch höhere Leitzinsen.

In diesen Städten sind die Immobilienpreise explodiert
Platz 5: Frankfurt am MainIn der hessischen Mainmetropole stiegen die Wohnungspreise von Bestandsimmobilien zwischen 2009 und 2016 um 40 Prozent an. Im Vergleich zu Düsseldorf, München, Hamburg und Berlin bedeutet das Platz fünf. Eine Kerntriebfeder: Das Brexit-Votum und die damit verbundene Auswirkung auf den Finanzstandort Frankfurt. Für das Jahr 2017 wird eine weitere Preissteigerung erwartet. Quelle: dpa
Platz 4: DüsseldorfIn der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wiesen die Immobilienpreise zwischen 2009 und 2016 eine Steigerung von knapp über 60 Prozent auf. Im Vergleich zu anderen Metropolstädten entwickelte sich der Düsseldorfer Immobilienmarkt allerdings eher träge. Aufgrund einer zurückhaltenden Bautätigkeit und einer relativ hohen Leerstandsquote kann sich das Preisniveau in den kommenden Jahren laut Deutscher Bank vorerst halten und wird nicht so stark ansteigen wie in anderen Städten. Quelle: obs
Platz 3: HamburgIm besagten Zeitraum gingen die Wohnungspreise in Hamburg um etwa 70 Prozent nach oben. Eine rege Bautätigkeit sorgt in der Hansestadt dafür, dass der Nachfrageüberhang mehr und mehr abgebaut wird, und sich das Preissteigerungsniveau auf lange Sicht normalisieren dürfte. Bis dahin erwarten die Experten aber weiterhin ein kräftiges Plus in der Hansestadt. Quelle: dpa
Platz 2: BerlinDie Bundeshauptstadt erfreut sich zunehmender Beliebtheit – das schlägt sich auch in den Immobilienpreisen nieder. Zwar ist das Niveau der Preise deutlich niedriger als beispielsweise in München – so bekommt man etwa für drei Berliner Einfamilienhäuser in München nur eins – doch die Preise stiegen zwischen 2009 bis 2016 um etwa 75 Prozent an. In Zukunft wird eine deutliche Steigerung des Preisniveaus erwartet, da immer mehr Menschen nach Berlin ziehen, das Wohnangebot aber bei weitem nicht mithalten kann. Quelle: dpa
Platz 1: MünchenIn München sind die Preise in den vergangenen sieben Jahren um mehr als das Doppelte gewachsen. Die bayrische Landeshauptstadt ist nicht nur die teuerste Stadt Deutschlands, sondern verzeichnet auch einen starken Nachfrageüberschuss bei Wohnimmobilien. Die Leerstandsquote tendiert gegen null – somit sind weitere Preissteigerungen in Zukunft vorprogrammiert. Quelle: dpa
Platz 5: EinfamilienhäuserBetrachtet man die einzelnen Immobilienarten, so lassen sich teils große Unterschiede feststellen. So stiegen die Preise für Einfamilienhäuser zwischen 2009 und 2016 um etwa 35 Prozent an – im Vergleich zu anderen Immobilienarten, beispielsweise Eigentumswohnungen, ist das der niedrigste Wert. Experten erwarten in den kommenden Jahren allerdings weitere Preissteigerungen und eventuell könnten dann auch die Preise für Einfamilienhäuser stärker steigen. Quelle: dpa
Platz 4: Reihenhäuser (Bestand)Bei den Preisen für Reihenhäuser ging es um etwa 40 Prozent nach oben. Damit liegen die Preise nur knapp über denen für Einfamilienhäuser. Zwar werden auch hier weitere Preissteigerungen erwartet, allerdings dürften diese auch bei Bestands-Reihenhäusern niedriger ausfallen als beispielsweise bei Eigentumswohnungen. Quelle: dpa

Es wäre naheliegend, dass die Notenbanker eingreifen, sobald sich an den Finanz- oder Häusermärkten Blasen abzeichnen. Übertreibungen entstehen allerdings eher in der zweiten Hälfte eines langen Aufschwungs und sind nicht sofort zu erkennen. Um in der relativ kurzen Zeit zwischen dem Erkennen und dem Platzen einer Blase etwas zu bewirken, müsste die Zentralbank ihre Leitzinsen massiv anheben. Aber damit verursacht sie eine kostspielige Rezession, ohne sicher sein zu können, das Platzen der Blase zu verhindern. Den sicheren Kosten einer Rezession steht also ein unsicherer Nutzen gegenüber. Viele Zentralbanker lehnen eine solche Strategie des späten Eingreifens daher zu Recht ab.

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