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Denkfabrik Finnland könnte die Euro-Zone verlassen

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Exit ohne große Verluste

Von 1991 bis 1993 hatte Finnland seine damalige Währung Markka um 30 Prozent gegenüber der D-Mark abgewertet und sich so aus der Krise befreit. Zwar fürchteten die Banken damals, dass ihnen die Höherbewertung der Auslandsschulden die Bilanzen verhageln würde. Doch nach der Freigabe des Wechselkurses setzte ein wahres Wirtschaftswunder ein. In nur vier Jahren (vom Tiefpunkt 1993 bis 1997) stieg das reale BIP um 19 Prozent, die Industrieproduktion um 40 Prozent. Das Geschäft der Banken belebte sich, ihre Bilanzsorgen verflogen im Nu.

Angesichts dieser Erfahrungen fragen sich heute viele Menschen in Finnland, warum ihr Land in der Euro-Zone verbleiben soll, wenn seine Wirtschaft durch eine Rückkehr zur nationalen Währung und Abwertung rasch wieder auf die Beine kommen könnte.

Noch versuchen es die Finnen mit einer realen Abwertung im Euro-Raum. So haben die Tarifpartner ein Lohnmoratorium vereinbart, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Doch kann eine solche Maßnahme erst im Laufe vieler Jahre Linderung bringen, wie das lange Siechtum der südeuropäischen Länder gezeigt hat.

Es könnte sein, dass Finnland nicht so lange wartet. Ein Verzicht auf die Euro-Druckerpresse wäre für das Land weniger schmerzlich als für Griechenland, Italien oder Spanien, weil sich Finnland dieser Presse nicht überproportional bedient. Im Euro-Zahlungsverkehrssystem Target hat Finnland sogar Nettoforderungen aufgebaut. Das meiste Geld (71 Prozent), das die finnische Zentralbank emittiert hat, hat sie geschaffen, um Überweisungsaufträge aus dem Ausland auszuführen. Die Target-Forderungen der finnischen Notenbank liegen bei 35 Prozent des BIPs – beinahe auf dem Rekordniveau von 2012. Wenn das Land den Austritt ankündigt, werden diese Nettoforderungen vermutlich aufgrund von Kapitalflucht bis zum Austrittstag rasch verschwinden. Das Land hätte also die Chance, relativ verlustfrei aus dem Euro auszusteigen. Daher sollte man die Diskussion in Finnland sorgfältig verfolgen.

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