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Denkfabrik

In den USA steigt die Inflationsgefahr

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Die US-Notenbank hat mit ihrer Geldpolitik die Aktien- und Immobilienpreise nach oben getrieben. Jetzt fühlen sich die Bürger reich - doch nun muss die Fed die Inflation bekämpfen.

Ökonom Martin Feldstein Quelle: Laif

Vor einem halben Jahr habe ich eine halbwegs optimistische Konjunkturprognose für die USA abgegeben: Das Wachstum in meinem Heimatland werde sich 2014 auf drei Prozent erhöhen. So weit die Prognose – und was ist in Wirklichkeit geschehen? Nachdem die Wirtschaft nicht mehr wie zu Jahresanfang unter fürchterlichem Wetter zu leiden hat, scheint die Wirtschaft tatsächlich einen dynamischen Kurs eingeschlagen zu haben.

Der wichtigste Faktor für den schnelleren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr ist das Wachstum des Vermögens der amerikanischen Haushalte. Nach Zahlen der Notenbank Fed dürfen sich die Amerikaner über einen Wertzuwachs bei Wohneigentum von zwei Billionen Dollar freuen, bei Aktien, sonstigem Unternehmensbesitz und anderen privaten Kapitalanlagen sind es gar acht Billionen Dollar.

Das sagen Ökonomen zur Fed-Entscheidung

Die Erfahrung lehrt, dass private Haushalte bei einem Wachstum ihres Vermögens den Konsum langsam hochfahren, und zwar bis zu einer Steigerung von rund vier Dollar pro 100 Dollar Vermögenszuwachs. Dies würde bedeuten, dass der 2013 beobachtete Vermögenszuwachs von zehn Billionen Dollar den Konsum in den USA um etwa 400 Milliarden Dollar nach oben treibt – mithin rund 2,5 Prozent vom BIP. Selbst wenn dieser Effekt 2014 nur zur Hälfte eintritt, würde das immer noch für ein BIP-Wachstum von über einem Prozentpunkt sorgen.

Im ersten Quartal des Jahres stiegen die Konsumausgaben im Vergleich zum Vorquartal bereits um real drei Prozent, Tendenz: steigend. Gleichzeitig sinkt die Sparquote in den USA. Die Haushaltsersparnisse gingen in Relation zum verfügbaren Einkommen von etwa sechs Prozent im Jahr 2011 auf nur noch 3,8 Prozent im vergangenen Quartal zurück.

Gestiegene Vermögen bedeuten auch mehr Neubauten. Als die US-Notenbank Fed voriges Jahr ankündigte, sie werde ihre Strategie des „quantitative easing“ aufgeben, stiegen die Hypothekenzinsen. Darum wurden weniger Neubauten in Angriff genommen, und der zusammengerechnete Wert aller neuen Wohnbauprojekte ging zurück. Doch hier hat sich der Wind nun wieder gedreht. Im April wurden 26 Prozent mehr Bauprojekte begonnen als im Vorjahresmonat. Die Preise für Wohnimmobilien steigen wieder schneller. Das gilt für Neubauten und Altbestand gleichermaßen.

Die höheren Konsumausgaben und der Anstieg der Investitionen im Wohnungsbau haben die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen lassen. Dies hat im April zu einem Anstieg der Zahl der abhängig Beschäftigten um 288 000 Personen geführt. Anfang des Jahres lag der Monatsdurchschnitt noch unter 200 000 Personen. Setzt sich diese Entwicklung fort, führt das zu einem noch schnelleren Wachstum von Einkommen und Konsum.

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