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Denkfabrik

Jobboom ist harte Arbeit, kein deutsches Wunder

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Arbeitslosenquote

Gerade diese in den vergangenen Jahren gestiegene betriebliche Flexibilität erlaubte der deutschen Wirtschaft in der Krise ein Festhalten an einem Stamm qualifizierter Mitarbeiter. Diese Flexibilität ist im Wesentlichen das Ergebnis der betrieblichen und gesetzlichen Reformen der vergangenen Jahre. Die positiven Wirkungen der Reformen am Arbeitsmarkt zeigten sich nicht nur im vergangenen Aufschwung, sondern erlaubten es überdies, den negativen konjunkturellen Schock der Krise besser abzufedern.

Es gibt wohl kaum ein anderes Beispiel dafür, dass die Vorteile struktureller Veränderungen so klar und rasch sichtbar wurden wie in der jüngsten Krise in Deutschland. Deshalb befremdet es umso mehr, dass die vergangenen Reformen in Deutschland so wenig Rückhalt in Öffentlichkeit und Politik genießen.

Weiter Reformbedarf

Und wie geht es weiter? Die günstigen Arbeitsmarktperspektiven dürfen nicht den Blick darauf verstellen, dass auch zukünftig Reformbedarf am deutschen Arbeitsmarkt besteht. Angesichts des absehbaren Engpasses an Arbeitskräften, insbesondere im Bereich qualifizierter Tätigkeiten, brauchen wir unter anderem eine an wirtschaftlichen Erfordernissen ausgerichtete Einwanderungspolitik. Diese könnte dazu beitragen, die weiterhin unbefriedigend niedrigen Raten des Potenzialwachstums in Deutschland zu erhöhen.

Außerdem könnte der Migration in den nächsten Jahren eine wichtigere Rolle beim Ausgleich der nationalen Arbeitsmärkte innerhalb Europas zukommen. Wanderungsbewegungen sind innerhalb eines einheitlichen Wirtschafts- und Währungsraums normal – und aus ökonomischer Sicht wünschenswert. 

Jens Ulbrich ist Leiter des Zentralbereichs Volkswirtschaft bei der Deutschen Bundesbank. Vor seinem Einstieg dort war er Generalsekretär des Sachverständigenrats.

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