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Denkfabrik Lohnerhöhungen unter Ökonomen umstritten

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Contra

Von Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel

Die Konjunktur erholt sich schneller als erwartet, das prognostizierte Budgetdefizit wird kleiner, die Arbeitslosenquote sinkt: Deutschland scheint sich im vergangenen Jahr zum Krisengewinner gemausert zu haben. Dies schürt momentan die Erwartungen nach steigenden Löhnen, befeuert von Gewerkschaftern und einigen Politikern. Doch steht der Aufschwung langfristig auf so sicheren Pfeilern, dass wir uns nach oben schießende Lohnkosten leisten können?

Fakt ist: Der Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt geht vor allem auf die Lohnzurückhaltung vor der Krise und auf die Arbeitsmarkt-Reformen der alten Bundesregierung unter Gerhard Schröder zurück. Die Produktivität ist dadurch bei uns jahrelang schneller gestiegen als die Löhne und hat uns global in eine gute Ausgangsposition gebracht. Doch es gibt auch Faktoren, die dieses Fundament destabilisieren. Die Produktivität ist in der Krise massiv zurückgegangen und liegt noch immer unter dem Niveau der Jahre 2007 oder 2008. Zudem leiden die anderen europäischen Länder noch stark unter den Folgen der Wirtschaftskrise, die Binnennachfrage der USA schwächelt, und auch in den Schwellenländern werden die hohen Wachstumsraten nicht von Dauer sein.

Nicht zuletzt zeigen die Liquiditätsprobleme in Griechenland und Irland, aber auch in Portugal oder Spanien, wie anfällig die Finanzmärkte nach wie vor sind. Die Finanzkrise ist noch nicht überwunden – und der konjunkturelle Aufwärtstrend mit Risiken behaftet.

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    Für Tarifsteigerungen auf breiter Front gibt es 2011 daher keinen Spielraum. Jetzt die Löhne kräftig zu erhöhen würde unser anfälliges ökonomisches Fundament weiter gefährden. Stattdessen brauchen wir gerade am Arbeitsmarkt weitere Reformen, die das Fundament flexibler machen, sodass es auch in einem stärkeren Sturm nicht zerbricht, sondern kontrolliert schwanken kann. Individuelle Weiterbildungskonten, in denen alle bisherigen staatlichen Förderungen der Aus- und Weiterbildung zusammenfließen, wären ein flexibles, individuell einsetzbares Instrument. Eine Möglichkeit, Problemgruppen am Arbeitsmarkt zu integrieren, wären staatlich finanzierte Beschäftigungsgutscheine, die Unternehmen finanzielle Zuschüsse garantieren, wenn sie Langzeitarbeitslose einstellen. Solche Maßnahmen könnten Deutschland – im Gegensatz zu raschen Lohnerhöhungen – auch langfristig zum Krisengewinner machen.

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