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Denkfabrik Neue Vergütungsmodelle: Bonus mit Malus

Falsch konstruierte Vergütungsmodelle gelten als Mitauslöser der Finanzkrise. Unternehmen sollten daher eine „Bonusbank“ schaffen, die auch sanktionieren darf, sagt Arbeitsrecht-Experte Thomas Griebe.

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Thomas Griebe, Arbeitsrecht-Experte der internationalen Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing

Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat weltweit eine feurige Debatte über die Vergütungsmodelle von Vorständen und Führungskräften ausgelöst. In der Kritik stehen vor allem die Bonussysteme. In Deutschland will die Bundesregierung unter anderem durchsetzen, dass Boni für Manager künftig erst am Ende des Arbeitsverhältnisses ausgezahlt werden. Ist das die Lösung?

Die Antwort lautet: Nein! Zielvereinbarungen sind unerlässlich, um Mitarbeiter auf allen Ebenen zu motivieren und Strategien im Unternehmen umzusetzen. Richtig ist aber, dass die aktuellen Modelle häufig falsche Anreize setzen. Viele Unternehmen haben ihre variable Vergütung an falsche Kennzahlen geknüpft. Sollten Boni künftig erst mit Verspätung ausgezahlt werden, ist immer noch nicht gewährleistet, dass Entwicklungen, die sich erst in den Folgejahren zeigen, Berücksichtigung finden. Neue Zielvereinbarungssysteme müssen die Qualität der erzielten Ziele berücksichtigen – und auch Instrumente für Sanktionen vorsehen.

Das Modell, das beide Anforderungen am besten unterstützt, ist die sogenannte Bonusbank. Das System funktioniert so: Wie bisher wird Jahr für Jahr der Erreichungsgrad vereinbarter Ziele festgestellt. Das Vorstandsmitglied oder die Führungskraft erhält – wie auch von der Politik geplant – nicht die volle Summe des erreichten Bonus, sondern nur einen Teil oder zunächst keine Auszahlung. Der verbleibende oder komplette Betrag wird auf ein Konto bei einer unternehmenseigenen „Bonusbank“ eingezahlt, verzinst und erst später ausgeschüttet. Ein solches System kann erfolgreiche Manager dazu veranlassen, länger in einem Unternehmen zu bleiben, da sie Werte auf ihrem Bonuskonto ansammeln.

Malus-Regelung wird als "gerecht" empfunden

Der Clou bei der Bonusbank ist jedoch die Malus-Regelung. Sie ermöglicht, auch negative Guthaben auf das Konto einzuzahlen. Sollten sich bonusrelevante Kennzahlen schlechter entwickeln als geplant, wird der in guten Jahren aufgebaute Bonus nachträglich reduziert. Es findet eine Verrechnung statt. Die „Haftung“ für künftig schlechtere Zeiten sollte dabei mindestens drei bis fünf Jahre betragen. Sie entfällt erst, wenn der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt. Dann wird sein Bonusguthaben eingefroren und weiter verzinst.

Die Malus-Regelung entspricht damit dem, was gegenwärtig als „gerecht“ empfunden wird. Denn so ist es möglich, dem Gewinn aus einem erfolgreichen „unternehmerischen Handeln“, wie es durch die leistungsorientierte Vergütung gefördert werden soll, ein adäquates persönliches Verlustrisiko gegenüberzustellen. Das Fehlen eines solchen Risikos ist in der letzten Zeit oft als Schwäche in den Vergütungssystemen von Vorständen und Führungskräften angesehen worden. Die Bonusbank mit Malus ermöglicht einen am Markt orientierten und insbesondere arbeitsrechtlich sicheren Ansatz, Boni-Guthaben nachträglich zu reduzieren.

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