Deutsche Unternehmen Meister der Globalisierung

Verlängerte Werkbänke werden zu Käufermärkten, billige Arbeitskräfte zu Kunden. Die Globalisierung geht in die zweite Runde, die deutschen Unternehmen sind bestens gerüstet.

Linde-Sauerstoffzerlegungsanlage Quelle: PR Rüdiger Nehmzow

Brasilia und SP2: Wer weiß schon, dass das einmal Autos von Volkswagen waren, die in den frühen Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in Brasilien produziert wurden. Der Brasilia war ein kleiner, dreitüriger Kombi mit Käfermotor im Heck, der SP2 ein schnittiges Sportcoupé, das von der Seite etwas Ähnlichkeit mit dem legendären Ford Capri hatte.

VW do Brasil war 1953 die erste Auslandstochter von VW und führte immer schon ein Eigenleben: In den fünf Werken liefen nicht Entwicklungen aus Wolfsburg vom Band. Anders als damals in der Branche üblich, kreierte die Amazonas-Dependance auch eigene Modelle speziell für Brasilien, die angrenzenden Länder oder auch für Afrika – nie technisch hochtrabend, dafür robust und zu Preisen, die sich die Kundschaft dort leisten konnte.

Damit hat der VW-Konzern vor 40 Jahren vorgemacht, was Globalisierung heute bedeutet: den Sprung wichtiger Länder von der Werkbank für den Westen zum Absatzmarkt für dessen Konzerne. „Die Schwellenländer sind die Märkte der Zukunft und damit das Sprungbrett für künftiges Wachstum der Unternehmen“, sagt Frank Riemensperger, Deutschland-Chef und Globalisierungsexperte der Unternehmensberatung Accenture.

Die Unternehmer der Globalisierung
America MovilCarlos Slim: Der GünstlingDass der Mexikaner Carlos Slim zum reichsten Mann der Welt und zum Global Player in der Telekommunikation aufsteigen konnte, hat er der Regierung in Mexico City zu verdanken. Als die staatliche Telefongesellschaft Telmex 1990 privatisiert wurde, bekam sein Konsortium den Zuschlag – zum Schnäppchenpreis von 1,8 Milliarden Dollar. Auch danach konnte er sich auf staatliche Schützenhilfe verlassen: Wettbewerber wurden kaum zugelassen, sogar die Gesprächsgebühren durfte der Telekomunternehmer ungestört erhöhen. Mit den Monopolgewinnen finanzierte der Günstling der Regierenden eine beispiellose Expansion in Mittel- und Südamerika: Bis auf Costa Rica, Venezuela und Bolivien ist America Movil in allen Ländern vertreten. Mit knapp 250 Millionen Kunden gehört das Unternehmen zu den größten Mobilfunkbetreibern weltweit und hat sogar die Deutsche Telekom überholt. Jetzt wagt Slim den Sprung nach Europa. Er hat den Aktionären des holländischen Telekomkonzerns KPN ein Übernahmeangebot für knapp 28 Prozent der Anteile unterbreitet. Auch in Österreich, bei Telekom Austria, will Slim seinen Anteil von derzeit vier Prozent aufstocken. Dass der Mexikaner sich überhaupt nach Europa traut, ist nach Ansicht von Telekom-Chef René Obermann auch die Schuld der europäischen Regulierungsbehörden. Sie hätten mit dem Absenken der Mobilfunkentgelte den Aktien der europäischen Telekom-Konzerne geschadet − und damit Slims Offerten erst ermöglicht. Quelle: dpa
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Konzerne sind gut aufgestellt

Die deutschen Unternehmen sind bei dieser Entwicklung ganz vorn mit dabei – vor allem die Konzerne. „Der Auslandsumsatz ist zum wichtigsten Treiber für das Umsatzwachstum der Dax-Konzerne geworden,“ sagt Riemensperger, „viele sind dort nicht nur mit Niederlassungen und Produktionsanlagen, sondern auch mit Forschungs- und Entwicklungsabteilungen vertreten.“ Accenture hat für die WirtschaftsWoche ermittelt, wie sich der Grad der Globalisierung ausgewählter Dax-Unternehmen entwickelt hat. Verglichen wurden die Auslandsanteile bei Umsatz und Mitarbeitern 2010 und 2001.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Fast alle untersuchten Unternehmen haben ihre Auslandsumsatzquote in den vergangenen zehn Jahren gesteigert (siehe Kurztexte). Der Medizintechnikhersteller Fresenius Medical Care macht 97 Prozent seiner Umsätze im Ausland, Sportartikelproduzent Adidas 95 Prozent, Industriegasehersteller Linde über 90 Prozent. Dessen Chef Wolfgang Reitzle hat die Ausweitung der Geschäfte ins Ausland zum Kernpunkt seiner Strategie erklärt. Und auch der Chemiekonzern Bayer, der Pharmahersteller Merck, Siemens oder BMW erzielen mehr als drei Viertel ihrer Umsätze im Ausland. Riemensperger: „Die deutschen Unternehmen sind im internationalen Wettbewerb sehr gut aufgestellt.“

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