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Deutsche Wirtschaft Können wir dem Aufschwung trauen?

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Eigeninitiative ist gefordert

Statt auf Wachstumsimpulse durch eine wirtschaftliche Erholung in den europäischen Nachbarländern sowie den großen Märkten in Asien zu hoffen, wäre Deutschland – konkret: die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft – gut beraten, die Weichen für nachhaltiges Wachstum zu stellen. Kurz- wie mittelfristig.

„Deutschland ist gut durch die Krise gekommen, droht aber durch verschiedene politische Maßnahmen seine Lage deutlich zu verschlechtern“, sagt Jürgen Matthes. „Dazu zählen vor allem der Mindestlohn, die jüngsten Rentengeschenke und die Kostenbelastungen der zu wenig durchdachten Energiewende.“

Konjunkturdaten der Weltwirtschaft

Änderungen hier sind in nächster Zeit unwahrscheinlich. Umso wichtiger, dass der Freihandel verteidigt und das TTIP-Abkommen verwirklicht wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel will noch in diesem Jahr einen Abschluss der Verhandlungen – trotz der Skepsis in der Bevölkerung. Eine Abschaffung der Zölle und eine Harmonisierung der Produktionsprozesse und Sicherheitsüberprüfungen wären wichtig – auch als Signal nach außen.

TTIP statt Protektionismus

„Die größte Gefahr für die Weltwirtschaft liegt im sogenannten Handelsprotektionismus“, sagt IW-Köln-Experte Matthes. "Denn in einer Welt mit globaler Nachfrageschwäche und hoher Arbeitslosigkeit in vielen Ländern steigen die Anreize zu einer so genannten beggar-thy-neighbour Politik (auf Deutsch: den Nachbarn ausplündern). Dabei suchen Staaten mit Zöllen, willkürlichen Importvorschriften oder Wechselkursabwertungen den eigenen Vorteil auf Kosten anderer.“

Konjunktur



 

Mahnende Worte in diesem Zusammenhang kommen auch von der Welthandelsorganisation (WTO). Sie schraubt ihre Prognose für den internationalen Güteraustausch erneut nach unten. Sie geht für 2015 nur noch von einem Anstieg von 3,3 Prozent aus. Bislang lag die Erwartung bei 4,0 Prozent, ursprünglich gar bei 5,3 Prozent. Das Handelswachstum lag im vergangenen Jahr mit 2,8 Prozent ebenfalls deutlich unter der ursprünglichen Vorhersage. In den vergangenen drei Jahren betrug es im Schnitt lediglich 2,4 Prozent. Zum Vergleich: In den Jahren 1990 bis zum Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008 wurden durchschnittlich noch 6,0 Prozent erreicht.

Es bleibt also noch Einiges zu tun – für Politik wie für die Wirtschaft. Denn auch die Unternehmen müssen noch einige Baustellen beheben. Denn auch die Unternehmen müssen noch einige Baustellen beheben. So birgt die technologische Evolution zwar reichlich Chancen, wie auf der Hannover Messe richtigerweise betont wurde – aber auch Risiken. „Industrie 4.0 ist die Schicksalsfrage der deutschen Industrie, die sie aber global beantworten muss“, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser auf der Hannover Messe.

„Industrie 4.0 ist eine Revolution, die die 2020er-Jahre bestimmen wird. Sie wird ganze Geschäftsmodelle und die Industrie weltweit verändern.“ Die Wirtschaft muss sich darauf vorbereiten, damit der nächste Aufschwung nicht an Deutschland vorbeigeht.

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