Deutschland Exportklima trübt sich ein

Exklusiv

Die Perspektiven für die deutsche Exportwirtschaft haben sich leicht eingetrübt.

Starker Norden, schwacher Rest
Platz 81 - Griechenland:Griechenland ist am härtesten von der Euro-Krise getroffen worden – überwunden hat es sie noch lange nicht. Der griechische Gütermarkt liegt weltweit auf Platz 85, was zum einen an dem schwachen Wettbewerb liegt (Rang 71) und zum andern an dem unflexiblen Arbeitsmarkt (Rang 118). Nichtsdestotrotz fruchten die Reformen: Das Haushaltsdefizit hat sich verringert. Will Griechenland wieder wettbewerbsfähig werden, ist die Arbeit damit aber noch lange nicht getan. Griechenlands Institutionen sind nach wie vor ineffizient, ebenso die Regierung (Rang 129). Der Finanzmarkt hat sich von der Krise bis heute nicht erholt (Rang 130), genau so wenig der Bankensektor (Rang 141). Der Zugang zu Krediten gehört zu einem der größten Probleme der griechischen Wirtschaft (Rang 136). Die Innovationsfähigkeit Griechenlands (Rang 109) und das Bildungssystem (Rang 111) sind ebenfalls große Baustellen. Es ist noch viel zu tun. Quelle: dpa
Platz 49 - Italien:Weit vor Griechenland aber immer noch weit entfernt von einer Topplatzierung liegt Europas drittgrößte Volkswirtschaft: Italien. Die staatlichen Institutionen gelten als ineffizient (Rang 106) genau so wie die Arbeit der Regierung (Rang 143). Der Arbeitsmarkt ist unflexibel und trägt nicht zum Aufschwung bei (Rang 136). Auch finanziell läuft es in Italien nicht besonders gut. Die Unternehmen leiden nach wie vor unter den Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen (Rang 139) und an den hohen Steuern (Rang 134). Italien hat Reformen dringend nötig, die helfen, seine guten Voraussetzungen zu nutzen. Es verfügt über starke Unternehmen (Rang 25), die ein nicht zu verachtenswertes Innovationspotenzial haben (Rang 39) und sich auf wettbewerbsintensiven Märkten messen (Rang 12). Solange Italien aber nicht die notwendigen Reformen umsetzt, wird es sein Potenzial nicht umsetzen können und weiter wenig wettbewerbsfähig sein. Quelle: dpa
Platz 36 - Portugal:Die Probleme der Banco Espirito Santo rufen den Portugiesen die beinahe überwunden geglaubte Finanzkrise zurück in die Erinnerung. Entmutigen lassen sollte sich das Land davon aber nicht. Ganze 15 Ränge ist es seit dem vergangen Jahr aufgestiegen, was zeigt, dass die ambitionierten Reformen wirken. Der Arbeitsmarkt ist flexibler geworden (Rang 119) – allerdings ist hier noch einiges zu tun. Weiter aufbauen kann Portugal auf seine starke Infrastruktur (Rang 18) und seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte (Rang 29). Die Konzerne in Portugal haben allerdings nach wie vor ein Schuldenproblem (Rang 129), ebenso der Staat selbst (Rang 138). Der Finanzsektor hat sich bis jetzt nur minimal erholt (Rang 104), weswegen der Zugang zu Krediten weiter eingeschränkt ist (Rang 108). Der Arbeitsmarkt muss flexibler werden (Rang 40) und an der Innovationsfähigkeit muss auch weiter gearbeitet werden (Rang 37). Trotzdem sehen die Autoren Portugal auf einem guten Weg. Quelle: REUTERS
Platz 35 - Spanien: Auch Spanien loben die Autoren. Hier zeigen die Reformen erste Wirkungen. Das Haushaltsdefizit ist zwar nach wie vor hoch, aber gesunken (Rang 128). Der Finanzsektor ist robuster geworden (Rang 85), der Arbeitsmarkt flexibler (Rang 120) – in beiden Bereichen ist aber noch viel Luft nach oben. Die staatlichen Institutionen gelten als korrupt (Rang 80) und die Regierung als ineffizient (Rang 105). Trotzdem profitiert Spanien von seiner exzellenten Infrastruktur (Rang 6) und einer gebildeten Bevölkerung (Rang 8). Würde der Arbeitsmarkt besser funktionieren (Rang 120), könnte Spanien diese Potenziale noch weiter ausschöpfen. Auch das Innovationspotenzial Spaniens ist ausbaufähig (Rang 60) – zum Beispiel durch höhere Investitionen in die Forschung (Rang 52). Quelle: REUTERS
Platz 29 - Estland: Estland ist nicht nur eines der jüngsten Euro-Länder, sondern auch, was die Wettbewerbsfähigkeit angeht, das stärkste osteuropäische Land. Das liegt vor allem daran, dass Estlands Arbeitsmarkt effizienter ist als der anderer Länder in der Region (Rang 11). Daneben glänzt Estland mit einem starken Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 20), was hoffen lässt, dass Estland sein Innovationspotenzial (Rang 30) weiter ausbaut. Auch in die Infrastruktur sollten die Esten laut den Autoren deutlich mehr investieren (Rang 38), denn sie liegt weit unter dem westeuropäischen Standards (Rang 58). Quelle: dpa
Platz 25 - Irland:Als Enda Kenny 2011 irischer Ministerpräsident wurde, hatte er alle Hand voll zu tun. Irland hatte die Finanzkrise übel mitgespielt. Immer noch ist die finanzielle Lage Irlands nicht gut und die Staatsverschuldung hoch (Rang 130). Dafür funktionieren der Güter- (Rang 10) und der Arbeitsmarkt (Rang 18) hervorragend, was sich auf lange Zeit auszahlen wird. Die Unternehmen sind innovativ (Rang 20) und technologisch gut ausgestattet (Rang 12). In Kombination mit dem exzellenten Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 8) und einer jungen Bevölkerung, werden diese Faktoren dazu führen, dass Irlands Wettbewerbsfähigkeit weiter zunimmt und weiter zu den führenden Euro-Staaten aufschließt. Quelle: dapd
Platz 23 - Frankreich:Europas zweitgrößte Volkswirtschaft bereitet den Europäern schon länger Sorgen. Als Frankreichs Präsident François Hollande gewählt wurde, versprach er den Umbruch: Er wollte Unternehmens-freundliche Reformen umsetzen, um Wirtschaftswachstum zu schaffen und die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Auf Frankreichs Arbeitsmarkt hat sich bis dato allerdings wenig verändert (Rang 61, vorher: Rang 71). Die hohe Staatsverschuldung hat dazu geführt, das Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft wurde. Nichtsdestotrotz besteht für Frankreich nach wie vor Hoffnung. Die Infrastruktur gehört zu den besten der Welt. Auch in puncto Bildung schneidet Frankreich gut ab, was Frankreich hohes technologisches Potenzial auch künftig befördern wird (Rang 17). Zudem bietet Frankreich ein gutes Umfeld für Innovationen. Trotzdem läuft etwas schief. Der Abstand zu Ländern wie Irland wird kleiner. Quelle: dpa
Platz 18 - Belgien:Belgien beherbergt nicht nur die Europäische Kommission, sondern gehört auch zu den wettbewerbsfähigsten Ländern Europas. Durch das herausragende Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 5), bei dem vor allem die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer forciert werden (Rang 3), können die Unternehmen auf höchstem Niveau produzieren (Rang 10). Der hohe Wettbewerb auf den belgischen Märkten (Rang 6) befördert die Innovationskraft der Unternehmen (Rang 13). Gesenkt wird Belgiens Wettbewerbsfähigkeit durch eine ineffiziente Regierungsarbeit (Rang 64), hohe Steuern (Rang 126) und die Kosten die mit der Staatsverschuldung verbunden sind. Die beträgt nahezu 100 Prozent des BIPs. Quelle: dpa
Platz 8 - Niederlande:Die europäische Wirtschaftskrise erreichte mit den Niederlanden auch den stabilen Kern der Eurozone. Die Niederlande müssen immer noch schmerzhafte Reformen umsetzen. Nichtsdestotrotz sind sie in Sachen Wettbewerbsfähigkeit in der Euro-Zone weiter die Nummer zwei. Grund dafür sind das exzellente Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 3) und die wettbewerbsintensiven Märkte – aus alle dem resultiert dem eine hohe Innovationskraft (Rang 8). Die erstklassige Infrastruktur (Rang 4) sorgt dafür, dass die Niederländer ihre Stärken voll ausschöpfen können. Trotz der sehr effizienten staatlichen Institutionen (Rang 10) haben es die Niederländer bis dato versäumt, ihren unflexiblen Arbeitsmarkt (Rang 123) zu reformieren. Ebenfalls Probleme bereitet das Finanzsystem (Rang 80), das den Zugang zu Krediten immer schwieriger macht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Platz 5 - Deutschland:Der Spitzenreiter in der Euro-Zone ist Deutschland. Von der Euro-Krise blieb die deutsche Wirtschaft bis dahin noch weitestgehend verschont. Grund dafür sind die hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung (Rang 6). Auch die deutschen Unternehmen sind nicht zimperlich, wenn es um Investitionen in die Forschung geht (Rang 5). Die hervorragende Infrastruktur (Rang 7) und die exzellente Ausbildung (Rang 6) festigen Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit. Die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen wird allerdings durch die hohe Staatsverschuldung gedämpft (Rang 118). Quelle: REUTERS

Der vom ifo Institut exklusiv für die WirtschaftsWoche erstellte Exportklimaindex sank im November auf 0,37 Saldenpunkte. Zuvor war er zwei Monate hintereinander gestiegen. Der Indikator bündelt den realen Außenwert des Euro – also die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Ausfuhrwirtschaft – sowie das Konsum- und Geschäftsklima auf den wichtigsten Absatzmärkten der deutschen Wirtschaft. Grund für den Rückgang ist laut ifo, dass "die stärkeren Preisanstiege in Deutschland relativ zu vielen Handelspartnern dämpfend auf die Wettbewerbsfähigkeit gewirkt haben". Das Unternehmens- und Verbrauchervertrauen im Ausland blieb gegenüber dem Vormonat weitgehend stabil.

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