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Die Zukunft des WährungssystemsDie Dominanz des Dollar ist (noch) nicht in Gefahr

Die Deglobalisierung erfasst zunehmend auch die Finanzmärkte, viele Schwellenländer wollen währungspolitisch zusammenrücken. Doch das reicht nicht aus, um die Vorherrschaft des Dollar zu brechen, schreibt der britische Ökonom Jim O´Neill in einem Gastbeitrag.Jim O'Neill 24.04.2023 - 07:19 Uhr
Foto: imago images

Ist die globale Vormachtstellung der Vereinigten Staaten – und die des US-Dollar – bedroht? Russlands Krieg in der Ukraine, das jüngste Treffen zwischen Wladimir Putin und Xi Jinping in Moskau und Chinas offensichtlicher Erfolg bei der Vermittlung einer diplomatischen Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien haben diese Debatte erneut angeheizt.

Die Gruppe des sogenannten BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) erwägt nun sogar eine Erweiterung um Iran und Saudi-Arabien. Da stellt sich durchaus die Frage, ob eine größere und einflussreichere „BRICS-Plus“-Gruppe die Dollardominanz gefährden könnte.

Bedrohungen für die Rolle des Dollar im globalen Finanzsystem sind nicht neu und seit den 1980er-Jahren immer wieder aufgetaucht. Ein global etwas zurückgedrängter Dollar wäre auch keine Katastrophe für die USA, wenn man die zusätzliche Verantwortung bedenkt, die mit der Ausgabe der wichtigsten Reservewährung der Welt einhergeht. In einer Weltwirtschaft, in der die USA nicht mehr so dominant sind wie früher, ist es nicht optimal, wenn alle anderen Länder so stark vom amerikanischen Währungssystem und den innenpolitischen Prioritäten der Notenbank Federal Reserve abhängig sind. So manche Volkswirtschaft würde es sicher begrüßen, wenn ihre eigenen Währungen, Geldpolitiken und Handelsmuster nicht so stark von denen der USA beeinflusst würden.

Zur Person
Jim O’Neill ist Mitglied der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung, Mitglied des britischen Oberhauses sowie ehemaliger Vorsitzender von Goldman Sachs Asset Management. Der Ökonom gilt als Erfinder des heute weltweit verwendeten BRIC-Kürzels für die Gruppe der Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China.

Die Tatsache, dass eine Gruppe aufstrebender Mächte nun höhere Ziele für sich selbst anstrebt, bedeutet jedoch nicht unbedingt etwas für das US-zentrierte Finanzsystem. Schließlich stehen sowohl die BRICS- als auch die potenziellen BRICS-Plus-Länder selbst vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen, und es ist nicht klar, was sie über die Abgabe symbolischer Erklärungen hinaus gemeinsam zu erreichen hoffen. Entscheidend ist, dass die wichtigsten Volkswirtschaften der Gruppe, China und Indien, erbitterte Gegner sind, die nur selten zusammenarbeiten. Solange sich das nicht ändert, ist es eine Illusion zu glauben, dass die BRICS-Staaten den Dollar ernsthaft herausfordern könnten.

Daran ändert auch die mögliche Integration von Iran und Saudi-Arabien in die BRICS-Gruppe nichts. Die Aufnahme von zwei weiteren großen Ölproduzenten (neben Russland) dürfte zwar die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein Teil des weltweit gehandelten Rohöls künftig in anderen Währungen als dem Dollar abgerechnet wird. Aber solange die Verdrängung des Dollar nicht ein ausdrückliches gemeinsames Ziel der beteiligten Länder darstellt, bleiben solche Änderungen in der Rechnungsstellung vor allem für Finanzjournalisten interessant.

Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich Argumente hören musste, warum Öl bald in einer neuen Währung abgerechnet werden könnte. Zuerst sollte es die Deutsche Mark sein, dann der Yen, dann der Euro. Nun ist es immer noch der Dollar.

Denn auch dies gilt es zu beachten: Jedes BRICS- oder BRICS-Plus-Mitglied muss, wenn es eine strategische Herausforderung für den Dollar darstellen will, Anleger, ausländische und inländische Sparer selbst entscheiden lassen, wann sie auf ihre Währung lautende Vermögenswerte kaufen oder verkaufen. Das bedeutet, dass es keine Kapitalverkehrskontrollen geben darf – so wie sie etwa China eingeführt hat. Solange die BRICS-Gruppe keine glaubwürdige Alternative zum Dollar für ihre eigenen Ersparnisse anbieten können, kann sie die Dominanz des Greenback nicht nachhaltig in Frage stellen.

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