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Dollar vs. Yuan Wechselkurskonflikt zwischen USA und China

Die Schwäche des US-Dollar nagt am internationalen Handel. Warum die USA auf eine Aufwertung des Yuan drängen und China das noch nicht tun wird.

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Ein Bankmitarbeiter zählt Quelle: AP

Seit Jahren vergeht kein Treffen der Regierungschefs aus China und den USA, bei dem die Vertreter beider Wirtschaftsmächte nicht die Gefahr des Protektionismus beschwören – und zusichern, Handelshemmnisse abzubauen. Doch viel genutzt haben diese Erklärungen nicht. China und die USA befinden sich in einer gegenseitigen Abhängigkeit, die immer wieder vom Einsatz protektionistischer Instrumente auf beiden Seiten gekennzeichnet ist.

Unterbewertung als Exportmotor

Der Standardvorwurf der USA gegen China lautet, das Reich der Mitte fördere seine Exporte durch die Unterbewertung der eigenen Währung. Da Chinas Unternehmen mit ihren Exporten große Mengen US-Dollar einnehmen, tauscht die chinesische Zentralbank sie gegen Yuan und legt die Dollar-Milliarden in amerikanischen Staatsanleihen an. Damit der staatlich gewünschte Wechselkurs zum US-Dollar erhalten bleibt, muss die chinesische Zentralbank ständig am Devisenmarkt intervenieren, indem sie Yuan verkauft und Dollar ankauft, um Dollar-Angebot und Yuan-Nachfrage auszugleichen.

USA schützt sich mit Zöllen

Seit Juli vergangenen Jahres hat die chinesische Zentralbank die zuvor betriebene Politik der schrittweisen Aufwertung gestoppt. Seither hält sie den Wechselkurs stabil bei 6,8 Yuan je Dollar. Ihr Ziel: Die Exporte als wichtiges Standbein der chinesischen Konjunktur zu beleben und die Wirtschaft zu stützen.

Der US-Regierung ist die Wechselkurspolitik Chinas schon seit langem ein Dorn im Auge. Sie sieht darin die Ursache für die Überflutung der US-Märkte mit Billigprodukten made in China. Nicht zuletzt auf Druck der Gewerkschaften hat US-Präsident Obama daher vor wenigen Wochen Einfuhrzölle auf in China produzierte Reifen erhoben. China reagierte prompt und erwägt, die Einfuhrbedingungen für Autos aus den USA zu verschärfen.

Eine rasche Entspannung im Handels- und Wechselkurskonflikt ist nicht in Sicht. Solange die Weltwirtschaft am Tropf staatlicher Konjunkturprogramme hängt, wird China nicht riskieren, seine Exporte durch einen stärkeren Yuan zu bremsen. Frühestens Mitte nächsten Jahres, wenn sich die globale Wirtschaft gefestigt hat, könnten die Währungshüter in Peking den Yuan behutsam weiter aufwerten, zumal sich bis dahin die Inflationsrate wieder in positives Terrain vorgearbeitet haben dürfte. Ein stärkerer Yuan dürfte dann von den Machthabern in Peking als ein Mittel zur Dämpfung des Preisauftriebs gesehen werden.

Aufwertung gegen globale Ungleichgewichte

Lassen die Chinesen den Yuan aufwerten, trüge das auch dazu bei, die globalen Ungleichgewichte abzubauen. Denn ein stärkerer Yuan würde die chinesischen Exporte bremsen und so den Leistungsbilanzüberschusse Chinas verringern. Das Reich der Mitte müsste dann weniger Dollar kaufen und in US-Staatsanleihen anlegen. Die geringere Nachfrage der Chinesen am US-Bondmarkt würde die Kurse der Anleihen unter Druck setzen und deren Renditen erhöhen. Das gäbe den US-Bürgern mehr Anreize, ihr Geld auf die hohe Kante zu legen und den Konsum zu drosseln. Dadurch würde der Importsog der USA nachlassen und das Defizit in der Leistungsbilanz sinken.

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