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Draghi flutet die Märkte mit Geld EZB beschließt Kaufprogramm von 60 Milliarden Euro pro Monat

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Die Reaktionen der deutschen Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft kritisiert den massenhaften Kauf von Staatsanleihen. "Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt. Dabei überwiegen eindeutig die Risiken: Die Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen auf die Preisentwicklung in der Eurozone ist unsicher."

Zugleich werde damit der Druck auf die Krisenstaaten gemindert, dringend notwendige Reformen durchzuführen. "Auch die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten lässt er weiter steigen", sagte Wansleben. Kritik kommt auch aus der CDU. "Diese Maßnahme hilft dem Süden der Euro-Zone, der Norden braucht sie nicht", erklärte der Chef des einflussreichen Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk.

Wie Mario Draghi die Märkte mit Geld fluten kann

Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank sagte: "Da das Programm 19 Monate laufen soll, dürften mehr als 1000 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden.“ Damit sei das Kaufprogramm deutlich größer, als es die meisten Experten erwartet hätten. Darüber hinaus habe Draghi gesagt, dass solange gekauft wird, wie es die Inflation notwendig erscheinen lässt. „Das könnte darauf hindeuten, dass die EZB im Falle einer anhaltend niedrigen Inflation noch einmal nachlegt.“

An die Wirkung auf das schwache Wachstum und die niedrige Inflation im Euro-Raum glaubt er nicht. "Die Maßnahmen treiben die Vermögenspreise. Das hilft also nicht der Konjunktur, sondern über niedrige Zinsen den Finanzministern der hoch verschuldeten Euro-Ländern und deren Banken."

Auch Stefan Bielmeier, der Chefvolkswirt der DZ Bank ist skeptisch. "Die realwirtschaftlichen Effekte für Wachstum und Inflation dürften sehr überschaubar bleiben. Die Finanzmärkte gaben und geben sich mit Hingabe der Geldillusion hin - mehr Geld soll auch mehr helfen."

Die Frage, was danach kommt, bleibe offen. "Was der Euroraum wirklich braucht, sind nicht noch weitere Programme der EZB, sondern Reformen in Wirtschaft und Politik. Nur damit werden wir ein nachhaltig stärkeres Wirtschaftswachstum erzielen, auf das wir nun schon so lange warten." Kurzfristig dürfte Deutschland von dem QE-Programm profitieren – zahle dafür aber einen hohen Preis: Das implizite Risiko in den Bilanzen der Notenbanken steige weiter.

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