Ehrgeiziges Schwellenland: Die Türkei steht sich selbst im Weg
Brasilien: Schwache Strukturen bremsen das große Potenzial
Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas will nicht mehr so recht anlaufen. Wuchs sie 2010 noch um über sieben Prozent, hat sie seitdem nicht einmal mehr drei Prozent erreicht. Der IWF korrigierte seine aktuelle Prognose sogar noch nach unten. Unter den Schwellenländern wurde die Prognose für Brasilien am stärksten gekürzt. Hier sieht der IWF im laufenden Jahr ein Wachstum von 0,3 Prozent und im nächsten Jahr von 1,4 Prozent. Im Juli rechnete der IWF noch mit 1,3 Prozent und zwei Prozent Plus.
Langfristig sehen mehrere Studien nach wie vor ein großes Wachstumspotenzial für Brasilien. Das liegt vor allem an dem Rohstoffreichtum des Landes, der gut funktionierenden Landwirtschaft und der großen und konsumfreudigen Bevölkerung. Kurz- und mittelfristig seien die Aussichten allerdings unsicher. So bemängeln Analysten die hohen Steuern und das komplizierte Steuersystem. Weitere Wachstumshemmnisse sind die marode brasilianische Infrastruktur und die schwerfällige Bürokratie. Hohe Löhne und Finanzierungskosten sowie protektionistische Handelsregeln halten Investoren derzeit auf Abstand. Auch qualifizierte Arbeitskräfte sind Mangelware - die Arbeitsproduktivität in der sechst größten Volkswirtschaft der Welt liegt 30 bis 50 Prozent unter dem europäischen Niveau. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,6 Prozent relativ moderat.
Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef hat nach ihrem knappen Wahlsieg viel zu tun, wenn sie die Potenziale ihrer Volkswirtschaft ausreizen will.
Foto: dapd
Brasilien hat weitere Probleme: Die Inflation steigt und wird wohl nur mit Mühe unter dem obersten Ziel von 6,5 Prozent liegen. Die Industrie schwächelt, die heimische Real-Währung ist volatil. Als einer der Verantwortlichen gilt Finanzminister Guido Mantega, der dem neuen Kabinett Rousseff nicht mehr angehören wird.
Auch das Thema Korruption wird die Staatschefin verfolgen. Denn sie sieht sich mit einem massiven Schmiergeldskandal konfrontiert, der zwei Tage vor der Stichwahl erneut hochkochte. Sollten Untersuchungen ergeben, dass sie über ein Korruptionssystem beim staatlich kontrollierten Öl-Konzern Petrobras Bescheid wusste, hätte das unabsehbare Folgen.
Foto: APRussland: Die Wirtschaftssanktionen sind nicht Russlands größtes Problem
Der größte Flächenstaat hat sich selbst in eine Krise manövriert. Die politische Machtdemonstration in der Ukraine kostet Russlands Wirtschaft Kraft. Erst im vergangenen Monat hat die US-Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Russlands deswegen von „Baa1“ auf „Baa2“ herabgestuft – damit liegt die Bonität Russlands nur noch knapp über dem Ramschniveau. Auch der Ausblick für die zukünftige Entwicklung ist negativ.
Die Sanktionen des Westens belasten die mittelfristigen Wachstumsaussichten. Der IWF geht davon aus, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,2 Prozent und im nächsten Jahr um 0,5 Prozent wachsen wird.
Allerdings sind die Wirtschaftssanktionen nicht das größte Problem Russlands. Der Absturz des Rubels und des Ölpreises machen der Wirtschaft viel mehr zu schaffen.
Foto: picture-alliance/ dpaGazprom profitiert zwar von dem Ende des Gasstreits zwischen der Ukraine und Russland – gute Zukunftsaussichten sehen aber anders aus. Der Ölpreis ist aufgrund der nachlassenden Weltkonjunktur von 107 Dollar pro Fass auf 86 Dollar gefallen. Für die vom Öl und von Gas abhängige russische Wirtschaft birgt das große Probleme – Russland generiert rund die Hälfte seiner Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas.
Die Schwäche des Rubels drückt das Wachstum ebenfalls und kostet Russland monatlich Milliarden. Seit Januar ist der Kurs des Rubels um 20 Prozent gefallen. Das führt dazu, dass die Importe teurer werden. Der Lebensmittelpreis ist beispielsweise im September um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Indien: Eine Wirtschaft auf Reformkurs
Gemessen an den Bevölkerungszahlen ist Indien die zweitgrößte Wirtschaft der Welt. Auch in Bezug auf das Wirtschaftswachstum war Indien lange Zeit weltspitze. 2010 wuchs die Wirtschaft noch um über zehn Prozent – 2014 sind es vergleichsweise nur noch magere fünf Prozent. Gemessen an den westlichen Industrieländern ist diese Quote allerdings immer noch beeindruckend.
Für 2015 erwartet der IWF, dass die indische Wirtschaft wieder stärker anzieht. Ein Wirtschaftswachstum von 6,5 Prozent wird erwartet. Besonders tragen dazu die Bereiche Elektrizität, Gas- und Wasserversorgung sowie Finanzen an.
Analysten fühlen sich in ihrer Annahme bestätigt: Sie mutmaßten, dass das zuletzt verhältnismäßig enttäuschende Wirtschaftswachstum auf eine ineffiziente Wirtschaftspolitik zurückzuführen ist. In den letzten beiden Jahren wuchs die indische Wirtschaft um weniger als fünf Prozent.
Der neue Premierminister Narenda Modi reformiert das Land. So erneuert er beispielsweise die indischen Arbeitsgesetze, die zum Teil noch aus der Zeit der britischen Kolonialherrschaft stammten, die 1974 endete.
Foto: ap
Problematisch ist für Indien die nach wie vor hohe Abhängigkeit von der Landwirtschaft. Zwar macht sie mittlerweile nur noch 14 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, von ihren Erträgen hängt aber immer noch das Wohl von 40 Prozent der Bevölkerung ab. Der Monsunregen, der für die Landwirtschaft existenziell ist, fiel in diesem Jahr nur schwach aus.
Ein weiteres Problem ist die Teuerung, die Indien nicht in den Griff zu kriegen scheint. Im Juli lagen die Verbraucherpreise Indiens über acht Prozent über dem Vorjahreswert. Der Notenbankgouverneur Raghuram Rajan hat sich deshalb verpflichtet, den Anstieg der Konsumentenpreise bis 2015 auf unter acht Prozent zu drücken.
Foto: dpaChina: Vom Bauernstaat zur modernen Dienstleistungsnation
Von 2002 bis 2012 wuchs Chinas Wirtschaft um unfassbare 170 Prozent. Doch die Zeiten des Super-Wachstums scheinen vorerst vorbei zu sein. Im dritten Quartal 2014 ist die chinesische Wirtschaft so langsam gewachsen wie seit 2009 nicht mehr. Der IWF geht aber nach wie vor von Wachstumsraten über sieben Prozent aus.
China ist aber nur scheinbar geschwächt. Die Staatsführung will die Wirtschaft neu ausrichten und ist bereit, dafür geringeres Wachstum hinzunehmen. Der Kurs scheint erfolgreich. Alleine in den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden in China zehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.
Ein moderner Dienstleistungsstaat will China werden. Dienstleistungen trugen im ersten Halbjahr 2014 mit 46 Prozent mehr zum BIP bei als die Industrie. Die Hightech-Industrie legte um 12,4 Prozent zu. Zu den neuen Motoren der chinesischen Wirtschaft zählt auch das Online-Geschäft, das um fast 50 Prozent zulegte.
Foto: dpaDie Wende von quantitativem zu qualitativem Wachstum in China ist überfällig. Denn nach Jahrzehnten des stürmischen Turbo-Wachstums sind die Flüsse und die Luft vergiftet, die Wälder abgeholzt. Und die Einkommensschere klafft in der Volksrepublik heute schon so weit auseinander wie in den USA, der Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt ist brutal. In dieser Situation das Bruttoinlandsprodukt Jahr für Jahr um zehn Prozent zu erhöhen wäre schlicht unseriös, urteilt der Finanzwissenschaftler Yi Xianrong von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS). „Ein niedrigeres Wachstumsziel ist gesünder. Die exzessive Nutzung aller Ressourcen muss ein Ende haben.“
Eine Umfrage der EU-Kammer in Peking kam derweil zu dem Ergebnis, dass die goldenen Zeiten für China endgültig vorbei seien. Grund dafür seien immer höhere Löhne und schlechte Standortfaktoren. Auch die Investitionen des Auslands in China lassen zu wünschen übrig. Im ersten Halbjahr 2014 stiegen sie nur um rund zwei Prozent an.
Diese Woche haben die Türken wieder einmal Anlass, stolz auf ihre Wirtschaft zu sein. Der Weltkonzern General Electric hat in einer neuen Studie das Innovationspotenzial der Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas einschließlich des OECD-Landes Türkei verglichen – an der Spitze gleichauf liegen Algerien und die Türkei.
Die Istanbuler Tageszeitung „Hürriyet“ zitiert den für die Region zuständigen General-Electric-Topmanager Nabil Habayeb mit den Worten: „Die Türkei hat immer noch viel Wachstumspotenzial, zum Beispiel im Energiesektor und da ganz besonders bei den Erneuerbaren“.
Habayeb, Amerikaner mit arabischen Wurzeln, verheißt der Türkei glänzende Aussichten, freilich unter einer Bedingung: „Viele Leute“ – er meint Investoren – „planen, hier solche innovativen Projekte zu starten – sie werden kommen, solange sie wissen, dass ihre Projekte profitable und sicher sein werden.“
Die Profitabilität ausländischer Investitionen in der Türkei macht offenbar kaum jemandem Sorgen. General Electric betreibt in der Türkei eines seiner weltweit größten Luftfahrtzentren mit 320 Ingenieuren und gewaltigen Wachstumszahlen. Renault und Fiat, Hyundai und Toyota bauen Autos am Bosporus, keineswegs nur für den wachsenden türkischen Markt: Die Automobilindustrie hat schon lange den traditionell wichtigen Textilsektor als größte Branche beim türkischen Export abgelöst.
Und auch wenn es keine Personenkraftwagen made in Turkey gibt, die das Logo eines deutschen Konzerns tragen – die mit Abstand wichtigsten ausländischen Investoren am Bosporus sind die Deutschen mit einem Anteil von zuletzt 18 Prozent an den Neuinvestitionen im Lande.
Dafür gibt es viele Gründe. Das Freihandelsabkommen der EU mit der Türkei, schon Mitte der Neunzigerjahre abgeschlossen, macht den Handel zwischen den beiden Ländern unkompliziert wie mit keinem anderen Schwellenland. Dann hat der zumindest offiziell ungebrochene Wunsch der Türkei, endlich der Europäischen Union beitreten zu dürfen, zur Anpassung vieler Gesetze und Normen an europäische Standards geführt.
Und wichtiger noch mag die Tatsache sein, dass deutsche Unternehmen in der Türkei mehr als in jedem anderen vergleichbaren Land mit Mitarbeitern arbeiten können, die sich in den zwei doch sehr unterschiedlichen Kulturen gleichermaßen sicher bewegen. In den Jahren des türkischen Wirtschaftsbooms seit 2003 sind immer mehr junge Menschen aus türkischen Migrantenfamilien in Deutschland nach Istanbul oder in die anatolische Provinz gegangen, um dort bei deutschen oder anderen international aufgestellten Unternehmen zu arbeiten – dazu zählten Facharbeiter wie Geschäftsführer und alles Mögliche dazwischen.
Nicht zu vergessen die vielen Angehörigen der türkischen Bildungselite, die in Deutschland studiert oder an einem der deutschsprachigen Gymnasien in Istanbul ihr Abitur gemacht haben, dazu gehört sogar der gar nicht besonders pro-westliche neue Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu. Deutsche Unternehmer können sich darum in der Türkei viel heimischer fühlen als etwa in Indonesien oder Mexiko.
Rang 10 – Tschechien
Tschechien ist attraktiv für Investoren aufgrund seiner Nähe zu Deutschland – die Entfernung von Berlin beträgt 290 Kilometer. Ein weiterer Pluspunkt: Das niedrige Risikos, gemessen anhand der OECD Country Risk Classification. Bewertet wird dabei die Anfälligkeit für Kursschwankungen und innere Unruhen. Hierbei erhält Tschechien auf einer Skala von null bis sieben eine null – wobei das dem niedrigsten Risiko entspricht. Ein weiterer Vorteil: Die hohe Importquote – das Land importiert jährlich Waren im Wert von 143 Milliarden Dollar.
Negativ auf die Bewertung wirken sich die relativ hohen pro Kopf Löhne aus – 27.300 US-Dollar verdient ein Tscheche im Schnitt jährlich sowie der jüngste Einbruch des Wirtschaftswachstum. Die tschechische Wirtschaft schrumpfte zuletzt um 0,9 Prozent. Ein weiteres Manko: Die vergleichsweise kleine Bevölkerung. Elf Millionen Menschen leben in Tschechien. Dasselbe Problem haben auch die anderen osteuropäischen Länder im Ranking.
Quelle: Thorsten Makowski, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Valueneer und Lehrbeauftragter an der Mannheim Business School
Foto: APRang 9 – Ungarn
So auch Ungarn. Das kann zwar mit ähnlichen Vorteilen auftrumpfen wie Tschechien: Es liegt in der Nähe Deutschlands und die OECD ordnet es in die niedrigste Risikoklasse ein. Ein Standortnachteil ist aber ebenfalls die niedrige Einwohnerzahl: Zehn Millionen Menschen leben hier. Sowohl in puncto Importen als auch in puncto Direktinvestitionen hat es gegenüber Tschechien das Nachsehen – Ungarn importiert Waren im Wert von 87 Milliarden Dollar pro Jahr und lockt Direktinvestitionen aus dem Ausland im Wert von 107 Milliarden Dollar.
Vorteile gegenüber Tschechien sind das zumindest geringe Wirtschaftswachstum von immerhin 0,2 Prozent und die geringeren Lohnkosten: 23.200 Dollar verdient ein Ungar im Schnitt jährlich.
Foto: dpaRang 8 – Algerien
Die OECD bewertet das Risiko der afrikanischen Wirtschaft mit drei und ordnet Algerien damit einer relativ hohen Risikoklasse zu. Trotzdem trumpft das Land mit einigen Vorzügen auf: Die 39 Millionen Einwohner erhalten mit 13.800 Dollar pro Kopf relativ geringe Löhne. Die Wirtschaft wächst stabil und schnell – zuletzt mit 3,1 Prozent.
Gute Gründe, dass die ausländischen Direktinvestitionen, die derzeit nur 23 Milliarden Dollar pro Jahr betragen, künftig ansteigen könnten. Algerien repräsentiert nach Osteuropa die zweite große Wachstumsregion: Afrika.
Foto: dpa Picture-AllianceRang 7 – Marokko
In Marokko leben 33 Millionen Einwohner. Die Löhne liegen mit 7.400 Dollar pro Kopf noch im moderaten Bereich – was besonders für Investoren attraktiv ist. Die Wirtschaft wächst jährlich um 5,1 Prozent – was darauf schließen lässt, dass die ausländischen Direktinvestitionen, die 2012 bei 48 Milliarden Dollar lagen, ebenfalls weiter steigen dürften.
Was auf Investoren allerdings abschreckend wirken dürfte, ist die hohe Risikoklasse. Die OECD bewertet Marokko mit einer drei.
Foto: dpa Picture-Alliance
Rang 6 – Mexiko
Mexikos größtes Potenzial sind seine zahlreichen Einwohner: 120 Millionen Menschen leben dort – Tendenz: Steigend. Das Potenzial spiegelt sich an den hohen ausländischen Direktinvestitionen wider: 435 Milliarden Dollar wurden dort im vergangenen Jahr investiert.
Das Wirtschaftswachstum enttäuschte zwar zuletzt mit nur 1,2 Prozent und auch die Risikoklasse ist mit drei relativ hoch – nichtsdestotrotz: Mexiko hat großes Potenzial.
Foto: dpa Picture-AllianceRang 5: Türkei
2005 zählte Ex-Goldman-Sachs-Banker Jim O’Neill die Türkei neben Mexiko, Indonesien und Südkorea zu den nächsten großen Wachstumsmärkten. Die Performance der Türkei gibt ihm recht: Die Wirtschaft wuchs zuletzt um 3,8 Prozent, damit lockte sie 2013 194 Milliarden Dollar Direktinvestitionen aus dem Ausland und importierte Waren im Wert von 243 Milliarden Dollar.
Stabil ist die türkische Wirtschaft allerdings derzeit nicht. Innere Konflikte, die auf das Gebaren des früheren Ministerpräsidenten und heutigen Staatspräsidenten der Türkei; Recep Tayyip Erdoğan, zurückgehen sowie die Probleme mit dem Islamischen Staat und den Kurden an der Grenze der Türkei begründen die hohe Risikoklasse. Die OECD stuft das Risiko der Türkei bei vier ein.
Foto: WirtschaftsWoche
Rang 4: Südkorea
Ein weiterer Beleg für O’Neills Treffsicherheit ist Südkorea. Dort leben 50 Millionen Einwohner. Trotz des recht hohen pro Kopf Lohns von 33.800 Dollar wächst die Wirtschaft noch immer stark. Im vergangenen Jahr legte sie um 2,8 Prozent zu.
2013 lockte sie 152 Milliarden Dollar ausländischer Direktinvestitionen an und importierte Waren im Wert von 514 Milliarden Dollar. Zudem ordnet die OECD Südkorea der niedrigsten Risikoklasse zu. Gute Aussichten für Investoren.
Foto: WirtschaftsWocheRang 3: Indonesien
Indonesien verfügt mit 5,3 Prozent BIP-Wachstum über eine starken Wachstumsquote. Auch die Bevölkerungszahl ist ein Pluspunkt der südostasiatischen Volkswirtschaft: 252 Millionen Einwohner leben dort. Ein weiterer Vorteil: Die Löhne sind immer noch niedrig – was die Wachstumsaussichten beflügelt. 9600 Dollar werden im Durchschnitt jährlich gezahlt.
Das lockt ausländische Investoren: 207 Milliarden Dollar Direktinvestitionen konnte die Volkswirtschaft 2013 verbuchen. Bei all den Vorzügen der indonesischen Wirtschaft lassen sich diese Investoren auch nicht von der recht hohen Risikoklasse abschrecken - die OECD bewertet das Risiko mit drei. Indonesien repräsentiert die dritte potenzielle Wachstumsregion: Südostasien.
Foto: WirtschaftsWocheRang 2 Polen:
In Polen ist der Lohn mit durchschnittlich 23.300 Dollar pro Jahr relativ hoch und das Wirtschaftswachstum mit 1,3 Prozent relativ niedrig. Trotzdem konnte es 2013 248 Milliarden Dollar Direktinvestitionen aus dem Ausland verbuchen und Waren im Wert von 207 Milliarden Dollar importieren.
Ein Grund dafür: Die OECD ordnet Polen der niedrigsten Risikoklasse zu. Ein weiterer Vorteil, der Polen für deutsche Investoren attraktiv macht: Es ist ein direktes Nachbarland. In Europa ist es der größte Wachstumsmarkt. Allerdings hat Polen gegenüber einem Land außerhalb Europas das Nachsehen.
Foto: WirtschaftsWoche
Rang 1: Nigeria
Die besten Wachstumsaussichten hat Nigeria. Mit 179 Millionen Einwohnern verfügt der afrikanische Staat über eine recht große Bevölkerung. Der noch niedrige Durchschnittslohn von 5700 Dollar pro Kopf spricht für ein großes Wachstumspotenzial. Zuletzt wuchs die Wirtschaft mit starken 6,2 Prozent.
Die Direktinvestitionen aus dem Ausland betrugen allerdings nur 55 Milliarden Dollar. Das dürfte vor allem mit dem hohen Risikofaktor zusammenhängen. Der liegt nach OECD-Bewertung bei fünf. Trotzdem: Schafft es Nigeria politische Stabilität aufrechtzuerhalten, dürfte es künftig auf Dauer in puncto Wirtschaftswachstum ganz oben mitspielen.
Foto: dpa Picture-AllianceEs gibt weitere Vorzüge. Wie in vielen anderen Schwellenländern auch lockt die prinzipiell sehr unternehmerfreundliche Regierung ausländische Investoren in Gebiete außerhalb der Boomregion Istanbul mit Steuererleichterungen. Der Staat übernimmt dann auch ganz oder teilweise die Sozialabgaben, die für türkische Unternehmen ein Viertel vom Arbeitslohn betragen können.
Das alles ist attraktiv in einem Land mit junger und zunehmend gut ausgebildeter Bevölkerung. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt mit knapp 29 Jahren 13 Jahre unter dem deutschen Wert – wobei der wachsende Wohlstand der vergangenen Jahre dazu geführt hat, dass großer Kinderreichtum aus der Mode kommi und die Bevölkerung nur noch wenig anwächst.
Wohl aber wächst das Qualifikationsniveau: Jährlich verlassen etwa 250.000 Absolventen die türkischen Hochschulen, deren Niveau allerdings teilweise zweifelhaft ist. Immerhin sieben Prozent aller Türken sind inzwischen Akademiker. Und deutsche Manager, die in der Türkei tätig sind, schreiben ihren einheimischen Mitarbeitern fast ausnahmslos Tugenden wie hohe Motivation, Erfolgsorientierung und Entscheidungsfreudigkeit zu.
Eindrucksvolle Liste
Entsprechend heben immer mehr Türken ein anständiges Einkommen. Gewiss: Unternehmen finden auf dem Arbeitsmarkt immer noch Ingenieure für ein Jahresgehalt von umgerechnet 30 000 Euro und Facharbeiter für 13.000 Euro im Jahr. Aber damit ist die Türkei im internationalen Vergleich schon lange kein Billiglohnland mehr, und in Istanbul oder Izmir wird inzwischen meist deutlich mehr gezahlt.
Die Liste der deutschen Unternehmen mit starkem Engagement in der Türkei ist eindrucksvoll. Mercedes Türk ist der größte Lkw-Produzent im Daimler-Produzent, Bosch in Izmir zählt zu den zehn größten Unternehmen der Türkei. Metro betreibt über 700 Großhandelsmärkte im Land, der TÜV Rheinland mehrere Prüfzentren zum Beispiel für die Möbelindustrie, Hugo Boss fertigt in Izmir. Mercedes stattet die Istanbuler Verkehrsbetriebe mit Bussen aus, während durch Ankara Gelenkbusse mit dem MAN-Logo rollen.
Platz 9: Malaysia
Mit einer verhältnismäßig kleinen Bevölkerung von 28 Millionen Einwohnern kann Malaysia kaum punkten. Auch die verhältnismäßig hohen Arbeitskosten von 15,6 Dollar (absolutes BIP geteilt durch BIP pro Person) machen das Land nicht außergewöhnlich attraktiv. Spannend ist Malaysia vielmehr als Beschaffungsmarkt. Die Befragten der Studie von Valuneer und ICC zu Trends internationaler Einkaufsmanager bewerteten den Markt überaus positiv.
Quelle: Exklusivranking für die WirtschaftsWoche in Kooperation mit Valueneer. Für das Ranking wurde nach der Attraktivität als Absatz- sowie als Beschaffungsmarkt unterschieden und Indikatoren wie Lohnkosten, Wachstumsraten, Importvolumen, Rohstoffreichtum und Bevölkerungsgröße herangezogen und unterschiedlich gewichtet.
Foto: APPlatz 8: Ghana
Das afrikanische Land kann mit seinem starken Wachstums punkten. 2011 stieg das BIP um 13,5 Prozent. Kein anderer der 50 betrachteten Wachstumsmärkte wies solche Steigerungsraten auf. Dazu lockt Ghana mit günstigen Arbeitskosten. Allerdings gilt das westafrikanische Land nach wie vor als wenig sicher und sehr korrupt.
Foto: REUTERSPlatz 7: Polen
Das Land punktet bei deutschen Investoren vor allem durch seine räumliche Nähe als günstiger Beschaffungsmarkt. Die politische Lage ist stabil. 39 Millionen Einwohner freuen sich über ausländische Waren. 2011 gingen immerhin Importe im Wert von 170 Milliarden Dollar ins Land. Auch wenn die Lohnkosten verhältnismäßig hoch sind - Polen bleibt ein attraktiver Markt.
Foto: dpaPlatz 6: Algerien
Das Land erreicht in keiner Kategorie Bestwerte, kann aber als Beschaffungsmarkt überzeugen (Platz 2). Einkaufsmanager sehen viel Potenzial, außerdem verfügt das Land über immense Rohstoff-Ressourcen im Wert von 72 Milliarden Dollar. Die Arbeitskosten sind mit 7,3 Dollar noch deutlich geringer als z.B. in der Türkei (14,5 Dollar) oder Mexiko (14,6 Dollar). Damit erreicht Algerien insgesamt Platz 6.
Foto: APPlatz 5: Türkei
Im Ranking der besten Absatzmärkte erreicht die Türkei mit einer durchschnittlich kaufkräftigen, aber dafür umso größeren Bevölkerung von 75 Millionen Einwohnern einen guten dritten Platz. Im Jahr 2011 wuchs das BIP um satte 8,5 Prozent. Als Beschaffungsmarkt ist das Land dafür weniger attraktiv (Platz 10 von 50). Insgesamt: Platz 5.
Foto: dpaPlatz 4: Mexiko
Bereits 328 Milliarden Dollar Direktinvestitionen flossen 2011 nach Mexiko - der höchste Wert im Ranking. Dazu locken 112 Millionen Einwohnern. Diese Kombination macht Mexiko zum zweitbesten Absatzmarkt der Welt für die deutsche Wirtschaft - so die Experten von Valuneer. Als Beschaffungsmarkt kann das Land weniger überzeugen: Platz 11. Insgesamt reicht es für Rang vier.
Foto: dpaPlatz 3: Südkorea
1723 Dollar pro Kopf steckte Südkorea im Jahr 2011 in Forschung und Entwicklung - und damit mehr als alle anderen untersuchten Ländern. Als Beschaffungsmarkt belegt Südkorea den vierten Platz. Als Absatzmarkt überzeugt der asiatische Staat, weil er bereits im Jahr 2011 Importe im Wert von 525 Milliarden Euro einführte.
Foto: dpaPlatz 2: Indonesien
Indonesien verfügt über förderbare Ressourcen im Wert von 101 Milliarden US-Dollar und damit über das höchste Volumen der neun kommenden Absatzmärkte. Mit 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertgrößte Land der Welt. Diese zwei Kriterien - neben immer noch verhältnismäßig geringen Lohnkosten und der stabilen innenpolitischen Lage- machen Indonesien zu einem der aussichtsreichsten Wachstumsmärkte.
Foto: dpaPlatz 1: Nigeria
Mit nur 2,6 Dollar weist Nigeria die niedrigsten Arbeitskosten der 50 untersuchten Märkte auf. Das macht es als Beschaffungsmarkt äußerst interessant, ebenso wie sein Rohstoffvolumen im Wert von 92 Milliarden US-Dollar.
Foto: dpa
Die Probleme nehmen zu
Doch die Erfolgsstory hat Dellen. Von 2003 bis 2008 erreichte die Türkei traumhafte Wachstumsraten, die in manchen Quartalen China und regelmäßig alle Länder des EU-Raums übertrafen. Nach einem überdurchschnittlich schlimmen Einbruch in der Krise von 2008/9 erholte sich das Land schnell mit Wachstumsraten bis zu neun Prozent: Ein stabiles Banksystem und eine geringe Verschuldung von Unternehmen und Privatleuten war die Ursache – neben zunehmenden Exporterfolgen Richtung Europa.
Autos, Lastwagen und hochwertige Textilien made in Turkey stammten meistens aus Firmen im ausländischen Besitz, Fernsehapparate und Küchengeräte dagegen aus der Produktion leistungsfähiger einheimischer Unternehmen.
Das alles funktioniert aber nicht mehr gut, weil die europäische Konjunktur stottert. Deutliches Zeichen dafür war 2013 der Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen um über vier Prozent auf 12,7 Milliarden US-Dollar. Weil das Land stets mehr Waren und Dienstleistungen einführt als exportiert, führte der Investitionsrückgang zu einer Ausweitung des hohen Zahlungsbilanzdefizits.
Türkische Exporterfolge schlagen makroökonomisch weniger stark zu Buche als Gegeund erhöhten den maßgeblichen Zinssatz für die türkische Lira auf mehr als in anderen Schwellenländern. Für 100 Dollar Exporterlöse muss die türkische Industrie für durchschnittlich 43 Dollar Vorprodukte und Rohstoffe aus dem Ausland importieren: Das Land muss eben seine gesamte Energie importieren und ist auch sonst vergleichsweise rohstoffarm.
Wegen der Zahlungsbilanzmisere zog die Notenbank in Ankara Anfang dieses Jahres die Reißleine und erhöhte den maßgeblichen Zinssatz auf mehr als zehn Prozent. Das verzögerte den chronischen Wertverlust der türkischen Lira gegenüber Euro und Dollar, führte aber auch zum weiteren Schrumpfen des Wirtschaftswachstums. Das liegt nach den letzten offiziellen Zahlen aufs Jahr gerechnet aktuell bei 2,1 Prozent, und die Inflationsrate hält sich trotzdem weiter über neun Prozent.
Illusorische Zukunftsvision
Angesichts der im Vergleich zu den früheren Jahren mauen Wachstumsrate wirkt Recep Tayyips Erdoğans wirtschaftliche Zukunftsvision ganz illusorisch. Der Präsident will sein Land bis 2013 – dann wird die Republik Türkei genau 100 Jahre alt – von Platz 17 unter den Volkswirtschaften der Welt auf Platz zehn bringen; das Bruttosozialprodukt soll dann pro Kopf 25.000 Dollar betragen (heute sind es 14.000).
Natürlich weist der Präsident den Vorwurf zurück, seine eigene Politik habe zu den Wachstumsproblemen von heute beigetragen. Dabei haben sowohl die Bilder vom Tränengaseinsatz gegen friedliche Demonstranten wie die Nachrichten von Korruptionsaffären und außenpolitischen Alleingängen nichts zum Vertrauen wirtschaftlicher Akteure in das Land beigetragen.
Aber Erdoğan und seine Leute wollen all das mit den gewaltigen Infrastrukturplänen konterkarieren, die tatsächlich zu einer wirtschaftlichen Großmacht passen würden, falls sie sich denn realisieren lassen. An erster Stelle steht da noch vor dem gewaltigen Ausbau des Straßen- und Elektrizitätsnetzes der Bau des größten Flughafens Europas in Istanbul und das Projekt eines Kanals zwischen Schwarzem Meer und Marmara-Meer.
Ob der „zweite Bosporus“, der 2023 der Schifffahrt übergeben werden soll, überhaupt realisierbar ist, steht dahin. An Aufträgen aus der Türkei für viele deutsche Unternehmen wird es aber jedenfalls in naher und mittlerer Zukunft nicht mangeln.