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Euro unter Druck Wie teuer wird die Währungsunion?

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Grafik Rendite für Staatsanleihen

Finanzstrategen warnen, Irland, Griechenland oder Italien könnten schnell auf ihren neuen Anleihen sitzen bleiben, wenn erst das enorme Angebot neuer Schuldtitel aus den USA oder großen EU-Staaten auf  den Markt drängt.

Alleine die Vereinigten Staaten werden im neuen Fiskaljahr Schulden über 1,7 Billionen Dollar ausgeben müssen, um ihren enormen Finanzierungsbedarf zu decken – der Stau auf den Anleihemärkten ist programmiert. „Es müssen nur ein, zwei Anleihen aus den kleinen Euro-Staaten schlecht laufen, und wir haben die gefürchtete Kettenreaktion“, heißt es in Frankfurter Zentralbankkreisen. Dann wäre er plötzlich da, der „Worst Case“ des Zahlungsausfalls, von dem derzeit offiziell niemand etwas wissen will.

Steinbrück stellt sich stur

Griechenland jedenfalls scheint zu wissen, was die Stunde geschlagen hat – das Land nimmt derzeit im Rekordtempo neue Schulden auf und hat zwischen Januar und Mitte März bereits mehr als die Hälfte seines diesjährigen Kapitalbedarfs gedeckt. Damit, könnte man meinen, sei das Risiko eines Zahlungsausfalls schon beträchtlich gesunken.

Doch Fakt ist: Die andere Hälfte Kapital muss im Laufe des Jahres noch aufgetrieben werden, und niemand weiß, ob es angesichts der immer neuen Tiefstände bei Wachstum und Beschäftigung bei den Schuldenplänen bleibt.

Dies alles müsste einen Notfallplan äußerst dringlich erscheinen lassen. Warum sich Staaten wie Deutschland oder Frankreich so schwertun, ist gleichwohl einleuchtend – die Gefahr eines „Moral Hazard“ ist groß: Verlassen sich Staaten wie Irland oder Griechenland darauf, von den Nachbarn im Krisenfall herausgehauen zu werden, haben sie keinen Anreiz mehr, es aus eigener Kraft zu schaffen. Deutschland stünde – wieder einmal – als Zahlmeister Europas da.

Entsprechend stur stellt sich Steinbrück in diesen Tagen: Er sei sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel einig, dass man mit bilateraler Hilfe „sehr zurückhaltend“ sein müsse. „Denn wenn man einmal damit anfängt, wird uns sprichwörtlich die Bude eingerannt.“

Produktiviät in Italien und Griechenland um ein Drittel gesunken

Die Verärgerung in Berlin ist offensichtlich. Während Deutschland nach Jahren des rot-grünen Schlendrians schließlich doch noch seine Finanzen konsolidierte und sich die Gewerkschaften mit Lohnforderungen zurückhielten, genehmigten Länder wie Griechenland ihren Staatsdienern Lohnerhöhungen von sieben und mehr Prozent im Jahr.

Die Produktivität von Ländern wie Italien und Griechenland ist seit dem Start des Euro 1999 um rund ein Drittel gesunken. In diesen satten Zeiten hätte man reformieren müssen, doch die Lage war allzu bequem. Nun wird manch einer von der Krise überrumpelt.

Doch immer noch nicht alle haben den Schuss gehört: Die Angestellten und Beamten in Hellas planen für den 2. April einen neuen Generalstreik, um „gegen die verschärften Sparmaßnahmen der Regierung unter dem Vorwand der Krise“ zu demonstrieren.

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