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Euro unter Druck Wie teuer wird die Währungsunion?

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Grafik Schulden in der EU

Ökonomen wie der Schweizer Universitätsprofessor Charles Wyplosz halten es daher für das Beste, ein paar Euro-Staaten gegen die Wand fahren zu lassen: Wer nicht hören will, muss eben fühlen. Sonst werde der Stabilitätspakt so sehr Schaden nehmen, dass die Währungsunion über kurz oder lang implodiere.

Genau um dies zu verhindern, hätten die Gründungsväter der EU in den Artikel 103 des Maastrichter Vertrages die No-Bailout-Klausel geschrieben. Wie heilsam eine solches „Nein“ wirken kann, zeige der Fall New Yorks in den Siebzigerjahren. Damals stand die Stadt vor der Zahlungsunfähigkeit und bat den Staat New York um Finanzhilfe. Der Bundesstaat wiederum schlug in Washington Alarm, er stehe vor der Pleite.

„Dann geht doch pleite“, kam aus Washington die knappe Antwort zurück. Doch weder die Stadt noch der Staat New York gingen bankrott, und als die ersten Konsolidierungsschritte gemacht waren, half Washington mit Krediten aus.

Experten rechnen fleißig, was ein Bailout kostet

Doch das New York der Siebziger ist nicht die Weltfinanzkrise von 2008/09. Ökonomen warnen, dass ohne einen Bail-out die Kosten noch viel höher und der Euro noch stärker gefährdet sein könnte. „Niemand kann es sich leisten, dass die Währungsunion den Bach runtergeht“, heißt es in Zentralbankkreisen. Dazu habe auch Deutschland in den letzten zehn Jahren zu viel von der Gemeinschaftswährung profitiert.

Schließlich geht der Löwenanteil der deutschen Exporte in die europäischen Nachbarstaaten. „Steinbrück tut sich keinen Gefallen, wenn er jetzt Hilfen kategorisch ablehnt“, sagt auch der Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für EU-Finanzen, Michael Link.

Das weiß auch der Finanzminister, und so wird in Berlin, Frankfurt, Paris und Brüssel trotz aller gegenteiligen Beteuerungen fleißig gerechnet, wie ein Bailout aussehen und was er kosten könnte. An Vorschlägen dazu mangelt es nicht. Die Alternativen, die zuletzt am häufigsten diskutiert wurden, sehen eine gemeinsame Schuldenaufnahme im Euro-Raum oder an Auflagen gebundene Kreditlinien vor.

Eine Euro-Anleihe hätte für Länder wie Griechenland und Irland den Vorteil, dass sie deutlich niedriger verzinst würde als ihre eigenen Titel und man sich so billiger verschulden könnte. Deutschland und Frankreich hingegen, die über die höchsten Bonitäten verfügen, müssten drauflegen.

Zu teuer, sagt Steinbrück, das würde Deutschland drei Milliarden Euro kosten. Doch viel schwerer als ein paar Milliarden scheinen die Bedenken zu wiegen, dass ein solcher Bond sämtliche Sanktionsmechanismen außer Kraft setzen würde. Wo der Markt bislang noch Risikoaufschläge für das einzelne Land verlangt, wäre dann der Einheitszins da.

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