Eurostat Die Eurozone entgeht haarscharf einer Rezession

Im ersten Quartal 2012 blieb das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Schlussquartal 2011 unverändert. Zwischen Deutschland und den Südeuropäischen Ländern wird der Graben tiefer. Deutschland wächst, Spanien und Portugal schrumpfen.

Quelle: dpa

Nur durch das kräftige Wachstum seiner größten Volkswirtschaft Deutschland ist die Eurozone einer Rezession entgangen. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal, teilte das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in einer zweiten Schätzung mit.

Ende 2011 war es um 0,3 Prozent gesunken. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von Rezession. Während die Exporte um 1,0 Prozent zulegten, blieben die Konsumausgaben stabil. Die Unternehmen investierten angesichts der wachsenden Unsicherheit über die Zukunft der Währungsunion und der schwächeren Weltkonjunktur weniger.

Die Währungsunion bleibt wirtschaftlich tief gespalten: Ihre Konjunkturlokomotive Deutschland schaffte trotz der Schuldenkrise mit 0,5 Prozent ein kräftiges Wachstum, weil Exporte und privater Konsum merklich anzogen. Die französische Wirtschaft stagnierte.

Europas Krisenländer im Reformcheck
GRIECHENLANDWirtschaft: Die griechische Wirtschaft steckt in einer dramatischen Rezession. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent. Für 2012 erwartet die EU-Kommission einen Rückgang von 4,7 Prozent. Die griechische Regierung hatte zuletzt einen Rückgang von 2,8 Prozent vorhergesagt. Das Bild zeigt den griechischen Container-Hafen in Piräus. Quelle: dpa
Haushalt: Trotz drastischer Sparanstrengungen lag das griechische Haushaltsdefizit 2011 bei 10,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für dieses Jahr erwartet die Regierung ein Defizit von 6,7 Prozent.  Quelle: dpa
Ausblick: Wie es in dem Krisenland weiter geht, ist unklar. Die Wähler haben den Sparkurs der beiden etablierten Parteien Nea Demokratia und Pasok abgestraft. Gewinner der Wahlen sind extreme rechte und linke Parteien. Ob diese jedoch eine Regierung bilden können, ist fraglich. An die vereinbarten Sparziele jedenfalls wollen sich die meisten Politiker nicht mehr halten. Quelle: dapd
PORTUGALWirtschaft: Im zweiten Land, das unter dem Schutz des Euro Rettungsschirms steht, geht es steil bergab. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent - für dieses Jahr prognostiziert die portugiesische Regierung einen Rückgang von 3,3 Prozent. Hoffnung setzt die EU auf 2013: Dann soll die Wirtschaft in Portugal wieder um 0,3 Prozent wachsen. Quelle: dpa
Haushalt: Im Gegensatz zu anderen Euro-Krisenländern hat Portugal seine Sparauflagen für 2011 sogar übererfüllt. Das Haushaltsdefizit lag 2011 bei etwa 4,5 Prozent – und damit unter der mit dem IWF vereinbarten Zielmarke von 5,9 Prozent Quelle: dpa
Ausblick: Was die Sparziele betrifft, liegt Portugal im Zeitplan. Allerdings kann die schwache Wirtschaftsentwicklung das schnell wieder ändern. Ein weiteres Problem ist die Refinanzierung des Staates. Das bisherige Hilfspaket sieht vor, dass sich Portugal ab 2013 wieder selbst 10 Milliarden Euro am Kapitalmarkt beschaffen muss. Experten halten dies für unrealistisch. Sie gehen davon aus, dass ein neues Hilfspaket nötig ist.    Quelle: Reuters
SPANIENWirtschaft: 2011 erzielte Spanien noch ein Mini-Wachstum von 0,7 Prozent. Nach wie vor hat die Wirtschaft das Platzen der Immobilienblase nicht verdaut. Für dieses Jahr erwartet die EU-Kommission einen Rückgang um 1,8 Prozent, im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 0,3 Prozent schrumpfen. Quelle: Reuters
Haushalt: Spanien hat seine mit der EU vereinbarten Sparziele klar verfehlt. Statt eines angestrebten Defizits von 6 Prozent, lag dieses bei 8,5 Prozent. Im kommenden Jahr macht Spanien ein Defizit von 6,3 Prozent und liegt damit weit über dem EU-Grenzwert von 3,0 Prozent. Quelle: Reuters
Ausblick: Nach einer Beruhigung zu Jahresanfang ist  Spanien durch das Verfehlen seiner Sparziele nun erneut ins Visier der Märkte geraten. Spanien hat vor allem auf dem Arbeitsmarkt einschneidende Reformen unternommen, die sich nach Einschätzung von Ökonomen erst langfristig auswirken. Kurzfristig gefährdet das schwache Wachstum die Sparziele.    Quelle: Reuters
ITALIENWirtschaft: Mit der italienischen Wirtschaft geht es wieder bergab. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone muss sich auf einen Wirtschaftsrückgang von 1,4 Prozent einstellen. Im kommenden Jahr soll das Wachstum dann wieder bei 0,4 Prozent liegen. Quelle: Reuters
Italien Flagge Quelle: dpa
Mario Monti Quelle: dapd
IRLANDWirtschaft: Die Krise scheint überwunden. Dank einer kräftigen Erholung des Exportsektors wuchs die irische Wirtschaft 2011 um 0,7 Prozent, 2012 geht es um 0,5 Prozent nach oben. Für 2013 erwartet Brüssel sogar ein Wachstum von 1,9 Prozent. Quelle: Reuters
Haushalt: Das irische Haushaltsdefizit lag 2011 bei zehn Prozent – und damit knapp unter dem Zielwert von 10,6 Prozent. In diesem Jahr soll es auf 8,6 Prozent sinken. Bis 2015 will Irland das Maastricht-Kriterium von unter drei Prozent einhalten. Quelle: dpa
Ausblick: Der Vorteil Irlands gegenüber anderen Euro-Krisenländern liegt in seinem hohen Exportanteil. Durch höhere Exporte konnte die Wirtschaft die harten Einschnitte der Regierung besser abfedern. Die irische Regierung will ab Ende 2012 wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Wenn es gut läuft könnte das gelingen – allerdings zu relativ hohen Zinsen. Quelle: Reuters

Schlimmer sieht es in den Krisenländern aus: Die spanische Wirtschaft schrumpfte wie schon am Jahresende um 0,3 Prozent und steckt damit wieder in einer Rezession. In Italien brach das Bruttoinlandsprodukt sogar um 0,8 Prozent ein. Das war der dritte Rückgang in Folge.

Auch Portugal findet nicht aus der Rezession: Hier gab es ein Minus von 0,1 Prozent. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaft der Eurozone in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpft. Für 2012 traut sie ihr wieder ein Wachstum von 1,0 Prozent zu.

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