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Exklusiv-Umfrage unter Ökonomen Braucht Deutschland jetzt ein Konjunkturprogramm?

Die Bundesregierung erwartet nur noch mickrige 0,5 Prozent Wachstum in diesem Jahr. Braucht Deutschland ein Konjunkturprogramm? Was Deutschlands Top-Ökonomen nun angesichts der schwächelnden Wirtschaft raten.

Isabell Schnabel Quelle: imago images
„Die Risiken für die deutsche Wirtschaft sind sehr groß – der ungelöste Brexit oder der Handelskonflikt mit den USA könnten die deutsche Wirtschaft empfindlich schwächen. Die Bundesregierung sollte jetzt mit einem Konjunkturprogramm agieren, bevor es zu spät ist und sie nicht mehr gegenlenken kann. Sie darf nicht erst warten, bis eine weitere Krise die deutsche Wirtschaft weiter schwächt. Ich halte eine Investitionsoffensive in Bildung, Innovation und Infrastruktur und gezielte Steueranreize für Investitionen der Unternehmen für ein kluges Konjunkturpaket, das zudem essenziell ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft langfristig zu sichern.“ Marcel Fratzscher Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin Quelle: dpa
„Ich teile die Einschätzung von Herrn Minister Altmaier, dass es sich derzeit trotz aller Risiken lediglich um eine konjunkturelle Verlangsamung handelt. Entsprechend sind keine kurzfristigen konjunkturellen Stimuli durch ein Konjunkturprogramm nötig. Die verringerte Dynamik sollte aber durchaus als Weckruf dafür verstanden werden, die langfristigen Wachstumskräfte der deutschen Volkswirtschaft zu stärken.“ Christoph M. Schmidt Wirtschaftsweiser, Ruhr-Universität Bochum Quelle: imago images
„Für ein Konjunkturprogramm zur kurzfristigen Nachfragestabilisierung besteht kein Anlass, schon aber für Schritte zur Stärkung der mittel- bis langfristigen Rahmenbedingungen. Eine Reform der Unternehmensbesteuerung und höhere und dauerhafte Investitionen in Digitalisierung (unter anderem des öffentlichen Sektors), Verkehrsinfrastruktur, Forschung und Entwicklung und Bildung wären wichtiger.“ Clemens FuestPräsident des ifo Instituts Quelle: dpa
„Wenn sich die Regierungsprognose bestätigt, brauchen wir kein Konjunkturpaket, dann reicht es aus, die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen, also nicht in den Abschwung hinein zu sparen. Die Bundesregierung sollte jedoch ein Konjunkturpaket vorbereiten für den Fall, dass Deutschland in eine wirkliche Konjunkturkrise rutscht.“ Achim TrugerWirtschaftsweiser, Universität Düsseldorf Quelle: imago images
„Die konjunkturelle Schwäche in Deutschland kommt vor allem vom Export. Insbesondere das China-Geschäft lahmt. Daran kann ein Konjunkturprogramm in Deutschland nichts ändern. Es wäre sogar schädlich, weil es die ohnehin starke Binnennachfrage in Deutschland weiter anfachen und den Fachkräftemangel verschärfen würde.“ Jörg KrämerChefvolkswirt Commerzbank Quelle: REUTERS
„Die gegenwärtige konjunkturelle Abkühlung könnte lediglich eine Normalisierung im Konjunkturverlauf bedeuten, indem das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sich an das Potentialwachstum von oben annähert. Dafür sprechen nicht zuletzt die wieder besseren Zahlen aus China. Alleine deshalb ist schon kein Konjunkturprogramm notwendig. Man muss darüber hinaus bezweifeln, dass ein Konjunkturprogramm bei nur leichten Rezessionen Sinn macht. Dafür reichen die automatischen Stabilisatoren in aller Regel aus.“ Lars FeldWirtschaftsweiser, Walter-Eucken-Institut Freiburg Quelle: imago images
Holger Schmieding Quelle: Berenberg Bank
„Es wirken temporäre Sondereffekte in der deutschen Automobilbranche, einen kumulativ sich verstärkenden Abschwung in die Rezession sehe ich nicht. Konjunkturprogramme sind deshalb fehl am Platz. Wir brauchen nachhaltige und stetige öffentliche Investitionen als Wachstumsvorsorge.“ Michael HütherInstitut der deutschen Wirtschaft Köln Quelle: dpa
„Die Konjunktur in Deutschland kühlt derzeit ab, insgesamt ist die deutsche Wirtschaft aber immer noch deutlich überdurchschnittlich ausgelastet. Das allein spricht gegen konjunkturpolitischen Aktionismus. Ferner neigen derzeit die exportorientierten Industriebereiche zur Schwäche, die ein Konjunkturprogramm ohnehin nicht erreichen würde. Die private Konsumnachfrage wird nicht nur hinreichend über die automatischen Stabilisatoren gestützt, sondern bekommt im laufenden Jahr ohnehin kräftige Impulse durch die Finanzpolitik. Zusätzliche staatliche Investitionen würden hingegen vor allem die Bauwirtschaft anregen, die ohnehin nach wie vor überhitzt ist. Hier wäre es eine Verstetigung des öffentlichen Ausgabengebarens dringend angezeigt, anstatt die derzeitige Überdosierung noch auszuweiten. All dies wäre auch im Rahmen der Schuldenbremse ohne Weiteres umzusetzen. Die derzeit etwas schwächere konjunkturelle Dynamik bietet daher keinen triftigen Anlass, dieses wichtige finanzpolitische Rahmenwerk in Frage zu stellen.“ Stefan KoothsKonjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Quelle: REUTERS
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