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EZB-Chefvolkswirt im Interview „Europas Banken können sich selbst retten“

Der EZB-Chefökonom ist zuversichtlich, dass die Steuerzahler nicht noch einmal für die Bankenrettung zahlen müssen. Aber auch Peter Praet weiß noch lange nicht, wie hoch der tatsächliche Kapitalbedarf sein wird.

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Frankfurt Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet, ist optimistisch, dass die europäischen Banken gerettet werden können, ohne die Steuerzahler erneut zu belasten. „Mein erster Eindruck ist, dass der Rekapitalisierungsbedarf überall vom Privatsektor gestemmt werden kann“, sagt Praet im Interview mit dem Handelsblatt.

Exakt werde die Notenbank den Kapitalbedarf aber frühestens in einem Jahr kennen. Erst dann könnten auch die Überprüfungen der Bankbilanzen und die Stresstests abgeschlossen sein, ergänzte der Belgier Praet.

Die EZB übernimmt im zweiten Halbjahr 2014 die Aufsicht über die europäischen Banken. Bevor es dazu kommt, gibt es jedoch noch eine Menge Arbeit. Anfang 2014 führt die EZB bei den Instituten eine Bilanzprüfung und einen Stresstest durch. Mit der Bilanzprüfung will die Notenbank feststellen, ob in den Banken, für die sie künftig zuständig sein soll, noch unerkannte Risiken schlummern.

Mögliche Kapitallücken sollen noch vor dem Start der Bankenunion geschlossen werden. An die Bilanzprüfung soll sich im Frühjahr ein Stresstest anschließen, der zeigt, wo die Banken in einer Krise am stärksten verwundbar sind.

Bei der Bilanzprüfung und den Stresstests muss die EZB zunächst auf externe Berater zurückgreifen. Man werde sich auch externer Dienstleister bedienen, kündigt Praet an. Um schnell arbeitsfähig zu werden muss Praet, der in der EZB auch für Personal zuständig ist, tausend Aufsichtsexperten einstellen.

Wegen des Aufgabenzuwachses fürchtet der Chefvolkswirt eine „mögliche Überlastung“ der EZB. Die Euro-Zone sei mit zu wenig handlungsfähigen Institutionen gegründet worden. „Dafür zahlen wir jetzt den Preis.“

Die jüngste Ankündigung der EZB, die Zinsen „auf lange Zeit“ niedrig zu lassen oder sogar erneut zu senken, verteidigt Praet. Er sieht darin ein „starkes Signal“. Um Missverständnissen in der Interpretation von EZB-Entscheidungen vorzubeugen, schlägt Praet vor, „früher oder später“ Sitzungsprotokolle einzuführen. Die Frage, ob er zu Beginn der vergangenen EZB-Sitzung eine weitere Zinssenkung vorgeschlagen hatte, beantwortet der in dem Interview nur indirekt.

Das ganze Interview finden Sie zum Download im Handelsblatt-Shop.

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