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Fed belässt Leitzins auf Rekordtief US-Notenbank hat aus ihren Fehlern nichts gelernt

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100-prozentige Sicherheit gibt es nie

Es ist bedauerlich zu sehen, dass die Fed aus ihren Fehlern der Vergangenheit offenbar nichts gelernt hat. Denn schon einmal in der jüngeren Geschichte hat die Notenbank zu spät gehandelt und die Zinsen nicht erhöht. Nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2000 reagierte die Fed nach dem bekannten Muster: runter mit den Zinsen. Den Amerikanern wurden Kredite zum Nulltarif schmackhaft gemacht. Mithilfe des billigen Geldes wurde die nächste Blase, die Immobilienblase, aufgepumpt.

Der US-Nobelpreisträger Robert Shiller hat es im Interview mit der WirtschaftsWoche treffend zusammengefasst: „Eine 100-prozentige Sicherheit, ob ein Zinsschritt angemessen ist, gibt es nie. Gleichzeitig gilt: Sie können auch den richtigen Moment für eine Anhebung verpassen – und zu spät handeln.“

An den Aktienmärkten haben sich erste Blasen gebildet; Shiller rechnet zu „70 Prozent“ mit einem Crash in den kommenden Monaten. Gefahr droht erneut auch durch Konsumentenkredite. Dieses Mal kaufen die US-Amerikaner nicht ihre Häuser ohne nennenswertes Eigenkapital und auf Pump – sondern ihre Autos.

16,5 Millionen Wagen wurden 2014 gekauft, so viele wie seit acht Jahren nicht mehr. „Autokredite bewegen sich auf einem Allzeithoch von mehr als 975 Milliarden Dollar“, sagt Dennis Carlson, Volkswirt des Analysehauses Equifax. Das Problem: Die Bonität des Schuldners spielt kaum eine Rolle bei der Kreditvergabe. Im Gegenteil: In Zeiten der Niedrigzinsen freuen sich die Kreditfinanzierer über jeden Deal mit vergleichsweise hohem Risiko; schließlich heißt höheres Risiko auch höhere Zinsen.

Konjunktur



Diese Verzerrungen muss die Fed eindämmen. Nicht im Hauruck-Verfahren, das wäre in der Tat gefährlich, sondern behutsam. Doch um überlegt und in kleinen Schritten handeln zu können, muss die Notenbank endlich damit anfangen, die Zinsen zu erhöhen. Dazu bekennen wollte sich Fed-Chefin Janet Yellen auf der Pressekonferenz allerdings nicht. Eine Zinserhöhung, vielleicht schon beim nächsten Treffen im Oktober, sei lediglich „eine Möglichkeit“.

Verweigert die Fed die Zinswende – unter dem Eindruck der erholten US-Wirtschaft – in den kommenden Monaten weiter, wird sie die Zinsen lange nicht auf Normalniveau hieven können. Die Ausnahme wird dann zur Regel. Dann muss sich auch Benjamin Sullivan etwas Neues einfallen lassen, um Bankkunden von einem Sparkonto zu überzeugen.

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