Fed belässt Leitzins auf Rekordtief US-Notenbank hat aus ihren Fehlern nichts gelernt

Die US-amerikanische Zentralbank hat die Zinswende aufgeschoben. Sie missachtet ihre eigenen Regeln – und droht einmal mehr, gefährliche Blasen aufzubauen.

Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve . Quelle: dpa

Benjamin Sullivan zog eine Grimasse. Mit seinem rechten Zeigefinger zeigte der Chase-Banker auf die Zinsen, die mir sein Institut derzeit für Guthaben auf meinem Sparkonto verspricht: 0,01 Prozent. „Sie wissen, wie die Situation ist“, erklärte Sullivan bei meinem Besuch vor rund zwei Wochen umständlich. „Die Zinsen sind historisch niedrig. Aber das wird sich auch wieder ändern.“

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Die US-Notenbank Fed hat am Donnerstagabend einmal mehr eine Erhöhung der Leitzinsen verschoben. Der Schlüsselsatz verharrt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Die Entscheidung fiel mit neun zu eins Stimmen. Nur der als Verfechter einer straffen geldpolitischen Linie bekannte Zentralbanker Jeffrey Lacker stimmte dagegen.

Das sagen Experten zum Fed-Zinsentscheid

Die Entscheidung ist eine Enttäuschung und Verrat an den eigenen Grundsätzen der Fed. Die US-Notenbank hat bei ihrer Entscheidung drei Aspekte zu beachten: die Arbeitslosenrate, stabile Preise und moderate Zinsen. Alle drei Faktoren sprechen für eine Zinserhöhung und gegen die Nullzinspolitik.

Beispiel Arbeitslosenrate: In den USA sind derzeit rund fünf Prozent der Beschäftigten auf Jobsuche. Dieser Wert gilt nahe der Vollbeschäftigung und liegt deutlich unter den von der Fed angepeilten 6,5 Prozent. Billiges Geld (um Unternehmer zu Investitionen und Einstellungen zu drängen) ist also nicht nötig.

Die Preissteigerung in den USA ist gering, sie liegt unter der Marke von 2,0 Prozent. Für das kommende Jahr aber rechnen Notenbank und Regierung aber mit genau diesem Wert; und von moderaten Zinsen sprechen nicht mal US-Banker, die Kunden ein Sparbuch ans Herz legen sollen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Nullzinspolitik der Fed hatte durchaus ihre Berechtigung. Es handelt sich bei diesem Kommentar nicht um eine Generalabrechnung. Die Finanzkrise von 2007/2008 hat die Notenbanker zu drastischen Schritten greifen lassen. Innerhalb von 13 Monaten wurde der Leitzins von 4,75 auf nahezu null Prozent reduziert. Ein Totalcrash der Wirtschaft konnte so verhindert werden; nach und nach erholte sich die US-Wirtschaft und wächst nun nachhaltig um mindestens zwei Prozent pro Jahr. Jetzt aber ist es an der Zeit, die Zinsen zu erhöhen. Sonst droht ein neuer Crash.

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