Fed-Leitzins Das große Zinsrätseln

Die US-Notenbank Fed könnte im Dezember die Leitzinsen anheben. Doch was folgt danach?

US-Notenbank Fed Quelle: dpa

Sie tut es, sie tut es nicht, sie tut es... kaum eine andere Frage bewegt die Finanzmärkte in diesen Wochen so sehr wie die nach dem künftigen geldpolitischen Kurs der amerikanischen Notenbank Fed. Nachdem Fed-Chefin Janet Yellen in ihrer jüngsten Rede die Tür für eine Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung der Fed Mitte Dezember weit geöffnet hat, taxieren die Teilnehmer an den Finanzmärkten die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed ihren Worten bald Taten folgen lässt, auf über 50 Prozent. In Erwartung höherer Leitzinsen sind die Renditen für Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit auf 0,82 Prozent gestiegen, das höchste Niveau seit Anfang 2011. Zehnjährige US-Staatspapiere werfen sogar mehr als 2,2 Prozent Rendite ab.

Steht die US-Wirtschaft also vor einer Zinswende, die die Zinsen auch weltweit nach oben zieht? Wohl kaum. Zwar läuft die US-Konjunktur recht ordentlich, Experten rechnen für dieses und das nächste Jahr mit Wachstumsraten des realen Bruttoinlandsprodukts von etwa 2,5 Prozent. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist so gut wie lange nicht mehr, die US-Unternehmen schaffen neue Jobs, die Arbeitslosenquote sinkt, vielerorts sind Arbeitskräfte knapp. Zugleich verschafft die gute Konsumlaune der US-Bürger den Unternehmen Spielräume, die Absatzpreise ihrer Produkte anzuheben. Der Preisindex für die Konsumausgaben der privaten Haushalte (ohne Energie und Nahrungsmitte) liegt um 1,3 Prozent höher als im Vorjahr. Die Kernrate des Verbraucherpreisindex übersteigt ihr Vorjahresniveau um 1,9 Prozent.  

Wo würde der DAX ohne Notenbanken stehen?

Gute Voraussetzungen also, um die Leitzinsen zu normalisieren und der seit sieben Jahren betriebenen Nullzinspolitik Adieu zu sagen. Dennoch dürfte die nötige Zinswende ausbleiben. Zwar wird die Fed den Leitzins im Dezember wohl um 0,25 Prozentpunkte anheben. Dabei dürfte es sich jedoch um einen rein kosmetischen und in erster Linie machtpolitisch motivierten Schritt handeln. In den vergangenen Wochen haben sich zwei Mitglieder aus dem engsten Führungszirkel der Fed öffentlich gegen höhere Zinsen ausgesprochen und so Fed-Chefin Yellen den Fehdehandschuh hingeworfen. Um nicht als schwache Vorsitzende zu gelten, muss Yellen nun die von ihr in Aussicht gestellte Zinserhöhung gegen den internen Widerstand durchsetzen.

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Allerdings dürften dem Zinsschritt im Dezember vorerst keine weiteren Schritte folgen. Die Unternehmen, die privaten Haushalte und der Staat haben sich in den vergangenen Jahren an die niedrigen Zinsen gewöhnt und ihre Budgets darauf eingestellt. Stiegen die Zinsen, rutschten viele Investitionsprojekte in die Verlustzone, Immobilienfinanzierungen kippten, die staatliche Haushalte schrieben tiefrote Zahlen, die Wirtschaft stürzte in die Rezession. Das weiß auch die Fed, daher wird sie vor einer nachhaltigen Zinswende zurückschrecken.

Das Zeitalter der Mini-Zinsen ist also noch lange nicht zu Ende. Dennoch wird die Fed versuchen, die Erwartung auf steigende Zinsen wach zu halten. Denn schenkte sie den Investoren reinen Wein ein,  würden diese sich wohl aus dem Schuldgeld verabschieden und ihr Vermögen in Sachgüter umschichten.  Allerdings kann die Fed die Anleger nicht auf Dauer mit ihrer  „Pretend-and-Extend-Politik“  an der  Nase herumführen. Durchschauen die Investoren die Strategie der Fed, dürfte ihr Vertrauen in die Notenbank und das Papiergeldsystem erodieren. Dann stehen Amerika und die Welt vor einer Geldkrise.

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