Fed US-Notenbank verschiebt Zinswende

Die Währungshüter der US-Notenbank Fed haben ihren Beschluss zu den Leitzinsen verkündet: Sie wagen sich noch nicht an die Zinswende. Der Leitzins bleibt unangetastet auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

Federal-Reserve-Chefin Janet Yellen bei der Pressekonferenz am Donnerstag. Quelle: REUTERS

Die US-Notenbank Fed beendet die Ära des billigen Geldes noch nicht. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Finanzsystems mit Geld bleibt in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent, wie die Währungshüter am Donnerstag mitteilten. In der Entscheidung war sich das Führungsgremium weitgehend einig: sie sei mit neun zu eins Stimmen gefallen, hieß es. Lediglich Jeffrey Lacker stimmte dagegen. Der Zentralbanker ist als Verfechter einer straffen geldpolitischen Linie bekannt.

Damit spielt die Fed bei der Normalisierung der Geldpolitik weiter auf Zeit. Die meisten Experten hatten damit gerechnet, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende wegen des jüngsten Börsenbebens in China und Sorgen um eine Abkühlung der Weltwirtschaft vorerst weiter aufschieben würde. So lautete denn auch die Begründung der Währungshüter: Die US-Wirtschaft wachse zwar moderat, doch gebe es Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten. Globale Entwicklungen könnten die Konjunktur dämpfen, hieß es in einem Statement.

Das sagen Experten zum Fed-Zinsentscheid

Der Leitzins liegt seit dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise Ende 2008 bei nahe null. Die Fed hat jedoch eine Erhöhung und damit eine geldpolitische Straffung noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt - es wäre die erste seit fast zehn Jahren. Viele Beobachter rechnen damit, dass Yellen die Zinswende nun zum Jahresende vollziehen wird.

Ökonomen waren sich im Vorfeld des Zinsentscheids uneins über Yellens Kurs gewesen. So sagte etwa der US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz zur WirtschaftsWoche, es gebe "keinen Grund" für eine Anhebung der Leitzinsen durch die Federal Reserve. Die Erholung der US-Konjunktur sei noch nicht stabil genug und zudem bei vielen Bürgern kaum angekommen.

Nach Definition vieler Volkswirte herrscht jedoch an den Arbeitsmärkten bereits Vollbeschäftigung, so dass das Hauptargument der Fed gegen eine Zinserhöhung wegfiele. In ihrem Statement räumte die Fed auch ein, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessert habe. Die Finanzmärkte warten nun gespannt auf neue Hinweise auf einen Zeitpunkt für die Zinswende.

Der Euro legte nach der Entscheidung deutlich zu und kletterte zeitweise über 1,14 Dollar. Die Wall Street lag leicht im Plus. Vor dem Zinsentscheid war die Wall Street kaum vom Fleck gekommen. In Erwartung des wohl spannendsten Sitzungsergebnisses der US-Währungshüter seit Jahren trauten sich die Investoren nicht aus der Deckung. Durchwachsene amerikanische Konjunkturdaten hatten keinen erkennbaren Einfluss auf die Börsenkurse.

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Der Dax war am Donnerstag kaum verändert aus dem Handel gegangen. Die Händler rechneten bereits mit einer Verschiebung der Zinswende Richtung Jahresende.

Die Geldpolitik der USA ist für die weltweite Wirtschaft von großer Bedeutung: Sind die Zinsen in den USA höher als im Ausland, zieht das internationales Finanzkapital an. Dies lässt wiederum den Kurs des US-Dollar steigen. Davor zittern vor allem Schwellenländer, in die in den Jahren der Nullzinsen viel Anlegergeld geflossen war.

Zudem haben sich viele Unternehmen in aufstrebenden Volkswirtschaften stark in Dollar verschuldet. Sie würden deshalb unter einer weiteren Aufwertung der US-Währung leiden.

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