Fed Yellen deutet baldige Zinserhöhung an

Janet Yellen ist optimistisch, dass die Wirtschaft weiter wächst. Deshalb hat US-Notenbankchefin eine baldige Zinserhöhung angekündigt – allerdings ließ sie vorerst offen, ob sie eine Erhöhung bereits im Juni anvisiert.

Janet Yellen - die erste Frau an der Spitze der Fed
Janet Yellen galt als Favoritin für den Posten an der Spitze der US-Notenbank, seitdem der frühere Finanzminister Lawrence Summers Mitte September erklärt hatte, er stehe für das Amt des Fed-Vorsitzenden nicht zur Verfügung. Die 67-jährige Yellen gilt als enge Vertraute Ben Bernankes. Seit 2012 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Fed. Quelle: AP
Hinsichtlich der Finanzkrise hat Janet Yellen eine weißere Weste als Summers. „Vielmehr noch hat Yellen frühzeitig die großen Gefahren der Finanzkrise erkannt und mit als erste davor gewarnt“, sagt Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Quelle: AP
Seit den 70er Jahren arbeitete die Ökonomin immer wieder für die Fed in Washington, war später auch Chefin der Notenbank in San Francisco. Zwischendurch beriet sie den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Quelle: REUTERS
Yellen ist eine ausgewiesene Arbeitsmarktexpertin - ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. Denn die Fed hat anders als etwa die EZB nicht nur den Auftrag, für stabile Preise zu sorgen, sondern auch für Vollbeschäftigung. Und sie koppelt ihre Zinspolitik an die Arbeitslosenquote, die mit über sieben Prozent zwar langsam fällt, aber noch immer auf einem für amerikanische Verhältnisse hohen Niveau liegt... Quelle: REUTERS
Die Fed versucht, die Lage mit massiven Konjunkturhilfen zu verbessern. Die Maßnahmen - etwa milliardenschwere Anleihe-Käufe - haben aber Nebenwirkungen für die Wirtschaft und sind daher umstritten. Die frühere Berkeley-Professorin Yellen betont, im Zweifelsfall eine höhere Inflation für eine niedrigere Arbeitslosenquote in Kauf zu nehmen. Quelle: AP
Yellen ist in der fast 100-jährigen Geschichte der Zentralbank die erste Frau an der Spitze. Sie steht für eine Fortsetzung der ultra-lockeren Geldpolitik Bernankes. Mit ihr dürfte die Fed Experten zufolge noch länger auf Konjunkturhilfen setzen und eine Zinserhöhung auf die lange Bank schieben. Quelle: dpa
Yellen gilt als konsens-orientiert, loyal und uneitel. Stets hat sie in ihrer langjährigen Laufbahn in der Fed alle Beschlüsse der Führung mitgetragen und sich nicht ins Rampenlicht gedrängt. Quelle: REUTERS
Ihr wird kein besonders enger Draht zum Weißen Haus nachgesagt. Dabei hat die frühere Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco im linken Flügel von Obamas demokratischer Partei zahlreiche Fans: Die Nummer drei der ranghöchsten Demokraten im Senat, Charles Schumer, forderte Obama noch kurz vor der Nominierung Yellens öffentlich auf, die Fed-Vizechefin nun doch zur Präsidentin zu befördern. Yellen ist mit dem Wirtschaftsnobelpreisträger George Akerlof verheiratet. Quelle: REUTERS

Der US-Aktienmarkt hat Aussagen der US-Notenbankpräsidentin zur Zinspolitik am Freitag mit Gelassenheit aufgenommen. Der Leitindex Dow Jones Industrial beendete den recht ruhigen Handelstag vor dem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende mit wenig Bewegung auf dem höchsten Stand des Tages.

Bei vergleichsweise allerdings geringem Handelsvolumen legte der Dow um 0,25 Prozent auf 17 873,22 Punkte zu und verbuchte damit ein Wochenplus von 2,13 Prozent. Es ist sein größter Zuwachs innerhalb einer Handelswoche seit Mitte März. Der marktbreite S&P 500 rückte am Freitag um 0,43 Prozent auf 2099,06 Punkte vor und der Nasdaq-100-Index gewann 0,55 Prozent auf 4512,54 Punkte.

Fed-Präsidentin Janet Yellen hatte während einer Veranstaltung der Harvard University in Cambridge gesagt, dass das Wachstum in den Vereinigten Staaten wohl anziehe und sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter zu verbessern scheine. „Wenn das anhält, was ich erwarte, dann wäre ein graduelle und vorsichtige Zinsanhebung angemessen“, sagte sie mit Blick auf die kommenden Monate. Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses, der über die Zinsen entscheidet, findet am 15. Juni statt.

Der US-Dollar erhielt durch Yellens Äußerungen zur Zinspolitik einen Schub nach oben und brachte damit den Eurokurs unter Druck. Dieser fiel zuletzt auf 1,1112 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs im Frankfurter Handel noch auf 1,1168 (Donnerstag: 1,1168) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8954 (0,8954) Euro. Am Rentenmarkt gaben richtungsweisende zehnjährige US-Staatsanleihen 6/32 Punkte auf 97 30/32 Punkte ab, während ihre Rendite auf 1,85 Prozent stieg.

Unter den Einzelwerten legten die Aktien der Bank of America im S&P-100-Index um etwas mehr als ein Prozent zu. Die Großbank versucht laut dem „Wall Street Journal“ erneut, ihre Kreditkarten-Tochter MBNA zu verkaufen. Das britische Unternehmen sei mehreren möglichen Käufern angeboten worden, berichtete die Wirtschaftszeitung auf ihrer Internetseite unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bereits 2011 hatte die Bank of America einen Verkaufsversuch gestartet, der jedoch ein Jahr später scheiterte.

Die Papiere der Google-Mutter Alphabet gewannen eineinhalb Prozent. Der Konzern hatte eine milliardenschwere Klage des Software-Konzerns Oracle bezüglich des Smartphone-Systems Android vor Gericht abgewiesen. Geschworene in San Francisco entschieden, dass Google bei der Verwendung von Schnittstellen und Elementen der Software Java für Android nicht das Urheberrecht verletzt habe. Oracle will in Berufung gehen, der Aktienkurs legte um 0,30 Prozent zu.

Erneut gab es zudem eine Übernahmemeldung: Der weltgrößte Hersteller wissenschaftlicher Geräte, Thermo Fisher, will den Mikroskop-Spezialisten Fei Company für 4,2 Milliarden US-Dollar oder 107,50 Dollar in bar übernehmen. Während die Fei-Papiere um gut 14 Prozent auf 108,13 Dollar zulegten, stiegen die Aktien von Thermo Fisher um etwas mehr als ein halbes Prozent.

Für die Anteilsscheine von Palo Alto Networks ging es um gut 12 Prozent abwärts, nachdem der Anbieter von Netzwerksicherheitstechnik mit seinem Ausblick auf das vierte Geschäftsquartal enttäuscht hatte.

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