„Firmen rechnen mit harten Zeiten“ Ifo-Index stürzt ab

Das Ifo-Institut veröffentlicht seinen monatlichen Geschäftsklimaindex im Schatten des Ukraine-Kriegs. Quelle: dpa

Der Ifo-Index fällt kräftig: Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine drastisch eingetrübt.

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Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine nach stärker eingebrochen als ohnehin schon befürchtet. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel im März kräftig auf 90,8 Punkte nach 98,5 Zählern im Februar, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten nur mit einem Rückgang auf 94,2 gerechnet. Die Unternehmen in Deutschland rechnen mit harten Zeiten“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage und vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter als zuletzt. Beim Barometer der Erwartungen gab es einen „historischen Einbruch“, der noch stärker ausfiel als beim Ausbruch der Coronakrise im März 2020.

Zuvor war der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur in Deutschland zwei Monate in Folge gestiegen. Aber die Auswirkungen des Krieges bei den bereits steigenden Energiekosten und die Folgen der Sanktionen machen den Firmen zu schaffen. Im Verarbeitenden Gewerbe sank der Teilindex so stark wie noch nie. Dies gelte auch für die Erwartungen der Industriebetriebe, sagte Fuest. „Diese schlugen von Optimismus in einen deutlichen Pessimismus um.“

Zudem bewerteten die Unternehmen ihren Geschäftsausblick nun als „extrem unsicher“. Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte Reuters, die Lieferkettenprobleme der Industrie hätten sich im März noch einmal verschärft. „Zwei Drittel der Industriebetriebe wollen ihre Preise anheben, so viele wie noch nie.“ In der Folge wollen auch die Einzelhändler nachziehen. „Das ist ein Domino-Effekt“, betonte Wohlrabe.

„Durch den Ukraine-Krieg ist der Index regelrecht abgeschmiert“, sagte Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Problematisch seien in erster Linie die globale Lieferlogistik und hohe Beschaffungskosten. „Der mit der Corona-Pandemie ausgebrochene Überlebenskampf vieler Unternehmen geht damit weiter.“ Sollte es etwa zu einem westlichen Boykott russischen Öls kommen, würde der Ölpreis nach oben katapultiert, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „In diesem Szenario wäre eine Rezession wahrscheinlich, zumal Russland auf einen Ölboykott mit einem Stopp seiner Gaslieferungen reagieren könnte.“

Die Ifo-Forscher hatten erst kürzlich ihr Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gesenkt. Sie erwarten nur noch ein Wachstum zwischen 2,2 und 3,1 Prozent, nachdem sie zuvor noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,7 Prozent gerechnet hatten, wie sie jüngst mitteilten.

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„Die russische Attacke dämpft die Konjunktur über deutlich gestiegene Rohstoffpreise, die Sanktionen, zunehmende Lieferengpässe bei Rohmaterialien und Vorprodukten sowie erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit“, hieß es zur Begründung. Die Inflation dürfte schneller steigen als gedacht. Das Ifo rechnet mit 5,1 bis 6,1 Prozent für 2022 statt der im Dezember erwarteten 3,3 Prozent.

Lesen Sie auch: Die Politik sollte Hilfen zum Ausgleich steigender Energiepreise auf einkommensschwache Haushalte und industrielle Notlagen beschränken – ein Gastbeitrag von Ökonom Clemens Fuest.

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