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Folgen der Finanzkrise Weltwirtschaftskrise auf dem Vormarsch

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Toyota kürzt seine Produktion Quelle: REUTERS

Sorgen, allerdings auf einem anderen Niveau, machen sich auch in den Industriestaaten breit. Hier geht es nicht um Armut und Hunger, sehr wohl aber um deutliche Wohlstandseinbußen.

So vermeldete Japan heute erstmals seit 13 Jahren ein Leistungsbilanzdefizit, das Land hat also erstmals mehr Waren und Dienstleistungen importiert als exportiert. Der Fehlbetrag lag im Januar bei  172,8 Milliarden Yen (1,39 Milliarden Euro), wie die japanische Regierung in Tokio mitteilte. Experten hatten zwar mit einem Defizit gerechnet, dieses aber drastisch niedriger auf 15,3 Milliarden Yen veranschlagt.

Der exportabhängigen japanischen Wirtschaft macht vor allem die eingebrochene weltweite Nachfrage zu schaffen. Zugleich gehen die Erlöse der Unternehmen im Ausland wegen des starken Yen kräftig zurück. „Das ist eine schlechte Entwicklung für eine Exportwirtschaft“, sagte UBS-Volkswirt Akira Maekawa. „Wir erwarten eine weitere Verschlechterung der Leistungsbilanz.“

Gerade bei dem Export von Waren geht es steil bergab. Die Handelsbilanz, die nur die Warenströme erfasst, weitete ihr Defizit von 197,9 Milliarden Yen im Vormonat auf 844,4 Milliarden Yen aus. Viele Industrieunternehmen wie Toyota oder Sony haben bereits die Produktion gedrosselt und bauen Arbeitsplätze ab.

Verzweifelte Reaktionen der japanischen Regierung

Damit zumindest der inländische Konsum am Laufen bleibt, greift die verzweifelte Regierung zu immer skurrileren Maßnahmen. Im Rahmen eines neuen Ausgabenprogramms werden nun 16 Milliarden Euro Bargeld unter das Volk gemischt. Jeder Bürger erhält rund 100 Euro, Senioren und Jugendliche erhalten noch etwas mehr. Experten sehen die Bargeld-Verteilung allerdings skeptisch, denn es ist fraglich, ob die sparsamen Japaner das Geld überhaupt ausgeben.

Auch in Europa nimmt die Angst vor der Krise zu. Nach Einschätzung der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft werden vor allem junge Menschen leiden. „Europa wird 3,5 Millionen Arbeitsplätze verlieren. Besonders junge Leute werden betroffen sein“, sagte der tschechische Arbeitsminister Petr Necas heute in Brüssel, wo der Ministerrat über mögliche Hilfen für die Opfer der Krise beriet. Auch für Einwanderer und Niedriglohnbezieher sei die Gefahr größer, arbeitslos zu werden. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in Europa wird nach Angaben von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso im Jahr 2010 durchschnittlich zehn Prozent erreichen.

Wirtschaftsforscher machen sich unterdessen noch ganz andere Sorgen. Sie sehen die gemeinsame europäische Währung erstmals vor der Zerreißprobe. "Nachdem der Euro zehn Jahre lang in einer Schönwetterphase groß werden konnte, steht ihm nun eine vorzeitige Reifeprüfung bevor, die schwerer kaum ausfallen könnte“, warnte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Viele südeuropäische Staaten hätten seit 1999 an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt und enorme Leistungsbilanz-Defizite aufgebaut. Verschärft durch die Finanzkrise könnten diese Fehler aus der Vergangenheit im Euro-Raum erhebliche Spannungen auslösen.

Börsenkurse rutschen weiter ab

In Griechenland, Spanien, Italien und Portugal seien die Preise und Lohnstückkosten deutlich stärker als im Durchschnitt der Euro-Zone gestiegen, erläuterte Hüther. Das hat Exporte verteuert, Importe verbilligt. Die Folge: Die Leistungsbilanz der Länder rutscht immer weiter ins Minus.

In der Währungsunion haben die Länder keine Möglichkeit, die eigene Währung abzuwerten, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu verbessern. „Vielmehr müssen die Staaten zur Wiederherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit eine Phase von schwachen Lohn- und Preisanstiegen durchstehen“, sagte Hüther. Das wäre allerdings mit unpopulären Maßnahmen verbunden. Hüther schließt daher nicht aus, dass in Südeuropa politische Forderungen nach einem Austritt aus der Währungsunion aufkommen könnten.

Passend zum trüben Bild, das die Wirtschaftsforscher zeichnen, entwickelten sich heute auch die Börsen: In Japan verlor der Nikkei-225-Index 1,21 Prozent und rutschte auf 7.086 Zähler. Damit schloss er auf dem tiefsten Stand seit 26 Jahren. Auch an den europäischen Börsen ging es abwärts. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor heute bis gegen Mittag rund 1,6 Prozent auf nur noch knapp über 3.600 Punkte.

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