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Freytags-Frage

Is it Live or is it Dead?

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Vorbildlicher Kapitalismus

Auf diese Weise bildete sich um die Grateful Dead Konzerte eine eigene Kultur heraus. Viele Fans reisten mit – bei der letzten Reise nach Europa im Herbst 1990 waren rund 2000 Amerikaner mit dabei, die z.B. der Stadt Essen ein eigentümliches Flair von “Flower Power“ gaben.

Diese Fans schufen einen Markt für Devotionalien aller Art, z.B. T-Shirts, Poster und eben für Schallplatten, Cassetten oder CDs. Auf diese Weise konnten alle im Umfeld der Dead ihren Lebensunterhalt verdienen.

Diese Musiker verdienen das meiste Geld
Platz 12: Jay ZJay Z musste sich seiner Gattin Beyoncé mit „nur“ 60 Millionen Dollar (48 Millionen Euro) und Rang zwölf in der Bestverdienerliste geschlagen geben. Quelle: AP
Platz 11: Taylor SwiftNicht einmal unter die ersten Zehn schaffte es Taylor Swift. Trotzdem läuft ihre Karriere rund. Den Beweis dafür liefert ihr Kontostand: 64 Millionen Dollar (52 Millionen Euro) verdiente sie dieses Jahr. Quelle: dpa
Platz 10: Toby KeithIn Deutschland spricht man nicht so gerne über das eigene Gehalt. Umso spannender, wenn man den Stars in den Geldbeutel schauen kann: Das US-amerikanische „Forbes Magazine“ hat wieder seine Liste der bestverdienenden Musikstars vorgelegt. Für 2014 finden sich smarte Rap-Mogule, R'n'B-Königinnen und fast vergessene Alt-Stars. Auf Platz zehn landet Toby Keith. Der hierzulande vergleichsweise unbekannte Countrysänger ist eine regelrechte Geldmaschine: Mit einem eigenen Musiklabel, einer Schnell-Restaurant-Kette und einem Agaven-Schnaps („Wild Shot“) verdiente der Superreiche mit Cowboyhut 65 Millionen Dollar (53 Millionen Euro). Quelle: AP
Platz 9: Calvin HarrisEr ist der bestverdienende DJ der Welt. Pro Live-Show soll Harris angeblich eine Gage von rund 150.000 Dollar kassieren – und davon spielt er im Jahr jede Menge. Schon im vergangenem Jahr meldete „Forbes“, dass Calvin Harris ein Vermögen von 33 Millionen Euro besitze – in diesem Jahr sind es 66 Millionen Dollar (54 Millionen Euro). Quelle: REUTERS
Platz 8: Paul McCartneyDas älteste Mitglied der Top Ten: Für den 72-Jährigen hat sich die diesjährige Tour allemal gelohnt. Für jede Stadt, in der er rockte, kassierte er mehr als 3,5 Millionen Dollar ein. Für das ganze Jahr ist da die stolze Summe von 71 Millionen Dollar (57 Millionen Euro) zusammengekommen. Quelle: dpa
Platz 7: One DirectionJetzt schon ausgesorgt: Sie haben nicht mal die 30 erreicht, verdienen aber schon mehr als alternde Rockstars. Mit einem Verdienst von 75 Millionen Dollar (60 Millionen Euro) landen die Jungs auf Rang sieben der musikalischen Großverdiener 2014 – dank einer Pepsi-Werbung und einem Nummer-eins-Album. Quelle: dpa
Platz 6: Justin BieberEine Überraschung in diesem Jahr: Justin Bieber muss sich in diesem Jahr mit Platz sechs begnügen – immerhin mit 80 Millionen Dollar (64 Millionen Euro). Auch wenn er dieses Jahr mehr Schlagzeilen mit Skandalen als mit seiner Musik machte, verdiente der Jungstar dank seiner Tour einige Millionen mehr. Quelle: AP

Darüber hinaus wurden diese und viele Millionen Deadheads über die Jahre treue Besucher der Konzerte und kauften nebenbei auch die offiziell verlegten Schallplatten und CDs. Zur Vermarktung letzterer gründeten die Dead ihr eignes Schallplatten-Label. Auch waren sie unter den ersten, die das Internet umfassend nutzten. Ihre Geschäfte wickelte die Band immer in einer Art Familienunternehmen ab, zu dem Dutzende von Freunden, Familienmitgliedern und Fans gehörten. Dem Vernehmen nach herrschte eine besondere Form der Mitbestimmung in diesem „Unternehmen“.

Zur Unterstützung von sozial Schwächeren, zur Förderung des Umweltschutzes und zur Hilfe von Künstlern gründete die Band bereits 1983 die Rex Foundation. Heute gründet nahezu jeder Künstler oder Sportstar eine Stiftung, damals war es neu und ungewöhnlich.

Schließlich zur Staatsferne: Es ist nicht vorstellbar, dass Jerry Garcia sich beim Landesmusikpreis des Kultusministers für Nachwuchsbands beworben hätte. Die Bandmitglieder waren bzw. sind zu sehr Individualisten, die sich ungern in eine Struktur einbinden lassen hätten. Die Band hat aber auch für ihre Verluste – z.B. durch das verwehte Konzert bei den Pyramiden von Gizeh 1978 – selber eingestanden.

Konjunktur



Wie gesagt, diese Art des mittelständischen – und individualistischen – Kapitalismus ist vorbildlich. Innovative Unternehmer mit großartigen weltweit nachgefragten Produkten: als Tipp für den Feierabend hier der Link zu Althea aus der WDR-Rocknacht im März 1981, ab Minute 55:45, mit einer fairen Unternehmensstrategie, die allen Beteiligten nützt, also neudeutsch eine win-win-Situation schafft, mit hoher Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber und einem bürgerschaftlichem Engagement: Die Väter der Sozialen Marktwirtschaft wären mit Sicherheit begeisterte Deadheads gewesen!

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