Freytags-Frage

Warum ist Dennis Meadows eigentlich so selbstgerecht?

Da schreibt einer federführend eine Studie, die nach wissenschaftlichen Maßstäben betrachtet nur als schwach und unlogisch bezeichnet werden kann, und hält sich trotzdem für das gute Gewissen der Welt.

US-Ökonom Dennis Meadows - Seine neue Studie

In verschiedenen Interviews hat Dennis Meadows, der führende Autor der vom Club of Rome veröffentlichten Studie “Limits to Growth“, auf deutsch: „Grenzen der Wachstums“, bei seinem jüngsten Besuch in Deutschland zum wiederholten Male auf die potentiell negativen Konsequenzen von Wirtschaftswachstum und steigendem Energieverbrauch hingewiesen. Für sich genommen ist es natürlich kein Problem, auf die potentiell negativen Wachstumswirkungen hinzuweisen. Die sind nicht wegzudiskutieren. Dies gilt aber auch, weil in vielen Ländern aus primär politischen Gründen verzerrend in die Preise eingegriffen wird und Energieversorgung immer noch vielfach zu billig stattfindet.

The Limits to Growth: The 30-Year Update, Donella Meadows, Jorgen Randers, Dennis Meadows, Chelsea Green Pub Co (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Ärgerliche Selbstgerechtigkeit

Was aber wirklich ärgerlich ist, ist die Selbstverständlichkeit und Selbstgerechtigkeit, mit der Dennis Meadows vor allem bei anderen einfordert, auf Wohlstand und Wachstum zu verzichten. Wörtlich sagt er in einem Interview mit der FAZ vom 4.12. 2012 folgendes: „…Wachstum ist der Krebs… Ich habe Solarpanels auf dem Dach und heize mein Haus mit selbstgehacktem Holz aus dem Wald, aber ich habe auch 10 Hektar Land. Glauben Sie nicht, dass man mit sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten so die Probleme lösen kann… Wo sollte die Lösung liegen, wenn ich mir vorstelle, dass bald acht Milliarden Menschen mit Fahrzeugen durch die Welt fahren? …“ Daraus spricht vor allem eine Kritik am Wachstum der anderen. Er selbst macht schließlich alles richtig! Es scheint, dass die Wachstumskritik vor allem von den Wohlhabenden ausgesprochen wird; es ist schließlich auch beunruhigend, wenn nun plötzlich alle mobil sein wollen! Muss ja auch nicht sein, oder?

„Das ist schlimmste Stammtisch-Ökonomie“
Prof. Dr. Walter Krämer, leitet das Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund und hat den Protestbrief initiiert. Seine Begründung: "Viele wissen gar nicht, auf was wir uns da einlassen. In zehn oder 15 Jahren müssen wir unser Rentensystem plündern, um irgendwelche maroden Banken zu retten - oder was noch schlimmer wäre, die Notenpresse anwerfen." Über 270 Wirtschaftswissenschaftler kritisieren die Beschlüsse des vergangenen EU-Gipfels. Doch nicht alle deutschen Ökonomen springen auf den Zug auf - sondern stehen der Bundeskanzlerin bei. Diese Ökonomen streiten sich um Merkels Europolitik. Quelle: Pressebild
Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, hat den Protestbrief der Ökonomen von Walter Krämer redaktionell und begleitet und unterschrieben. Darin steht: "Wir, Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler der deutschsprachigen Länder, sehen den Schritt in die Bankenunion, die eine kollektive Haftung für die Schulden der Banken des Eurosystems bedeutet, mit großer Sorge. (...) Weder der Euro noch der europäische Gedanke als solcher werden durch die Erweiterung der Haftung auf die Banken gerettet, geholfen wird statt dessen der Wall Street, der City of London – auch einigen Investoren in Deutschland - und einer Reihe maroder in- und ausländischer Banken, die nun weiter zu Lasten der Bürger anderer Länder, die mit all dem wenig zu tun haben, ihre Geschäfte betreiben dürfen." Quelle: dpa
"Die Politiker mögen hoffen, die Haftungssummen begrenzen und den Missbrauch durch eine gemeinsame Bankenaufsicht verhindern zu können. Das wird ihnen aber kaum gelingen, solange die Schuldnerländer über die strukturelle Mehrheit im Euroraum verfügen." - Klaus F. Zimmermann, ehemaliger Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, gehört zu den Unterzeichnern. Quelle: dapd
"Die Sozialisierung der Schulden löst nicht dauerhaft die aktuellen Probleme; sie führt dazu, dass unter dem Deckmantel der Solidarität einzelne Gläubigergruppen bezuschusst und volkswirtschaftlich zentrale Investitonsentscheidungen verzerrt werden." Auch Bernd Raffelhüschen, Professor der Universität Freiburg und Experte für Altersvorsorge, hat den Aufruf unterzeichnet. Quelle: dpa
"Wenn die soliden Länder der Vergemeinschaftung der Haftung für die Bankschulden grundsätzlich zustimmen, werden sie immer wieder Pressionen ausgesetzt sein, die Haftungssummen zu vergrößern oder die Voraussetzungen für den Haftungsfall aufzuweichen. Streit und Zwietracht mit den Nachbarn sind vorprogrammiert." Sachsens ehemaliger Ministerpräsident und Finanzprofessor Georg Milbradt (CDU) gehört zu den Mitunterzeichnern. Quelle: ASSOCIATED PRESS
Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, kritisiert dagegen seine Kollegen: „Der Aufruf schürt lediglich Ängste und zeigt keinen einzigen Weg zur Lösung der Probleme auf.“ Quelle: dpa
Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, findet kritische Worte: Diese Aktion habe „mit ökonomischer Argumentation nichts zu tun“, sagte Hüther. Quelle: dapd

Heißt das nun, dass Wachstum unkritisch ist. Sicher nicht, denn Wachstum trägt zum Ressourcenverbrauch bei, Nullwachstum allerdings auch, nur der Verzicht schont Ressourcen. Nun kann man aber getrost davon ausgehen, dass Dennis Meadows oder eine Enquete-Kommission des Bundestages mit Wachstumskritik keinen großen Eindruck in China, Indien, Lateinamerika oder Afrika hinterlassen. Verzicht ist dort kein Thema. Die Menschen dort wollen der Armut entkommen und ähnlichen Wohlstand wie wir haben (auch wenn nicht jeder Mensch 10 Hektar Land haben will oder muss). Abgesehen von diesem Streben nach Wohlstand findet Wachstum von unten statt. Auf individueller Ebene streben Menschen nach Verbesserungen, die dann in höherem materiellem Wohlstand resultieren. Wachstum kann weder zentral verordnet noch von irgendwelchen Autoritäten verboten werden.

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