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Freytags-Frage

Müssen wir Angst vor globaler Stagnation haben?

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Weltweiter Wachstumspessimismus ist nicht angesagt

  • Lohnstückkosten sind natürlich von Lohnhöhen, der Produktivität, aber auch von den Lohnnebenkosten getrieben. Rente mit 63 in einer alternden Bevölkerung treibt letztere vermutlich zumindest längerfristig in die Höhe.
  • Regulierungen sollten auf die Fälle von Marktversagen beschränkt bleiben, die außerdem eng auszulegen sind. Preissteigerungen – wie auf dem deutschen Wohnungsmarkt – sind nicht automatisch Marktversagen, vor allem dann nicht, wenn sie durch expansive Geldpolitik und erhebliche Steuererhöhungen (Grundsteuer und Grunderwerbsteuer im Beispiel) getrieben sind. Das sollte man eher als Staatsversagen ansehen!
  • Es kann auch nicht schaden, rohstoffarm zu sein. Ressourcenreiche Länder leiden oft unter dem sog. Ressourcenfluch (meist ausgelöst durch Korruption) und der holländischen Krankheit (ausgelöst durch eine Aufwertung der eigenen Währung als Folge der Ressourcenverkäufe). Venezuela und die Demokratische Republik Kongo, aber auch Russland sind Beispiele dafür. Dass es anders geht, zeigt Norwegen.
  • Von Bedeutung ist auch die Bereitschaft des einzelnen, sich anzustrengen. Diese wird offenbar maßgeblich durch Vorbild und das Ausmaß an staatlicher Alimentierung mitbestimmt. Letzteres führt zu Ansprüchen an den Sozialstaat und bildet einen Grund dafür, dass reiche Länder weniger als arme Länder wachsen. Dies ist für sich genommen auch kein Problem. Zum Problem wird es dann, wenn die Ansprüche die Leistungsbereitschaft deutlich mindern oder die Sozialpolitik dazu führt, dass Menschen nicht mehr in die Bildung investieren beziehungsweise zurückgelassen werden.
  • Schließlich kann man noch auf die Rolle internationaler Foren hinweisen, die Wachstumsprozesse in einzelnen Ländern nicht initiieren, wohl aber unterstützen können. Wenn auf dem G20-Gipfel beschlossen wird, weitere Handelshemmnisse (gerade für die Ärmsten) abzubauen und auf Währungskriege zu verzichten, kann globales nachhaltiges Wachstum unterstützt werden, ganz im Sinne der australischen Agenda.

Das sind die Märkte von morgen
Prag Quelle: AP
Budapest Quelle: dpa
Algier Quelle: dpa Picture-Alliance
Rabat Quelle: dpa Picture-Alliance
Mexiko-Stadt Quelle: dpa Picture-Alliance
Ankara Quelle: Ankara Views Peretz Partensky CC2.0 Generic License
Seoul Quelle: Patriot Missile at the English Language Wikipedia CC Share-Alike 3.0 Unported

Viele Länder außerhalb Europas sind gerade dabei, bei den Voraussetzungen für Wachstum aufzuholen. In vielen Ländern Afrikas hat man erkannt, dass nur eigene Anstrengungen in den oben genannten Bereichen erheblich mehr für die Entwicklung bringen als Entwicklungshilfe und Schuldenerlass; in vielen Ländern Asiens ist diese Erkenntnis bereits umgesetzt worden, man denke nur an Singapur. Gerade dort zeigt sich die Bedeutung von Bildungs- und Infrastrukturinvestitionen.

Dabei zeigt sich außerdem, dass Demokratie zunächst keine notwendige Bedingung für Wachstum beziehungsweise Aufholprozesse ist. Für deren Nachhaltigkeit scheint sei allerdings wichtig zu sein; wir dürfen gespannt nach Singapur, aber auch nach China blicken.

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Auf der Liste der WiWo fehlen etliche Länder, die das Potential zu nachhaltigem Wachstum haben. Neben weiteren afrikanischen Ländern, z.B. Ruanda, Kenia und Ghana sind dies vor allem die angelsächsischen Länder Australien, Neuseeland, Kanada und die USA. Denn gerade dort verbinden sich die hohen Anforderungen an Rechtsstaatlichkeit und Eigentumsrechten mit einer hohen individuellen Leistungsbereitschaft.

Man kann grundsätzlich optimistisch sein. Die Welt ist bereits länger auf einem robusten Wachstumspfad; viele Länder haben aufgeholt. Eine breite Mittelschicht ist auf dem Globus entstanden, viele Menschen sind Armut und Hunger bereits entkommen. Damit sich dies fortsetzt, sind Veränderungen in den ärmsten Ländern nötig. Viele Länder sind gerade dabei, diese zu gestalten. Wachstumspessimismus ist – wenigstens außerhalb der Eurozone – nicht angesagt. Aber auch hier ist er nicht unumgänglich.

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