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Freytags-Frage

Wie zuverlässig sind die Wachstumsprognosen?

Wie wird 2015? Dutzende Experten und Institute prognostizieren derzeit, wie sich die Konjunktur entwickelt. Sie geben ihr Bestes – und können doch nur bedingt richtig liegen.

Konjunktur Prognosen Quelle: dpa

Volkswirte haben zur Zeit keine Konjunktur, was unter anderem an der Treffsicherheit ihrer Prognosen liegt. Jüngst hat es zum Beispiel eine neue Wachstumsprognose für die Bundesrepublik gegeben. Die Zahlen scheinen wieder positiver zu werden. Die prognostizierten Veränderungen sind zwar nur sehr klein, aber immerhin positiv im Vergleich zu den vom Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) im November oder der Gemeinschaft der Institute (Gemeinschaftsdiagnose, GD) im Oktober abgegebenen Prognosen.

Wieso die erneuten Veränderungen? Können wir den Prognosen überhaupt glauben? Vielfach wird Häme über die Konjunkturforscher ausgeschüttet, wenn sie wieder einmal daneben liegen. Die Foren der Internet-Ausgaben der Qualitätspresse sind voll mit negativen Kommentaren; die Politik drischt auch gern auf die Forscher ein. Sind die Konjunkturforscher naiv und unwissend, oder ist dies ein grundsätzliches Problem bei Prognosen?

Die Frage ist berechtigt, und die Antwort ist recht eindeutig: Die Konjunkturforscher geben ihr Bestes und sind hoch qualifizierte Spezialisten, die aber immer nur bedingte Prognosen abgeben können. Prognosen werden unter genau gefassten und mitgelieferten Bedingungen beziehungsweise Annahmen formuliert. So liefert der Sachverständigenrat immer alle Annahmen mit.

Eine unbedingte Prognose abzugeben ist weder zuverlässig möglich, noch seriös. Die Prognose wird für einen Zeitraum von 15 Monaten gestellt (vom Oktober des laufenden Jahres bis zum Ende des kommenden Jahres). In dieser Zeit kann viel passieren.

Unwägbarkeiten in Politik und Weltwirtschaft

Und darin besteht das Problem in der gegenwärtigen Situation. Noch vor acht Wochen lag der Preis für Rohöl deutlich über dem heutigen Niveau. Der gesunkene Ölpreis wurde zunächst als ein Problem für die Geldpolitik interpretiert, bevor sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass niedrige Energiepreise im Winter wie ein Konjunkturprogramm wirken können. Bei der Neuformulierung der Prognose wurde also im Wesentlichen die Annahme verändert und das Modell noch einmal durchgerechnet.

Der menschliche Faktor ist eben bei ökonomischen Analysen immer zu beachten. Auch wenn einige Ökonomen den Versuch unternehmen, unser Fach immer näher an die Naturwissenschaften zu bewegen, zeigt sich immer wieder, dass die Ökonomik zwar Muster erkennen, analysieren und auch vorhersagen kann. Es ist aber unmöglich, dies präzise für den Einzelfall zu tun: Die Ergebnisse gelten für alle, aber nicht für jeden.

Nehmen Sie die Bundesregierung. Wer hätte vor März 2011 gedacht, dass Deutschland die Kernenergie schneller als geplant abschaffen und damit nicht nur die Organisation der Energieversorgung komplett umstülpen, sondern natürlich auch Prognosen schneller veralten lassen würde, als gedacht. Plötzlich aufkeimende gewaltsame Konflikte, Terrorangriffe, aber auch Naturkatastrophen sorgen immer wieder für Überraschungen.

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