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Frühindikatoren Konjunkturelle Trendwende in Sicht?

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Nettoverschuldung des Bundes in Milliarden Euro

In den nächsten Monaten dürfte sich die Lage weiter verschärfen. Denn der Arbeitsmarkt ist ein klassischer Spätzügler der Konjunktur. Rund sechs Monate dauert es, bevor er auf die Konjunktur-Wende reagiert. Selbst wenn die Rezession im Herbst zu Ende gehen sollte, wird die Job-Misere bis weit ins Jahr 2010 hinein anhalten.

Dennoch warnen Experten vor Panikmache. Möglicherweise bleibt dem Arbeitsmarkt der totale Absturz erspart. „Ich glaube nicht, dass wir in dieser Rezession bei den Arbeitslosenzahlen wieder die Fünf-Millionen-Marke erreichen – womöglich bleiben wir sogar unter der Vier-Millionen-Grenze,“ sagt Wolfgang Franz, Mitglied des Sachverständigenrats und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Der deutsche Arbeitsmarkt sei „diesmal viel besser gerüstet als in früheren Krisen“. Das liege zum einen an der Agenda 2010 der früheren rot-grünen Bundesregierung und an der Verlängerung des Kurzarbeitergelds. Zum anderen, so Franz, „haben die Unternehmen aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und versuchen diesmal, ihre Fachkräfte auf Teufel komm raus zu halten. Die Leute würden ihnen ja sonst im nächsten Aufschwung fehlen“.

Dass sich gerade jetzt, wo die Krise beim Bürger ankommt, wichtige Frühindikatoren verbessern, scheint widersinnig. Doch die Erfahrung zeigt: Auch in früheren Rezessionen drehten die Frühindikatoren bereits nach oben, als die Talfahrt am Arbeitsmarkt begann und die Bürger die Krise so richtig zu spüren bekamen. Denn die meisten Frühindikatoren sind so gestrickt, dass sie der gesamtwirtschaftlichen Produktion um bis zu neun Monate vorauslaufen.

Die Experten sind unsicher

Selbst Profis fällt es schwer, Wendepunkte bei den Frühindikatoren rechtzeitig zu erkennen. Weil einzelne Monatswerte von Sonderfaktoren beeinflusst sein können, sprechen Ökonomen erst dann von einem Wendepunkt, wenn sich der Turnaround eines Index über mehrere Monate bestätigt. „Bisher liegen noch zu wenig Signale vor, um klar auf einen bevorstehenden Aufschwung schließen zu können“, sagt Joachim Scheide, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Gleichwohl seien die jüngsten Verbesserungen bei den Indikatoren zumindest ein erstes Zeichen dafür, dass die wirtschaftliche Talfahrt Mitte des Jahres zu Ende geht. „Wenn sich die Frühindikatoren jetzt nicht stabilisiert hätten, müssten wir unsere Prognose von minus 2,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt für 2009 erneut nach unten revidieren“, sagt der Kieler Ökonom.

Die Unsicherheit der Experten und ihr Misstrauen gegenüber den Frühindikatoren erklärt sich vor allem durch die Finanzkrise, die weit über die Dimension eines normalen zyklischen Abschwungs hinausgeht. „In einer solchen Situation sind die üblichen Daumenregeln für die Frühindikatoren kaum anwendbar“, urteilt Scheide.

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