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Frühindikatoren Konjunkturelle Trendwende in Sicht?

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Allerdings gibt es durchaus einige gute Gründe, warum sich die Frühindikatoren in den vergangenen Wochen belebt haben:

Die großen Notenbanken haben die Leitzinsen kräftig gesenkt. In den USA und Japan liegen die Geldbeschaffungskosten nur noch knapp über der Null-Prozent-Marke. In Euroland hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in den vergangenen Monaten von 4,25 auf 2,0 Prozent gesenkt, weitere Zinsschritte sind wahrscheinlich. Im Zuge der sinkenden Leitzinsen ist auch der Drei-Monats-Euribor – der Zinssatz, zu dem sich die Banken gegenseitig Kredite zur Verfügung stellen – von 5,4 Prozent im Oktober auf derzeit nur noch rund zwei Prozent gesunken. Das entlastet Haushalte und Unternehmen, die variabel verzinsliche Kredite aufgenommen haben.Zudem haben die Notenbanken der Wirtschaft mit massiven Liquiditätsspritzen unter die Arme gegriffen. US-Notenbank Fed und die EZB haben die qualitativen Anforderungen für Wertpapiere zurückgenommen, die sie den Geschäftsbanken gegen Zentralbankgeld abkaufen. Seit Herbst vergangenen Jahres hat sich die Bilanzsumme der Fed dadurch auf rund zwei Billionen Dollar mehr als verdoppelt, die Bilanzsumme der EZB ist im gleichen Zeitraum um ein Drittel auf über 1,9 Billionen Euro angeschwollen. Der massive Liquiditätsschub hat dazu beigetragen, dass die Wachstumsrate der Geldmenge M1 in Euroland – sie umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteinlagen bei den Banken – nach langer Talfahrt wieder gestiegen ist. Zwar hat sich im Zuge der Bankenkrise die Kreditvergabe in Euroland verlangsamt. Nach Ansicht von Joachim Fels, Chefvolkswirt der US-Bank Morgan Stanley, steht das einer Erholung der Konjunktur aber nicht im Weg. In einer aktuellen Studie hat er herausgefunden, dass für den Verlauf der Konjunktur nicht die Kreditvergabe der Banken, sondern das Wachstum der Geldmenge M1 entscheidend ist. „In früheren Rezessionen, die mit Kreditklemmen einhergingen, endete die wirtschaftliche Talfahrt im Schnitt schon zwei Quartale, bevor die Kreditklemme sich auflöste“, sagt Fels. Wer einen Frühindikator für den Aufschwung suche, müsse daher die Geldmengenentwicklung heranziehen, urteilt der Morgan-Stanley-Ökonom.

Kräftige Impulse für die Weltwirtschaft gehen auch von den Konjunkturprogrammen aus, die die Regierungen in fast allen großen Industrieländern aufgelegt haben. Die US-Regierung will rund 900 Milliarden Dollar in die Hand nehmen, in China hat die Regierung ein Stützungsprogramm im Umfang von umgerechnet rund 500 Milliarden Dollar aufgelegt. Von dem geplanten Ausbau der Infrastruktur dürften auch deutsche Exporteure profitieren.Auch die Bundesregierung hat für dieses und nächstes Jahr rund 80 Milliarden Euro an Konjunkturhilfe lockergemacht. Allein die Steuer- und Abgabensenkungen belaufen sich nach Berechnungen der Commerzbank auf knapp 1,5 Prozent der verfügbaren Einkommen der Bundesbürger. „Das wird die negativen Effekte, die die steigende Arbeitslosigkeit auf den Konsum hat, etwas dämpfen“, glaubt Ralph Solveen, Ökonom bei der Commerzbank.Unterstützung für den privaten Konsum liefern auch die niedrigeren Preise für Energie. Seit dem Höhepunkt im Sommer vergangenen Jahres ist der Ölpreis um mehr als 100 Dollar auf rund 44 Dollar je Fass der Sorte Brent gesunken. Benzin und Diesel kosten deutlich weniger als vor einem halben Jahr, in den nächsten Wochen dürften auch die an den Ölpreis gekoppelten Preise für Erdgas den Rückwärtsgang einlegen. Nach Berechnungen von Elga Bartsch, Ökonomin bei Morgan Stanley, bringen die niedrigeren Energiepreise den Bundesbürgern in diesem Jahr einen Schub bei den verfügbaren Einkommen von mehr als 17 Milliarden Euro.

Auch die Tarifrunde hat den Pegelstand in den Haushaltskassen der Bürger gehoben: 2008 stiegen die Bruttolöhne so stark wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Angestellte erhielten im Schnitt 3,1 Prozent mehr, Arbeiter 3,0 Prozent. Davon profitieren auch die 18 Millionen Rentner, deren Altersbezüge an die Bruttolohnentwicklung gekoppelt sind. Den Senioren, die rund ein Fünftel des verfügbaren Einkommens in Deutschland repräsentieren, winkt 2009 die höchste Rentenerhöhung seit Jahren.

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