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Frühindikatoren Konjunkturelle Trendwende in Sicht?

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Finanzminister Peer Quelle: REUTERS

Steht die deutsche Wirtschaft also vor einem veritablen Aufschwung, der ihr wieder Wachstumsraten wie in den vergangenen Jahren beschert? Wohl kaum. Die leichte Erholung der Frühindikatoren deutet zwar darauf hin, dass die Wirtschaft in diesem Winter den Tiefpunkt bei den Wachstumsraten durchschreitet und die Rezession zur Jahresmitte ausläuft. Doch eine schwungvolle Erholung, wie sie sich in früheren Zyklen an tiefe Rezessionen meist anschloss, ist trotz der Vitaminspritzen der Notenbanken und Regierungen nicht zu erwarten.

Die Weltwirtschaft wird noch einige Zeit benötigen, um die Folgen der vorangegangenen Exzesse an den Kredit-, Immobilien-, Rohstoff-, und Schwellenländermärkten zu bereinigen. In einer Studie kommen die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds zu dem Ergebnis, dass der Abbau von Kreditblasen im Schnitt zehn Quartale in Anspruch nimmt, die Bereinigung von Häuserpreisblasen dauert mit über 18 Quartalen noch länger. Der Einbruch am US-Häusermarkt, der Anfang 2006 begann, dürfte sich daher noch mindestens bis Mitte 2010 fortsetzen.

Das wird nicht nur die Bauaktivitäten, sondern auch die Konsumausgaben der Verbraucher in der größten Volkswirtschaft der Welt bremsen. Nach den schuldenfinanzierten Konsumexzessen der ver-gangenen Jahre müssen sie sich beim Shoppen zurückhalten, Kredite tilgen sowie neues Vermögen aufbauen. „Der amerikanische Konsument, der in den vergangenen Jahren der wichtigste Motor der Weltwirtschaft war, wird bis auf Weiteres ausfallen“, fürchtet Stefan Schilbe, Chefvolkswirt des Bankhauses HSBC Trinkaus & Burckhardt. Außer Europa werde darunter auch Asien leiden – mit der Folge, dass die Dynamik in beiden Regionen schwach bleiben wird.

Explorierende Staatsverschuldung ist Gift für den Aufschwung

Ein zusätzlicher Bremsklotz für den Aufschwung ist die explodierende Staatsverschuldung. In Deutschland wird der Schuldenstand des Staates nach Berechnungen der EU-Kommission von 69,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem auf 72,3 Prozent im nächsten Jahr klettern. „Steigende Schulden führen auf Dauer zwangsläufig zu höheren Steuern“, sagt Christoph Schmidt, Chef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen. Für die Wachstumsaussichten bedeutet das nichts Gutes. „Wir werden nach dem Ende der Rezession kleinere Brötchen backen und uns auf niedrigere Wachstumsraten einstellen müssen als in den vergangenen Jahren“, prophezeit Schilbe, der für 2010 ein Mini-Wachstum von einem Prozent erwartet.

Für Krisengewinnler Haribo ist das eher eine gute Nachricht. Denn niedrige Wachstumsraten werden dem Appetit der Deutschen auf Gummibärchen und Maoam gut bekommen.

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