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Gbureks Geld-Geklimper

Die nächste Runde der Enteignung

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

EZB-Chef Mario Draghi lässt seinen Worten Taten folgen. Anleger müssen aufpassen, dass sie nicht zu Opfern von negativen Zinsen und sonstigen Repressalien werden.

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Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, während einer Rede in Finnland. Quelle: dpa

Vor drei Monaten überraschte Mario Draghi die Finanzwelt – sogar einschließlich vieler Mitstreiter in der EZB – mit dem Vorschlag, deren Bilanzsumme drastisch zu erhöhen. Das kam nicht überall gut an, auch nicht in seinem näheren Umfeld. Und als Draghi sich weigerte, seinen Vorschlag näher zu erläutern, war die Verwirrung komplett.

Immerhin, an diesem Donnerstag erfahren wir mehr. Jedenfalls mehr Worte, mit denen der EZB-Chef seit Juli 2012 so erfolgreich umgeht, als er den legendären Halbsatz aussprach: „whatever it takes“. Frei übersetzt: Die EZB ist zu allem bereit (um den Euro zu retten).

Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa

Geldpolitik zu gestalten – in erster Linie mit der Macht der gewaltigen Worte, das hat vor Draghi noch niemand geschafft. Weder früher ein Bundesbank-Präsident noch später einer der beiden Vorgänger bei der EZB noch ein Chef oder die jetzige Chefin der US-Notenbank Fed.

Da drängt sich die Frage auf: Wie lange kann das gut gehen? Irgendwann sind die Worte nämlich abgewetzt, und Taten müssen folgen. Fast alles spricht dafür, dass an diesem Donnerstag zumindest die Ankündigung von Taten zur Debatte steht. Nach dem Motto: Seht her, der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) der Eurozone beträgt nur noch 0,3 Prozent, jetzt muss alles unternommen werden, damit daraus keine Deflation erwächst.

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    Experiment mit negativen Zinsen

    Wie geht das? Im Vorfeld, indem man zunächst die Deflation dämonisiert (auch wenn sie gar nicht da ist, sondern nur der Rückgang der Inflation). Dann folgt der nimmermüde Hinweis auf das Inflationsziel: Zwei Prozent minus etwas (banal, aber in der Wiederholung wegen der Penetranz immerhin noch ein bisschen wirksam).

    Dazu die Ankündigung außergewöhnlicher Maßnahmen, sprich Käufe von Staatsanleihen in größerem Umfang – aber derart vielsagend formuliert, dass die Gegner solcher Käufe es schwer haben werden, dagegen zu opponieren.

    Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

    Und irgendwie wird die EZB ihr Experiment mit negativen Zinsen so lange durchspielen, bis nicht nur die meisten Banken, sondern auch deren Kunden davon betroffen sind.

    Das Ganze soll der Euro-Schwächung dienen, die angeblich die europäische Wirtschaft vor der Rezession retten kann. Die einfache, jedoch umstrittene Überlegung dahinter: Ein schwacher Euro nützt dem Export. Wessen Export? Sicher nach wie vor dem deutschen, dessen Struktur und internationale Bedeutung ohnehin herausragend ist.

    Aber nützt ein schwacher Euro auch dem Export Frankreichs, Italiens oder Spaniens? Zweifel sind angebracht, denn die Wirtschaft der drei Länder leidet unter hohen Kosten und damit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit, unter zu viel Bürokratie und staatlicher Einmischung.

    Der Abwertungswettlauf beginnt

    Mit dem Argument, ein schwacher Euro helfe der Wirtschaft der Eurozone aus der Patsche, verhält es sich wie mit dem HVPI: Der Durchschnitt entspricht der mittleren Temperatur von heißer Herdplatte und Eisfach im Kühlschrank. In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, dass die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone sich wieder ähnlich nähern wie seinerzeit vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

    Das heißt, die Gefahrenzulage für Staatsanleihen aus Ländern rund ums Mittelmeer ist größtenteils abgeschmolzen, obwohl deren Bonität sich nicht in ähnlichem Ausmaß verbessert hat.
    Die Idee, die eigene Währung zu schwächen, damit die Wirtschaft auf dem Umweg über höhere Exporte in Schwung kommt, ist recht alt. Sie trieb zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts besonders europäische Länder in einen Abwertungswettlauf, zu dessen Ende es nur Verlierer gab.

    Der Instrumentenkasten der EZB

    Das neueste Beispiel bietet Japan, dessen Währung abgewirtschaftet hat. Daraus ist zwar noch kein Abwertungswettlauf entstanden, aber wenn jetzt Europa nachzieht, ist damit zu rechnen. Dann werden die Amerikaner nachziehen; und spätestens wenn der Euro auf die Parität zum Dollar zurauscht, werden sie zurückschlagen.

    Bargeld in Gefahr

    Das alles kann nicht ohne Folgen für Anleger bleiben. So führt die Geldpolitik der EZB bereits jetzt dazu, dass Banken ihren Kunden zum Teil negative Zinsen aufbrummen. Daraus droht ein Trend zu werden. Was kann man dagegen tun? Wenn sogar Nikolaus von Bomhard, Chef des weltweit größten Rückversicherers Münchener Rück, zuletzt in einem FAZ-Interview von Repressalien und Teilenteignung sprach, muss man sich zweifellos etwas einfallen lassen.

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      Europa



      Geld in kleineren Beträgen unter die Matratze zu legen, ist sicher nicht falsch, jedoch eher für den Fall zu empfehlen, dass Geldautomaten mal ausfallen können, als auf diese Weise mit größeren Beträgen die Flucht vor negativen Zinsen anzutreten.

      Übrigens gelten Bargeldgrenzen schon in Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und Zypern (um nur einige Euroländer zu nennen, die Robert Rethfeld von wellenreiter-invest.de in einer aktuellen Studie mit dem Titel „Bargeldverbot rückt näher“ erwähnt).

      Über kurz oder lang werden auch Restriktionen für den Goldbesitz eingeführt, und zwar explizit und umso schneller, je mehr sich der Goldpreis erholt. Ein steigender Goldpreis gilt bekanntlich unter anderem als Indikator dafür, dass mit dem sogenannten Papiergeld etwas nicht stimmt. Sollte Draghi seinem Inflationsziel von zwei Prozent minus etwas irgendwann mal näher kommen, dürften Anleger, die Gold nicht anonym gekauft haben, von Restriktionen betroffen sein.

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