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Geistesblitze der Ökonomie (IX) Ricardos Argument gegen Staatsschulden

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Der Bremseffekt überwiegt

Konjunktur



Barros Rechnungen zeigen, dass schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme unter bestimmten Umständen kaum oder keine Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage haben. Neuere empirische Untersuchungen kommen sogar zu dem Ergebnis, dass kreditfinanzierte Ausgabenprogramme die Konjunktur belasten können, weil der Bremseffekt auf den privaten Konsum den Nachfrageimpuls der Staatsausgaben überwiegt (nicht-keynesianische Effekte der Fiskalpolitik).

In der Finanzkrise erhielt der Streit neuen Zündstoff. Barro kritisierte das umgerechnet über 600 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket der USA aus dem Jahr 2009 als "Voodoo-Wirtschaft". Die Wirtschaftsberater des US-Präsidenten Obama berechneten, dass jeder Dollar, den der Staat zusätzlich ausgibt, das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,5 Dollar steigen lässt. Barro hingegen schätzte, dass der sogenannte keynesianische Multiplikator der Ausgaben bei nur 0,6 bis 0,7 Dollar liegt. Das von Präsident Obama vorgelegte Konjunkturprogramm sei das "wahrscheinlich schlechteste Gesetz seit den Dreißigerjahren", schimpfte er. Fiskalische Disziplin müsse auch in Amerika "endlich ernst genommen werden".

Eine Forderung, die David Ricardo schon rund 200 Jahre zuvor an die Politik stellte. Dessen Vorschlag der radikalen und sofortigen Schuldentilgung durch die Bürger dürfte allerdings auch heute auf keine große Gegenliebe stoßen. Wollte Deutschland mit einem Schlag seinen über zwei Billionen Euro hohen Schuldenberg tilgen, müsste jeder Bürger fast 26 000 Euro beisteuern.

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