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Geistesblitze der Ökonomie (XIII) Der Meister der effizienten Verteilung

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Alle Grabenkämpfe überstanden

Wo Deutschlands beste Volkswirte forschen
1. Uni MannheimDie neuen Sieger sind die alten. Im Mannheimer Schloss setzt man konsequent auf weltweit wettbewerbsfähige Spitzenforschung. Zudem ist die Fakultät sehr breit aufgestellt: Gleich fünf Forscher haben im Handelsblatt-Ranking zuletzt mehr als fünf Punkte sammeln können. Zu den prominentesten Neuzugängen gehört Antonio Ciccone, der etwa erforscht, ob Bürgerkriege eher ausbrechen, wenn die Wirtschaftslage schlecht ist. Auch Clemens Fuest, der seit März das Forschungsinsitut ZEW leitet, hat eine Professur an der Uni übernommen. Und die Familienökonomin Michèle Tertilt wurde jüngst vom Verein für Socialpolitik mit dem renommierten Gossen-Preis ausgezeichnet. Quelle: dpa
2. Uni BonnNur knapp müssen sich die Bonner Ökonomen den Mannheimern geschlagen geben. War der Standort am Rhein – dem auch Deutschlands einziger Ökonomienobelpreisträger Reinhard Selten angehört – früher als Hort der theoretischen Modellforschung bekannt, so setzt man inzwischen auf Empirie. Forschungsstärkster Volkswirt ist der Experimentalökonom Armin Falk, der in seinen Projekten die Grenzen zwischen Ökonomie und Psychologie oder Medizin überschreitet. So beobachtet Falk etwa, wie Herzfrequenz oder Hirnströme auf ökonomische Belohnung reagieren. Quelle: dpa
3. LMU MünchenDie Münchener Ökonomen leisten sich einen großen Luxus: eine eigene volkswirtschaftliche Fakultät, die sie sich nicht mit Juristen oder Betriebswirten teilen. Wie 2011 belegen die Münchener um Dekan Martin Kocher auch dieses Mal den dritten Platz. Trotz der Größe der Fakultät – zu der auch die acht Professoren des Ifo-Instituts beitragen – versuchen die LMUler sich auf bestimmte Bereiche zu spezialisieren: so etwa auf die internationale Ökonomie, die Experimentalforschung und die Gesundheitsökonomie. Quelle: dpa
4. Uni ZürichIm Jahr 2010 standen die Forscher der Züricher Uni noch ganz vorn im Handelsblatt-Ranking. Seither sind sie auf Platz vier zurückgefallen – allerdings haben sie inzwischen auch weniger Professoren. Stark ist Zürich vor allem in der Mikroökonomie: Der Experimentalökonom Ernst Fehr etwa, der immer wieder für den Wirtschaftsnobelpreis gehandelt wird, zeigt, wie das menschliche Handeln im ständigen Zwiespalt zwischen dem Streben nach Eigennutz und dem nach Fairness steht. Mit Hilfe einer Großspende der USB entstehen in Zürich bald wieder neue Professuren. Quelle: dpa Picture-Alliance
5. ETH ZürichEs ist verwunderlich, dass eine Hochschule, die eigentlich Ingenieure und keine Ökonomen ausbildet, forschungsstarke Volkswirte anlockt. Doch der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich ist das gelungen: An keiner anderen Fakultät veröffentlicht ein Professor im Schnitt so viele Artikel wie hier. Und so haben die Züricher gleich zwei Vertreter unter den Top 5 des Einzelrankings. Zum einen Peter Egger, der zum Beispiel untersucht, wie multinationale Firmen sinnvoll besteuert werden können. Zum anderen der Theoretiker Hans Gersbach, der die Mechanismen der Demokratie modelliert und Ideen zur Bankenregulierung entwickelt. Quelle: dpa
6. Uni KölnDie traditionsreiche Kölner Volkswirtschaftslehre hat sich zuletzt komplett verjüngt. War die Fakultät früher bekannt für einen ordnungspolitischen, praxisbezogenen Ansatz, so geben heute die Grundlagenforscher den Ton an. International bekannt sind vor allem die Kölner Mikroökonomen. Doch auch in der Makroökonomie konnte die Fakultät zuletzt renommierte Forscher gewinnen. Am meisten publiziert derzeit der Vertragstheoretiker Patrick Schmitz, der unter anderem untersucht, wie Arbeitsanreize ausgestaltet sein müssen, damit Angestellte und Arbeitgeber wirklich an einem Strang ziehen. Quelle: dpa
7. Uni FrankfurtZurückgefallen im Ranking sind in diesem Jahr die Frankfurter Ökonomen: Nach Rang 4 im Jahr 2010 landeten sie nur noch auf Platz 7. Doch mit Roman Inderst - der unter anderem über Wettbewerbstheorie und Bankenregulierung forscht - hat die Fakultät den mit Abstand forschungsstärksten Ökonomen im deutschsprachigen Raum an Bord. Auch holten die Frankfurter im vergangenen Jahr mit Mirko Wiederholt einen jungen Makroökonomen aus den USA zurück, der die neokeynesianischen Modelle ganzer Volkswirtschaften weiterentwickelt. Quelle: dpa

Mit denen beschäftigte sich Pareto als Soziologe und Politikwissenschaftler, und hier war er mindestens so einflussreich wie bei den Ökonomen. Politik stellt sich ihm als permanenter Machtkampf verschiedener Eliten dar, ein anfechtbares Konzept: Für demokratische Ideen bleibt bei Pareto wenig Platz.

In der Wirtschaftswissenschaft jedenfalls hat das Pareto-Kriterium alle ideologischen Grabenkämpfe innerhalb der Disziplin unbeschadet überstanden. Noch heute, mehr als 100 Jahre nach der ersten Formulierung des Prinzips, lernt niemand die Grundlagen der Mikroökonomie, ohne gleich zu Beginn auf Pareto zu stoßen. Im Standardwerk „Grundzüge der Mikroökonomik“ von Hal Varian wird das Konzept der Pareto-Effizienz gleich im ersten Kapitel eingeführt. Der Name Pareto ist einer der ersten, den junge Studenten der Volkswirtschaftslehre hören.

Dabei war er im Vergleich zu anderen ökonomischen Genies ein Spätzünder. Pareto ging schon auf die 40 zu, als er sich erstmals wissenschaftlich mit Themen der Volkswirtschaft beschäftigte. Geboren wurde er im Revolutionsjahr 1848 in Paris als Sohn eines italienischen Flüchtlings und einer Französin. In der Heimat seines Vaters studierte er zunächst Mathematik und Physik und promovierte dann in Turin in Ingenieurwissenschaften. Später arbeitete er bei der staatlichen italienischen Eisenbahngesellschaft, anschließend bei Unternehmen der Eisenindustrie. 1886 wurde er schließlich an der Universität Florenz Dozent für Wirtschaftswissenschaften. Sein akademischer Durchbruch kam 1893, als er an der Universität Lausanne den Lehrstuhl des hoch angesehenen Ökonomen Léon Walras übernahm.

Das Interesse des Ingenieurs an Gleichgewichtszuständen verhalf Pareto zu neuen ökonomischen Einsichten. Als er 1906 sein Effizienz-Kriterium definierte, schuf er auch die Grundlage für die Analyse von Marktgleichgewichten. „Mit der Pareto-Effizienz verfügen wir über ein Kriterium, das es uns erlaubt, effiziente von ineffizienten Gleichgewichten zu unterscheiden. Praktisch die gesamte moderne, auf der neoklassischen Mikroökonomie aufbauende Wohlfahrtstheorie basiert darauf und damit auch die Theorie der Wirtschaftspolitik“, sagt Volkswirt Wagener.

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    Wohlfahrtsökonomik geht in ihren Grundlagen auf Adam Smith und auf die allgemeine Gleichgewichtstheorie von Paretos Vorgänger Walras zurück. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Kenneth Arrow und Gérard Debreu formalisiert. Die Pareto-Effizienz bleibt aber entscheidendes Kriterium.

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