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Geistesblitze der Ökonomie (XIII) Der Meister der effizienten Verteilung

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Kein Werturteil

Paretos erster Hauptsatz besagt, dass ein Marktgleichgewicht unter bestimmten Voraussetzungen eine Pareto-optimale Allokation der Güter hervorbringt. Dem zweiten Hauptsatz zufolge kann jede Pareto-optimale Allokation in einem perfekten Markt erreicht werden, indem die Anfangsausstattung mit den jeweiligen Gütern entsprechend verändert wird. Während der erste Hauptsatz auf die Marktkräfte und die unsichtbare Hand vertraut, ergibt sich aus dem zweiten, dass manchmal der Staat in die Verteilung eingreifen sollte.

Zu einem Werturteil, welche Wirtschaftsordnung die bessere wäre, ließ sich Pareto nie hinreißen. Er galt als Anhänger des freien Marktes, schrieb aber auch: „Die reine Ökonomie gibt uns kein wirklich entscheidendes Kriterium für die Wahl zwischen einer Gesellschaftsorganisation, basierend auf dem Privateigentum, und einer sozialistischen Organisation an die Hand.“ Als einer der ersten Ökonomen setzte er auf mathematische Genauigkeit anstelle moralphilosophischer Rhetorik. Pareto war es auch, der den Begriff des Homo oeconomicus in die Volkswirtschaftslehre einführte.

Auch für die methodische Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft hat Pareto wichtige Beiträge geleistet. In seinem „Manuale d’economia politica“ führte er grundlegende Konzepte ein, die bis heute Bestand haben. Zum Beispiel für die Bewertung einer zentralen Maßeinheit der Wohlfahrtsökonomik: des Nutzens. Für die meisten Ökonomen damals war Nutzen schlicht mit Zahlen („kardinal“) messbar. Individuen konnte demnach eine Anzahl von Nutzeneinheiten zugewiesen werden, die dann verglichen und zu einem gesellschaftlichen Aggregat addiert werden konnten.

Konjunktur



Pareto wandte dagegen ein, so ein exakter Nutzengewinn sei empirisch nicht zu belegen. In der Realität könne man hingegen beobachten, wie sich Menschen entscheiden. Zieht jemand einen Warenkorb mit fünf Bananen und einem Apfel einem mit fünf Äpfeln und einer Banane vor, kann man daraus ableiten, dass der erste Warenkorb dem Betroffenen mehr Nutzen stiftet als der zweite. Der genaue Unterschied zwischen den Nutzenniveaus ist aber nach Paretos Ansicht nicht messbar. Er bestand deshalb auf einem nicht „kardinalen“, sondern „ordinalen“ Nutzenbegriff: Der lässt nur Abstufungen wie „besser“, „schlechter“ oder „gleich gut“ zu.

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    Seinen eigenen Optimalzustand fand Pareto schließlich im Schweizer Kanton Genf. Dort baute er sich mit geerbtem Geld ein Haus und kehrte der Lehre an der Universität den Rücken. Er erlebte noch, dass sich in seiner Heimat Benito Mussolini 1922 zum Diktator aufschwang. Der ernannte den von ihm bewunderten Pareto zum „Senator des Königreichs“. Wenige Monate darauf starb der italienische Gelehrte in Céligny bei Genf.

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