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Geldpolitik EZB-Währungshüter schmieden wohl Pläne für Zeit nach Ende des Krisenmodus

Im Gespräch ist nun den Insidern zufolge, das monatliche APP-Volumen ab dem Frühjahr womöglich zu verdoppeln. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Schon Anfang des kommenden Jahres könnte mit dem Krisenprogramm der EZB Schluss sein. Das Inflationsrisiko sei zu groß heißt es unter Insidern.

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Angesichts erhöhter Inflationsrisiken denken EZB-Währungshüter über ein Abschalten ihres Corona-Krisenprogramms im Frühjahr nach. Wie Reuters von mehreren mit der Diskussion in der Führungsetage vertrauten Personen erfuhr, halten viele Notenbanker die Projektionen der EZB zur Inflation für zu niedrig gegriffen. Darin wird für 2021 eine Teuerungsrate von 2,2 Prozent unterstellt, die 2022 auf 1,7 Prozent fallen soll.

Doch jüngste Daten bestärken die Skeptiker darin, dass die Teuerung nächstes Jahr nahe oder über der Zwei-Prozent-Marke liegen könnte. Dies liefere weitere Argumente für ein Aus des in der Corona-Krise eigens geschaffenen Anleihen-Ankaufprogramms PEPP Ende März.

EZB-Chefin Christine Lagarde hat bereits signalisiert, dass auf der Dezember-Sitzung über die Zukunft dieser Käufe entschieden wird. Ende des Jahres liegen dann auch neue Prognosen der Europäischen Zentralbank zur Inflation vor. Um keine Verwerfungen an den Finanzmärkten zu riskieren, soll der Übergang aus dem Krisen- in den Normalmodus im kommenden Frühjahr möglichst reibungslos gestaltet werden.

Einige der kontaktierten EZB-Führungsmitglieder zeigten sich offen für eine zeitweilige Aufstockung des kleineren und älteren Anleihenkaufprogramms APP. Dessen monatliche Kaufvolumina von 20 Milliarden Euro fallen derzeit deutlich geringer aus als die des PEPP, das mit einem Gesamtvolumen von 1,85 Billionen Euro weit größer angelegt ist.

Umstieg auf kleineres Programm?

Im Gespräch ist nun den Insidern zufolge, das monatliche APP-Volumen ab dem Frühjahr womöglich zu verdoppeln. Dabei solle aber auf jeden Fall ein Enddatum festgelegt werden. Doch gibt es auch Stimmen, die ein monatliches Kaufvolumen von 40 Milliarden Euro für zu hoch halten. EZB-Ratsmitglied Madis Müller hatte jüngst zugleich Spekulationen gedämpft, die Zentralbank könnte das APP aufstocken. Dies sei nicht notwendigerweise der beste Weg, um die Finanzmärkte weiter reibungslos funktionieren zu lassen, betonte er.

Ein Übergang von den PEPP-Käufen hin zu den APP-Käufen birgt manche Schwierigkeiten. Denn die EZB kann dann nicht mehr so leicht verstärkt Anleihen von Staaten erwerben, die die geldpolitische Hilfe am meisten benötigen. Sie muss bei APP festgelegten Länderquoten zumindest grob folgen - dem sogenannten Kapitalschlüssel. Das als Kriseninstrument in der Pandemie geschaffene PEPP-Programm bietet dafür mehr Spielraum. Allerdings besteht auch bei den APP-Transaktionen einige Bewegungsfreiheit.

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Bei den Überlegungen für das weitere Vorgehen nach dem Ende des akuten Corona-Krisenmodus denken manche Währungshüter laut den Insidern konkret darüber nach, ob sie auch beim APP künftig stärker vom Kapitalschlüssel abweichen sollten. Dies könnte als ein potentieller Sieg für höher verschuldete Länder wie etwa Italien gewertet werden, die in der Vergangenheit an den Finanzmärkten unter Druck geraten seien, hieß es in Gesprächen mit EZB-Führungsmitgliedern.

Mehr zum Thema: Die EZB will ihre Anleihenkäufe etwas zurückfahren. Ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone ist damit jedoch nicht verbunden. Die aus dem Ruder laufenden Staatsschulden in den Südländern der Währungsunion zwingen die EZB dazu, die Zinsen weiter niedrig zu halten.

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