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„Gesunde Euroländer in der Haftungsfalle“ Target-Schulden: Ökonom Sinn fordert Tilgung durch Goldbestände Südeuropas

Exklusiv
Quelle: obs

Hans-Werner Sinn fordert eine Reform des Target-2-Verrechnungssystems der Notenbanken in der Eurozone. Wie diese für ihn aussehen müsste und in welcher Höhe Targetsalden akzeptabel wären.

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Der langjährige Präsident des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, hat eine Reform des Target-2-Verrechnungssystems der Notenbanken in der Eurozone gefordert. Die Forderungen der Deutschen Bundesbank waren im Mai um rund 52 Milliarden Euro auf 1077 Milliarden Euro gestiegen. Die größten Schuldner waren zuletzt Italien und Spanien.

Wenn ein Land aus der Währungsunion austrete, ließen sich „seine Target-Schulden nicht mehr eintreiben“, warnt Sinn im Interview mit der WirtschaftsWoche. Dadurch sei die Politik auf Dauer in ihrer Handlungsfähigkeit beschränkt: „Bei der Entscheidung über fiskalische Rettungsschirme sind die noch gesunden Euroländer nicht mehr frei, denn sie sitzen wegen Target in der Haftungsfalle.“

Sinn hält temporäre Targetsalden von bis zu 100 Milliarden Euro für akzeptabel. Was darüber hinausgeht, „sollten die Defizit-Notenbanken durch die Hergabe von marktfähigen und nicht durch Kaufaktionen des Eurosystems gestützten Vermögenswerten tilgen“. Sinnvoll sei etwa eine Tilgung durch Gold. „Zum einen verfügen einige der Defizit-Notenbanken über nicht unerhebliche Goldbestände, zum anderen können sie sich das benötigte Gold jederzeit durch den Verkauf ihrer Aktiva auf dem Weltmarkt beschaffen“.

Da eine solche Regel derzeit politisch kaum durchsetzbar erscheint, schlägt Sinn einen Zwischenschritt vor. „Ich würde den bedrängten Notenbanken einen Teil ihrer Target-Schulden erlassen und dann mit einem grundlegend reformierten Eurosystem neu starten, bei dessen Konstruktion man aus den Fehlern des alten Systems lernt. Eigentlich hätte man die Reform schon als Gegenleistung für die Wiederaufbaufonds einfordern können.“

Das vollständige Interview mit Hans-Werner Sinn lesen WirtschaftsWoche-Abonnenten hier.

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