GfK-Konsumklima Flüchtlingskrise drückt Kauflaune

Das Konsumklima verschlechtert sich zum dritten Mal nacheinander. Das berichtet die Gesellschaft für Konsumforschung. Als Hauptgrund nennt die sie die Flüchtlingskrise.

Tüten Quelle: dpa

Die Flüchtlingskrise drückt nach einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK zunehmend auf die Verbraucherstimmung in Deutschland. Die Bürger fürchteten eine steigende Arbeitslosigkeit und die Kauflaune sinke, berichtete die GfK. Dementsprechend trübte sich das Konsumklima weiter ein. Der Gesamtindikator sank zum dritten Mal in Folge auf nur noch 9,4 Zähler für November. Für den Vormonat hatten die Experten noch 9,6 Zähler verzeichnet. Der neue Wert ist der niedrigste seit neun Monaten.

Auf Nachfrage sagten 44 Prozent der befragten Bürger, dass sie (stark) steigende Arbeitslosenzahlen erwarteten. 70 Prozent davon schoben das auf die Flüchtlingskrise. „Da zeigt sich jetzt par excellence, dass die Konjunkturerwartung sehr stark vom Meinungsbild in den Medien abhängig ist“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur. Die Flüchtlinge spielten dort und somit auch in den Köpfen der Verbraucher die beherrschende Rolle, urteilte er.

So macht Geld doch glücklich
Tipp 1: Geben Sie Ihr Geld für Erlebnisse ausRichtig investieren – bei diesem Stichwort denken viele automatisch an Immobilien. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, wie ein neues Haus dauerhaft glücklich machen soll? Eben. Dutzende von Studien zeigen: Erlebnisse machen glücklicher. Zum einen gewöhnen wir uns schnell an Besitztümer. Zum anderen bleibt ein Erlebnis wie ein Traumurlaub länger im Gedächtnis. Und drittens verbringen Sie solche Reisen in den meisten Fällen in Gesellschaft – und andere Menschen sind eine der größten Glücksquellen. So machen Sie es richtig: Investieren Sie nicht in materielle Dinge, sondern in Ihr Leben, raten Elizabeth Dunn und Michael Norton in ihrem Buch " Happy Money: So verwandeln Sie Geld in Glück". Und da das Leben nun einmal ein Sammelsurium kleiner, schöner Erfahrungen und Erlebnisse ist, von besonderen und weniger besonderen Tagen und Erinnerungen, geben Sie Ihr Geld auch für solche aus. Hauptsache, Sie erleben etwas. Quelle: REUTERS
Tipp 2: Gönnen Sie sich etwas BesonderesFakt ist: Die alltäglichen Dinge wissen wir meist weniger zu schätzen. Wann haben Sie das letzte Mal einen Kaffee wirklich genossen, anstatt ihn hektisch runterzukippen? Wann haben Sie das Mittagessen in Ruhe verzehrt, anstatt es zu verschlingen? "Wenn wir uns auf das beschränken, was uns am besten gefällt, kann das eine regelrechte Verjüngungskur für uns sein", sagen Dunn und Norton, "die uns dazu bringt, uns auch an kleinen Dingen wieder mehr zu erfreuen." So machen Sie es richtig: Suchen Sie das Besondere in den Dingen, auch in den ganz kleinen. Erlebnisse bedeuten meist mehr als Produkte. Wenn Sie das verstanden haben, können Sie auch kleine Anschaffungen wieder genießen. Quelle: AP
Tipp 3: Kaufen Sie Zeit Laut dem Statistischen Bundesamt der USA verbringen die Amerikaner mehr als zwei Wochen im Jahr mit Pendeln – mehr als ihre durchschnittliche Urlaubszeit. Ein amerikanischer Durchschnittshaushalt gibt fast 20 Prozent seines Einkommens fürs Autofahren aus. In Haushalten mit niedrigem Einkommen können es sogar bis zu 40 Prozent sein. Wenn man nun einen besonders langen Arbeitsweg hat, ist die Verlockung groß, noch mehr Geld für ein größeres, bequemeres Auto auszugeben. Aber ist das sinnvoll? So machen sie es richtig: "Kaufen Sie sich Zeit", raten Nortun und Dunn in " Happy Money". Heißt: Fahren Sie lieber mit dem Zug zur Arbeit anstatt sich lange Strecken im schicken Auto zu einem weiter entfernten Arbeitsplatz zu quälen. Ihrer Kosten-Nutzen-Bilanz kommt das zugute. Sie haben zwar weniger Einnahmen und kein schickes Auto - dafür aber Zeit, die Sie mit Familie und Freunden verbringen können. Quelle: dpa
Tipp 4: Hinterfragen Sie Ihre KaufentscheidungenEin weiterer Teil des Problems ist der Unterschied zwischen Zeit und Geld. Wer diese Woche knapp bei Kasse ist, wird vermutlich annehmen, dass er es auch nächste Woche oder nächsten Monat noch ist. Zu wenig Zeit zu haben, sehen wir eher als vorübergehenden Zustand an. Die Folge: Wir lassen uns leicht von Produkten verleiten, die keinerlei Auswirkung darauf haben, wie wir unsere Zeit verbringen. So machen Sie es richtig: Ein Haus am Stadtrand mag idyllisch sein, aber Ihrer Zeitbilanz wird es vermutlich schaden - denn Sie werden Stunden im Feierabendverkehr verbringen. Fragen Sie sich also vor allem bei größeren Anschaffungen: Wie beeinflussen sie meine Zeit? Quelle: dpa
Tipp 5: Bezahlen Sie, bevor Sie konsumierenViele neigen dazu, Waren sofort zu konsumieren, aber später erst zu bezahlen. Dieses Verhalten macht aber nur kurzfristig glücklich. Zum einen besteht die Gefahr der Verschuldung, zum anderen ist die Freude über einen Kauf umso größer, je länger man darauf warten muss. Nicht umsonst sagt ein bekanntes Sprichwort: "Vorfreude ist die schönste Freude." So machen Sie es richtig: Drehen Sie das Prinzip um: Sofort bezahlen, aber erst später konsumieren. Ein Beispiel: All-Inclusive-Urlaub. Einmal am Urlaubsort angekommen, schlürfen Sie Cocktails umsonst und können sich den Bauch vollschlagen, ohne zu bezahlen. Natürlich ist nichts wirklich gratis, aber weil Sie Ihren All-inclusive-Urlaub schon Monate zuvor bezahlt hatten, schmecken Drinks und Essen so gut, als gäbe es sie umsonst Quelle: dpa
Tipp 6: Erzeugen Sie Vorfreude Hinauszögern kann die Freude am Konsum verstärken, weil es das auslöst, was Dunn und Norton den „Speichelflusseffekt“ nennen. College-Studenten sollten sich in einem Experiment zwischen zwei Pralinen entscheiden. Sie durften die Praline, die sie gewählt hatten, entweder sofort essen - oder erst eine halbe Stunde später. Und siehe da: Wer auf seine Praline gewartet hatte, genoss sie anschließend umso mehr. Der Grund: Die Verzögerung gab ihnen Zeit, sich den Geschmack der Praline vorzustellen – ihnen lief das Wasser buchstäblich im Mund zusammen. So machen Sie es richtig: Kaufen Sie sich Produkte nicht sofort, sondern warten Sie noch ein wenig. Denn der Verzögerungsgenuss schenkt Vorfreude - und macht umso glücklicher, wenn sie das Produkt letztlich besitzen. Quelle: dpa
Tipp 7: Helfen Sie anderen MenschenSchon Warren Buffett wusste es: „Geben ist seliger denn nehmen“. Denn Menschen sind soziale Wesen - deswegen macht es uns glücklich, anderen zu helfen. Auch finanziell. So machen Sie es richtig: Wenn Buffet durch Spenden glücklicher werden konnte, können Sie das auch. Überlegen Sie doch mal, wie es wäre, Ihr Geld für andere Menschen auszugeben. Das kann Sie sogar noch glücklicher machen, als sich selbst zu verwöhnen. Quelle: dpa

Lediglich 15 Prozent begründeten ihre pessimistischeren Beschäftigungsaussichten mit dem anstehenden Winter, der sich auf viele Außenberufe negativ auswirkt. Vom VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen geht nach Einschätzung der Verbraucher dagegen kaum ein Risiko für den Arbeitsmarkt aus. „Ich vermute, dass die anderen Gründe, die wir abgefragt haben, die VW-Krise überlagern“, sagte Bürkl.

Die Verbraucherstimmung erlitt damit ebenso einen Dämpfer wie die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der am Montag veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex hatte im Oktober leicht nachgegeben. „Was die Entwicklung betrifft, scheint sich hier eine Trendwende abzuzeichnen“, sagte Bürkl. Allerdings sei das Niveau nach wie vor zufriedenstellend.

Offen ist die Frage, ob sich die Verunsicherung unter den Verbrauchern in Zukunft weiter verstärkt. Es sei aber durchaus möglich, dass sich der Trend fortsetze und sich das Konsumklima weiter eintrübe: Die Uneinigkeit der europäischen Staaten in der Flüchtlingsfrage und die spärliche Solidarität untereinander wirkten sich besonders negativ auf die Stimmung aus.

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„Die Verbraucher gewinnen den Eindruck, dass es an Deutschland allein hänge, mit dem Flüchtlingszustrom fertig zu werden“ sagte Bürkl. Auch Meldungen über Flauten in wichtigen Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien machen sich bemerkbar. Auf das anstehende Weihnachtsgeschäft werde sich die getrübte Stimmung aber „nicht übermäßig negativ auswirken“, prognostizierte Bürkl.

Die Werte für Konjunkturerwartung und Kauflust müssen laut GfK Einbußen hinnehmen. Die Einkommenserwartung bleibt dagegen stabil. „Hier können die Verbraucher eher auf eigene Erfahrungen zurückblicken und da sind die Rahmenbedingungen für sie weiter sehr günstig: Die Inflation ist mehr oder weniger verschwunden, dadurch haben die Verbraucher spürbar mehr in den Taschen“, sagte Bürkl.

Dagegen rutscht die Konjunkturerwartung zum ersten Mal seit Mai 2013 ins Minus. Der Indikator verlor 9,3 Punkte und sank auf -2,9 Zähler. Die Nulllinie markiert den langjährigen Durchschnittswert.

Verstärke sich die Furcht vor einem Jobverlust, lasse das die Planungssicherheit bei Verbrauchern schwinden. Dadurch werde auch weniger gekauft, erklärte der Experte. Derzeit sei die Konsumfreude aber „noch zu einem beträchtlichen Teil vorhanden“.

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