Harakiri im EZB-Tower Die Euro-Dollar-Parität zeigt die fatale Politik der EZB

Quelle: AP

Ein Euro ist nur noch so viel wert wie ein Dollar. Das illustriert einmal mehr die fatale Politik der Europäischen Zentralbank. Sie muss im Juli eine klare Wende vollziehen. Ein Kommentar.

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Am 12. Juli 2022 ist es geschehen: Erstmals seit gut 20 Jahren war ein Euro nur noch so viel wert wie ein Dollar. Die Parität hat mehrere Gründe, der entscheidende Faktor aber ist die Geldpolitik. Während die US-Notenbank Fed die Zinswende längst vollzogen hat, schleicht die EZB trotz Rekordinflation im Schneckentempo durch die geldpolitische Arena und hält offenbar die Implementierung einer „grünen Geldpolitik“ für wichtiger als ihre Kernaufgabe, stabile Preise zu sichern. Da Kapital den Zinsen folgt, schichten nun viele Anleger von Euro auf Dollar um – und treiben den Kurs des Greenback.

Das darf die Strategen im EZB-Tower nicht kalt lassen. Der Wechselkurs ist beim Kampf gegen die Inflation kein Nebenkriegsschauplatz. Je schwächer der Euro, umso stärker verteuern sich unsere Importe und geben der Teuerungsrate einen zusätzlichen Schub. Vor diesem Hintergrund wäre es fahrlässig, auf der EZB-Sitzung am 21. Juli die Leitzinsen nur wie geplant um mickrige 25 Basispunkte zu erhöhen. Die Kollegen der Fed, der EZB an Tatkraft überlegen, wollen eine Woche später 75 Punkte draufsatteln, nachdem die US-Inflationsrate im Juni auf 9,1 Prozent geklettert ist. Dann würde die Zinsschere noch weiter auseinander gehen. Und der Euro wohl noch schwächer.

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