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ifo-Prognose Deutsche Wirtschaft trotzt den Krisen

Das ifo-Institut geht von einem kräftigen Aufschwung für Deutschland aus. Das überrascht angesichts der Krise in Griechenland, der drohenden Zinswende und dem steigenden Ölpreis.

Container Hamburger Hafen Quelle: dpa

Das Ifo-Institut rechnet in diesem Jahr mit einem stärkeren Wachstum der deutschen Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte statt der bislang erwarteten 1,5 Prozent nun um 1,9 Prozent zulegen, teilten die Münchner Ökonomen am Mittwoch mit. 2016 sollen es dann 1,8 Prozent sein. „Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit in einem kräftigen Aufschwung“, sagte Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser. „Der private Konsum bleibt die Stütze des Aufschwungs, da die Einkommensperspektiven der privaten Haushalte aufgrund der weiter verbesserten Arbeitsmarktlage gut sind.“

Die Zahl der Erwerbstätigen soll kontinuierlich steigen und im kommenden Jahr mit durchschnittlich 43,1 Millionen ein Rekordniveau erreichen. Das wären etwa 500.000 mehr als im vergangenen Jahr. Die Arbeitslosenquote soll in diesem Zeitraum von 6,7 auf 6,0 Prozent sinken. Das dürfte für eine anhalte gute Kauflaune sorgen. „Auch die Unternehmensinvestitionen werden in einem extrem günstigen Finanzierungsumfeld weiter expandieren“, sagte Wollmershäuser.

Konjunkturindikatoren

Die Abwertung des Euro rege die Exporte noch bis in die zweite Jahreshälfte dieses Jahres an. Im Verlauf des kommenden Jahres kühle sich die Weltkonjunktur dann leicht ab und dämpfe den Zuwachs der Exporte, so das ifo-Institut.

Die Prognose kommt überraschend, hat sich doch die Stimmung in den vergangenen Wochen gedreht: Der Dax ist aufgrund der Griechenland-Krise und einem drohenden Ende der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank FED nach unten gerauscht, auch der ifo-Index konnte sein Allzeithoch nicht halten.

Das spricht für eine anziehende Konjunktur

Laut ifo-Institut sind die Sorgen nicht unberechtigt, doch für einen Schrecken mag ein möglicher Griechenland-Exit nicht taugen. Entscheidender sei der Blick – so ifo – auf die  Entwicklung der Ölpreise. Er stelle „ein wichtiges Risiko für die Weltkonjunktur in den kommenden Quartalen dar“. Je nachdem, in welche Richtung sich der Ölpreis bewegt, könnten die Folgen positiv oder negativ sein. Eine Ausweitung des Überangebotes „würde mit einem neuerlichen Ölpreisverfall und damit weiteren positiven Impulsen für die Weltwirtschaft einhergehen“, schreiben die Konjunkturforscher. Eine unerwartete Eskalation der politischen Konflikte, in denen wichtige erdölproduzierende Länder involviert sind (im Nahen Osten, Libyen oder Russland), würde dagegen zu Ausfällen bei der Ölförderung und somit zu einer spürbaren Verteuerung des wichtigen Rohstoffes führen.

Das könnte die Konjunkturerholung bremsen

Bis dahin gilt: Die gute Konjunktur sorgt für anhaltende Überschüsse im deutschen Staatshaushalt. In diesem Jahr dürfte der Staat 18,7 Milliarden Euro mehr einnehmen als ausgeben, was 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht, so eine Prognose des Instituts für Weltwirtschaft (IfW)  „Die konjunkturelle Belebung führt zu einer deutlichen Zunahme der Einnahmen aus Steuern und Beiträgen“, erklärten die Kieler Ökonomen am Mittwoch. „Hinzu kommt ein Einmaleffekt durch die Auktion von Mobilfunklizenzen.“ Diese sorgt für Einnahmen in Milliardenhöhe. Bereits seit 2012 schreibt die öffentliche Hand schwarze Zahlen.

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„Für das kommende Jahr rechnen wir zwar erneut mit merklichen Überschüssen, doch dürften diese geringer ausfallen als in diesem Jahr“, betonte das IfW. Das Plus soll dann auf 11,5 Milliarden Euro oder 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schmelzen. So will die Bundesregierung die als „kalte Progression“ bekannten heimlichen Steuererhöhungen dämpfen, was etwa 1,5 Milliarden Euro kostet. Außerdem sollen die Beitragssätze zur Rentenversicherung sinken. „Zugleich zeichnet sich zur Jahresmitte 2016 eine spürbare Rentenanpassung ab und die Investitionstätigkeit des Staates wird - gestützt von verschiedenen Programmen - wohl kräftig ausgeweitet“, hieß es.

Beim Wirtschaftswachstum erwarten die Kieler 2015 ein Plus von 1,8 Prozent, das sich im nächsten Jahr auf 2,1 Prozent beschleunigen dürfte.

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