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ifo und DIW erwarten weniger Wachstum „Die Konjunktur-Abkühlung ist kein Weltuntergang“

Konjunktur-Prognose: Weniger Wachstum erwartet Quelle: imago

Reihenweise purzeln die Konjunkturprognosen. Nun ziehen auch das DIW und das ifo Institut nach – versuchen aber dennoch, Optimismus zu verbreiten.

Die Serie der sinkenden Erwartungen setzt sich fort. Nach dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel haben nun fast gleichzeitig auch das ifo Institut in München und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin die Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts des laufenden Jahres deutlich nach unten verändert: ifo von 1,1 auf 0,6 Prozent und DIW von 1,6 auf 1,0 Prozent. Das IfW erwartet statt 1,8 noch 1,0 Prozent.

Zuletzt hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognose für das deutsche Wachstum 2019 von 1,6 auf 0,7 Prozent reduziert. Die Bundesregierung senkte ihre Prognose ferner von 1,8 auf 1,0 Prozent, der Industrieverband BDI ist noch am optimistischsten und rechnet mit 1,2 Prozent Wachstum.

„Die gegenwärtigen Produktionsschwierigkeiten der deutschen Industrie dürften erst allmählich überwunden werden“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die Industrie wird 2019 als Konjunkturmotor weitgehend ausfallen. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten ist schwach, da die internationale Konjunktur weiter an Dynamik verliert. Aber die binnenwirtschaftlichen Antriebskräfte sind weiterhin intakt.“ Ähnlich argumentiert der Wochenbericht des DIW: „In erster Linie ist die Weltwirtschaft dafür verantwortlich, dass die Konjunktur hierzulande in diesem Jahr deutlich abkühlt. Die Weltwirtschaft wird unter anderem durch die konjunkturelle Schwäche Chinas belastet, aber auch durch die Handelskonflikte zwischen den USA, China und der Europäischen Union sowie durch die Unsicherheit um den Fortgang des Brexit. All das trifft in besonderem Maße die auf den Investitionsgüterexport spezialisierte deutsche Wirtschaft. Hinzu kommt, dass die Wachstumsdynamik vielerorts zunehmend vom Konsum statt von Investitionen getragen wird. Deswegen fällt die deutsche Exportdynamik sogar noch hinter das Tempo der schwächelnden Weltwirtschaft zurück.“

Sowohl ifo Institut, als auch DIW bemühen sich aber darum, die Senkung der Prognosen nicht als langfristigen Pessimismus verstanden zu wissen. „Die Konjunktur in Deutschland kühlt sich ab, aber das ist kein Weltuntergang“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. „Wir sollten nicht zu schwarz malen, denn vor allem auf dem Arbeitsmarkt sieht es nach wie vor hervorragend aus und auch der private Konsum ist stark.“ Auch die Münchner Konjunktur-Propheten vom ifo Institut erwarten, dass die Zahl der Erwerbstätigen weiter steigen werden, von 44,8 Millionen im vergangenen Jahr auf 45,2 Millionen in diesem und 45,5 Millionen im nächsten Jahr. Im Einklang mit der Abschwächung der Konjunktur verlangsame sich damit das Tempo des Beschäftigungsaufbaus. Auch der Rückgang der Arbeitslosigkeit verlangsame sich, von 2,34 Millionen über 2,21 auf 2,12 Millionen Personen im kommenden Jahr. Entsprechend werde die Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent über 4,9 auf 4,7 Prozent sinken.

Für das kommende Jahr 2020 hob Wollmershäuser sogar die Prognose von 1,6 auf 1,8 Prozent. „In diesem Jahr dürften kräftige Lohnsteigerungen, eine niedrige Inflationsrate, Steuer- und Abgaben-Entlastungen sowie eine Ausweitung der Transfers für ein dickes Plus bei den Realeinkommen der Haushalte sorgen. Dies befördert den privaten Konsum und die Baukonjunktur.“ Auch das Wachstum der Staatsausgaben nimmt insbesondere 2019 zu, von 1,0 Prozent im vergangenen Jahr über 2,6 Prozent in diesem auf 1,6 Prozent im kommenden. Auch das DIW bleibt für 2020 optimistisch bei einer Erwartung von 1,8 Prozent.

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