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IfW-Konjunkturprognose Forscher sehen Deutschland an der Grenze zur Rezession

Die Silhouette eines Arbeiters zeichnet sich auf einer Baustelle neben Stahlstreben ab. Quelle: dpa

Das deutsche BIP sank bereits im Frühjahr leicht – nun erwarten die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft einen weiteren Rückgang. Für 2020 zeigen sich die Experten allerdings optimistischer.

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Die deutsche Wirtschaft steht laut führenden Forschern an der Schwelle zur Rezession. „Im dritten Quartal wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl noch einmal zurückgehen“, sagten die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) am Mittwoch voraus. Sie erwarten ein Minus von 0,3 Prozent. Damit rutsche die Wirtschaft in eine kurze Rezession, denn im Frühjahr war das BIP bereits um 0,1 Prozent gesunken. Auch nach Ansicht des Essener Forschungsinstituts RWI mehren sich die Anzeichen, dass die Schwächephase anhält und die Konjunktur in einen Abschwung gerät. Damit stünde der deutschen Wirtschaft eines der schwächsten Jahre seit der Finanzkrise bevor, so das IfW Kiel.

„Damit erfüllt Deutschland zwar formal die Definition einer ‚technischen Rezession‘, eine gesamtwirtschaftliche Unterauslastung der Kapazitäten ist damit aber noch nicht verbunden. Erst in einem solchen Fall könnte auch von einer Rezession im Sinne einer Konjunkturphase gesprochen werden“, sagte Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW.

Insbesondere halte der Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe und hier insbesondere in der Automobilindustrie an, führte RWI-Experte Torsten Schmidt aus. Für 2020 erwartet er, dass sich die Wirtschaft etwas erholt und das BIP um 0,9 Prozent zulegt. Die Kieler Forscher sehen dies ähnlich. Für nächstes Jahr prognostizieren die Regierungsberater ein Plus von 1,0 Prozent nach einem erwarteten Zuwachs von 0,4 Prozent im laufenden Jahr.

„Derzeit spricht mehr dafür, dass sich die Konjunktur in Deutschland im kommenden Jahr fängt“, betonten die Ökonomen vom IfW. Allerdings dürfte die von den internationalen Zollkonflikten und dem bevorstehenden Brexit ausgehende Unsicherheit die Produktion hierzulande in besonderem Maße belasten, warnen die Experten. Zudem mache sich die schwächere Konjunktur zusehends am Arbeitsmarkt bemerkbar. „So wird die Zahl der Arbeitslosen wohl vorerst weiter zunehmen.“ Ferner werde die Erwerbstätigkeit im kommenden Jahr erstmals seit der Rezession 2009 sinken.

„Das eigentliche Problem von Donald Trumps Handelsstreitigkeiten sind nicht die Zölle selbst, sondern die große Unsicherheit darüber, was noch kommt. Denn Unsicherheit ist Gift für Investitionsentscheidungen“, kommentierte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. Dies sei jedoch kein Anlass, die deutsche Exportorientierung infrage zu stellen. „Viele aufstrebende Länder weltweit haben noch einen enormen Nachholbedarf. Das bietet sehr große Export-Chancen für deutsche Maschinenbauer und Autohersteller“, so Felbermayr.

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