IMD World Competitiveness Ranking Die USA sind Weltmeister der Wettbewerbsfähigkeit

Das Herz der US-Wirtschaft. Die New York Stock Exchange in der Wall Street Quelle: imago

Die USA sind laut einer Studie vor Hongkong zum wettbewerbsfähigsten Standort der Welt geworden. Deutschland fällt hingegen zurück. Was dahintersteckt.

Die USA sind an die Spitze der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit zurückgekehrt. Laut dem zum 30. Mal veröffentlichten World Competitiveness Ranking der privaten Wirtschaftshochschule IMD ist die größte Volkswirtschaft der Welt wieder deutlich wettbewerbsfähiger geworden.

Die USA kehrten vom vierten auf den ersten Platz zurück, gefolgt von Vorjahressieger Hongkong, Singapur, den Niederlanden und der Schweiz.  Die Zusammensetzung der Spitzengruppe der fünf wettbewerbsfähigsten Staaten der Welt ändert sich im Vergleich zum Vorjahr damit nicht.

Die Ökonomen des IMD unter Leitung von Arturo Bris gliedern ihre Untersuchung von insgesamt 63 Ländern nach vier Kategorien: „economic performance“ (BIP pro Kopf, Wachstum, Handelsbilanz, Direktinvestitionen, Arbeitslosigkeit, und anderes), „government efficiency“ (öffentliche Finanzen, Fiskalpolitik, Gesetzeslage, Institutionen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen), „business efficiency“ (Produktivität, Arbeitsmarkt, Finanzwesen u.a.) und „infrastructures“. Die insgesamt 258 Indikatoren messen sowohl „harte“ statistisch erhobene volkswirtschaftliche Daten als auch „weiche“ Ergebnisse aus einer eigenen Befragung von verantwortlichen Managern. Die harten Daten werden dabei doppelt so stark gewichtet.  Insgesamt wurden 63 Länder begutachtet.

Die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Der Wiederaufstieg der USA ist der Untersuchung zufolge angetrieben von den starken Wachstumsdaten und Infrastrukturen. Den Einfluss des seit Jahresanfang 2017 regierenden Präsidenten Donald Trump auf diesen Erfolg relativiert IMD-Chefökonom Christos Cabolis allerdings: „Nicht alle volkswirtschaftlichen Zahlen im ersten Jahr einer neuen Regierung sind Ergebnis der neuen Politik, die diese Regierung eingeführt hat.“

Es zeige sich, so Bris, ein entscheidender langfristiger Trend: „Länder verfolgen verschiedene Pfade auf dem Weg der Veränderung zur Wettbewerbsfähigkeit“. Die Länder an der Spitze des Rankings allerdings seien alle überdurchschnittlich bei allen Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit. Nur die Mischung variiere. Während die einen ihre Strategie an einem bestimmten Aspekt der Infrastruktur ausrichten, lege andere möglicherweise besonderen Wert auf die Effizienz der öffentlichen Verwaltung.

Hongkong ist beispielsweise Nummer Eins bei der Effizienz der Verwaltung und des Geschäftslebens. Die Niederlande dagegen verfolgen, laut IMD einen „ausgeglichenen“ Pfad der Wettbewerbsfähigkeit und sind in allen vier Kategorien unter den besten zu finden.

Unter den Top Ten des Gesamtrankings sind die nordischen Länder auffällig stark vertreten: Dänemark (6.) Norwegen (8.) und Schweden (9.). Diese Volkswirtschaften sind vor allem stark in der Produktivität der Privatwirtschaft und deren Management-Praxis.

Im Fall von China – auf Gesamtrang 13 – treiben öffentliche Investitionen in materielle und immaterielle Infrastrukturen ebenso wie Verbesserungen bei den gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen das gute Abschneiden an, sagt Bris. Im Vorjahr war China noch auf Rang 18, vor vier Jahren auf Rang 23.

So schneidet Deutschland ab

Deutschland findet man im IMD-Ranking erst auf Rang 15. Damit setzt das Land einen kontinuierlichen Abwärtstrend fort. 2014 stand die Bundesrepublik noch auf Rang sechs. Heruntergezogen wird Deutschland den IMD-Ökonomen zufolge vor allem durch eine wirtschaftsfeindliche Steuerpolitik (nur Rang 58 unter allen untersuchten Volkswirtschaften!). Eher schwach verglichen mit führenden Ländern schneidet Deutschland aber auch etwa bei den „Haltungen und Werten“ ab, die zum Kriterium der unternehmerischen Effizienz beitragen.

Das deutsche Bildungssystem steht auf Rang 32 von 63. Das dürfte für die Zukunft der deutschen Wettbewerbsfähigkeit keine guten Aussichten bedeuten. Denn noch sind vor allem die gute Ausbildung der Arbeitskräfte und das allgemein hohe Bildungsniveau besonders wichtige Argumente für Deutschland.

Die IMD-Ökonomen baten die befragten Entscheider, fünf Indikatoren aus einer Liste von 15 Indikatoren auszuwählen, die ihrer Ansicht nach die deutsche Wirtschaft attraktiv machten. 80,7 Prozent der Befragten nannten die gut ausgebildeten Arbeitskräfte, 65,1 Prozent die politische Stabilität, 63,3 Prozent das hohe Bildungsniveau. Am unteren Ende der Liste stehen dagegen ein wettbewerbsfähiges Steuersystem (nur 1,2 Prozent), die Kompetenz der Verwaltung (4,8) und die Qualität der Unternehmensführung (10,2). Auch „offene und positive Haltungen“ konnten nur 11,4 Prozent in Deutschland erkennen.

Nicht nur Deutschland, auch die meisten anderen westeuropäischen Länder sind in diesem wie in den vergangenen Jahren im Ranking eher abgefallen – allerdings auf einem weiter sehr hohen Niveau, wie IMD-Chefökonom Christos Cabolis betont.

Tendenziell aufgestiegen – allerdings auf niedrigerem Niveau – sind dagegen einige ostmitteleuropäische Länder, vor allem Polen (38 auf 34), Slowenien (von 43 auf 37) und Ungarn (52 auf 47). Ungarn hat seine Unternehmensbesteuerung reduziert und die durchschnittliche Produktivität gesteigert.

Einen kausalen Zusammenhang zwischen der als nationalistisch wahrgenommenen Rhetorik der Regierungen in Budapest und Warschau, vor allem aber der Trump-Regierung und der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit will Cabolis nicht herstellen. Im Gegenteil: „Es gibt einen sehr deutlichen kausalen Zusammenhang zwischen der Offenheit einer Volkswirtschaft und ihrer Wettbewerbsfähigkeit“.

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