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IMD World Competitiveness Ranking Wettbewerbsfähigkeit: Asien gewinnt, Deutschland verliert

Singapur bei Nacht Quelle: imago images

Asiatische Staaten wie Singapur werden als Wirtschaftsstandorte immer erfolgreicher, zeigt das aktuelle IMD-Ranking. Europäische Länder, auch Deutschland, fallen zurück. Das liegt nicht nur an staatlichen Defiziten.

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In der Spitzengruppe der wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsstandorte der Welt sucht man Deutschland vergeblich. Nach Rang 15 im Jahr 2018 fällt Deutschland im aktuellen Ländervergleich der privaten Wirtschaftshochschule IMD nun auf Rang 17 von 63 entwickelten Volkswirtschaften zurück. Ganz oben stehen die asiatischen Stadtstaaten Singapur und Hongkong, gefolgt von der Weltwirtschaftsmacht USA, die im Vorjahr noch auf Rang eins stand.

Die Ökonomen des IMD (International Institute for Management Development), unter Leitung von Arturo Bris, gliedern ihre Untersuchung nach vier Kategorien: „Economic performance“ (BIP pro Kopf, Wachstum, Handelsbilanz, Direktinvestitionen, Arbeitslosigkeit, und Anderes), „government efficiency“ (öffentliche Finanzen, Fiskalpolitik, Gesetzeslage, Institutionen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen), „business efficiency“ (Produktivität, Arbeitsmarkt, Finanzwesen u.a.) und „infrastructure“.

Die insgesamt 235 Indikatoren messen sowohl „harte“ statistisch erhobene volkswirtschaftliche Daten, als auch „weiche“ Ergebnisse aus einer eigenen Befragung von verantwortlichen Managern. Zu letzteren gehören auch deren Einschätzung zu Faktoren wie sozialem Zusammenhalt und Korruption. Die harten Daten werden aber doppelt so stark gewichtet. Das Ranking wird seit 1989 alljährlich Ende Mai veröffentlicht.

Deutschland folgt mit seinem Rückgang um zwei Plätze im Gesamtranking der Tendenz, dass die Wettbewerbsfähigkeit in Europa eher abnimmt, wie Bris diagnostiziert. Entscheidend für Deutschlands leichte Verschlechterung ist neben dem schwächeren BIP-Wachstum (im Jahr 2018 verglichen mit 2017) vor allem ein schwächeres Abschneiden in der Kategorie Business Efficiency. Was die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Arbeitskräfte angeht, sehen die IMD-Ökonomen Deutschland geschwächt. Erstaunlich aber auch: Die Kompetenz der leitenden Manager habe deutlich abgenommen. Bei der digitalen Transformation steht Deutschland auf einem miserablen 60. Platz.

Verschlechtert haben sich im internationalen Vergleich aber auch die Lage der technischen Infrastruktur und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen. Hier zeigen sich offenbar sowohl die Mängel der stockenden Digitalisierung als auch die öffentlichen Debatten über die Sozialisierung von Unternehmen und Immobilienbesitz. Als ganz besonders unattraktiv für den Standort betrachten die IMD-Ökonomen nach wie vor die deutsche Steuerpolitik. Hier steht Deutschland auf Rang 59, noch einen Platz schlechter als im Vorjahr. Auf dem vorletzten, also 62. Platz steht Deutschland bei den Arbeitszeiten.

Zu den eindeutigen Verlierern in Europa zählt das Ranking auch Großbritannien (von Gesamtrang 20 auf Rang 23) – wenig überraschend, angesichts der Unsicherheit über den noch immer nicht vollzogenen Austritt aus der EU. Der größte Gewinner in Europa ist für die IMD Irland (von Rang 12 auf Rang 7).

Für Singapurs Zuwachs an Wettbewerbsfähigkeit seien, so heißt es, dessen fortschrittliche technologische Infrastruktur, gute ausgebildete Arbeitskräfte, günstige Einwanderungsgesetze und effiziente Regeln für Unternehmensgründungen verantwortlich. Für Hongkong spreche eine wohlwollende Steuer- und Wirtschaftspolitik, sowie guter Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten. Ostasien generell sei zu einem „Leuchtturm der Wettbewerbsfähigkeit“ geworden. Allein Japan fällt mit seinem Niedergang um fünf Positionen auf Rang 30 aus dem Rahmen - aufgrund stagnierender gesamtökonomischer Daten, sehr hoher Staatsschulden und eines schwächeren Geschäftsklimas.

Der leichte Rückgang der US-amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit sei darauf zurückzuführen, dass der Vertrauensschub durch Donald Trumps erste Steuersenkungswelle nun auslaufe. Die USA stehen immer noch ganz oben bei den Kategorien der Wirtschaftsleistung und der Infrastruktur, aber der höhere Ölpreis, schwächere High-Tech-Exporte und Währungsschwankungen hätten die Wettbewerbsfähigkeit der USA etwas geschwächt.

World Competitiveness Ranking 2019

Rang
2019
LandRang
2018
Veränderung
gegenüber 2018
1Singapur3+2
2Hongkong2--
3USA1-2
4Schweiz5+1
5Vereinigte Arabische Emirate7+2
6Niederlande4-2
7Irland12+5
8Dänemark6-2
9Schweden9--
10Katar14+4
11Norwegen8-3
12Luxemburg11-1
13Kanada10-3
14China13-1
15Finnland 16+1
16Taiwan, China17+1
17Deutschland15-2
18Australien19+1
19Österreich18-1
20Island24+4
21Neuseeland 23+2
22Malaysia 22--
23Vereinigtes Königreich20-3
24Israel21-3
25Thailand30+5
26Saudi-Arabien39+13
27Belgien26-1
28Südkorea27-1
29Litauen32+3
30Japan25-5
31Frankreich28-3
32Indonesien43+11
33Tschechische Republik29-4
34Kasachstan38+4
35Estland 31-4
36Spanien36--
37Slowenien37--
38Polen34-4
39Portugal33-6
40Lettland40--
41Zypern41--
42Chile35-7
43Indien44+1
44Italien42-2
45Russland45--
46Philippinen50+4
47Ungarn47--
48Bulgarien48--
49Rumänien49--
50Mexiko51+1
51Türkei46-5
52Kolumbien58+6
53Slowakei55+2
54Ukraine59+5
55Peru54-1
56Südafrika53-3
57Jordanien52-5
58Griechenland57-1
59Brasilien60+1
60Kroatien51+1
61Argentinien56-5
62Mongolei62--
63Venezuela63--
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