Inflation Angst vor der Inflation

Immobilien kaufen, Haus sanieren oder sich Luxus gönnen, solange das Geld noch etwas wert ist? Wie sich die Deutschen auf kommende Preissteigerungen einstellen und wie Sie Ihr Vermögen schützen.

Johannes Renn Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche

Die Fichtennadeln duften, die Luft ist klar, die Welt in Ordnung. Johannes Renn atmet tief durch: „Holz“, sagt der 37-Jährige zufrieden, „ist im Gegensatz zu Papiergeld nicht beliebig vermehrbar.“ Schuldenmilliarden, Rettungsgeld-Billionen, Griechen-Koalitionen – alles weit weg. In der Woche ist Renn Banker. Im Urlaub aber bekämpft er im neu erworbenen Wald im Allgäu seine Sorgen vor Euro-Krise und höherer Inflation mit Schlepper, Seilwinde und Säge. Die Holznachfrage sei größer als das Angebot, sagt Renn. Wenn alles gut laufe, habe er seinen Einsatz in 15 Jahren verdoppelt. „Das war die sinnvollste Investition, die ich in den letzten Jahren getätigt habe.“ Denn die Holzpreise ziehen stetig an – und nicht nur die.

Deutschland, dieser Eindruck drängt sich auf in diesen Tagen, steht vor einer Preissteigerungswelle, und das Volk wappnet sich. „Inflations-Alarm! Bundesbank weicht den Euro auf“ titelte „Bild“ Mitte Mai massenwirksam. Grund zur Besorgnis gibt es: Inflation entstand in der Vergangenheit meistens dann, wenn mehr Geld für knappe Güter im Umlauf war, die Geldmenge schneller wuchs als die Gütermenge. Der Nachfragesog trieb die Preise.

Wo die Preise explodieren
Frau in Supermarkt Quelle: dpa
Brot Quelle: dpa
Eine Frau beißt in Schokolade Quelle: dpa
Kaffeebohnen Quelle: dpa
Drehstromzähler Quelle: dpa
Grillwürstchen Quelle: dpa
Jemand tankt Quelle: dpa

Unbegrenzte Kredite

Daran gemessen müssten sie in der Euro-Zone dramatisch steigen: Seit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 vergibt die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzt Kredite an Banken. Die Summe aus Euro-Bargeld und Einlagen der Banken bei der EZB verdoppelte sich seither. Trotzdem lag die Inflationsrate der Euro-Zone laut EU-Statistik zuletzt nur bei 2,6 Prozent, in Deutschland sogar nur bei 2,2 Prozent. Der Grund: Das viele Geld ist bisher nicht in der Realwirtschaft angekommen, sondern wird von den Banken bei der EZB gebunkert. Doch das muss nicht so bleiben.

Wer wissen will, wie Deutschlands Konsumenten ticken, muss zu Rolf Bürkl gehen, der sie für die GfK erforscht. Die Deutschen seien heute eher bereit, sich werthaltige Konsumgüter zuzulegen, sagt Bürkl. Das kann die langlebige Miele-Waschmaschine sein, das spritsparende Auto, auch die Rolex. „Früher konnte man sein Geld ohne Risiko aufs Konto legen, es bestand weitaus mehr Vertrauen in die Finanzindustrie“, sagt er. Heute sei das anders: „Kaum spitzt sich die Schuldenkrise zu, sehen wir, dass die Deutschen weniger sparen wollen.“

Aktienkurs der bayrischen Fort Ebnath AG im Vergleich zum Dax

Sparen lohnt sich nicht

Kein Wunder: Billiger werden viele Güter nicht mehr, die Jobs scheinen sicher, Sparen lohnt sich nicht. Also wird Geld rausgehauen. „In vergangenen Krisen haben die Deutschen ihr Geld zusammengehalten, während der Finanzkrise hätten sie die teure Waschmaschine nicht gekauft, heute greifen Konsumenten zu“, sagt McKinsey-Berater Stefan Niemeier. „Es sind kluge Investitionen, die den Effekt zukünftiger Preissteigerungen auf den eigenen Geldbeutel begrenzen.“

Ebenso gefragt sind Luxusgüter, von denen Menschen glauben, dass ihr Wert erhalten bleibt und die sicher erst mal nicht billiger zu haben sein werden. „Es ist durchaus vernünftig, möglichst viel jetzt zu konsumieren“, sagt Joachim Fels, Chefvolkswirt von Morgan Stanley.

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