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Inflation „Jetzt schlagen die exorbitant gestiegenen Holzpreise durch“

Quelle: imago images

In den kommenden Monaten droht ein weiterer Inflationsschub, viele Unternehmen wollen ihre Preise erhöhen. Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe erläutert die Hintergründe – und nennt drei Ausnahmen.

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Klaus Wohlrabe ist stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen.

WirtschaftsWoche: Herr Wohlrabe, das ifo Institut hat 9000 Unternehmen zu ihren Preisplanungen in den kommenden drei Monaten gefragt. Ergebnis: Immer mehr Firmen wollen an der Preisschraube drehen. Welche Branchen sind am stärksten betroffen?
Klaus Wohlrabe: Der Trend zieht sich fast durch die gesamte Wirtschaft. Er hat im Januar begonnen und sich Monat für Monat verstärkt. Das ist wie ein ökonomischer Dominostein: Ein Zulieferer gibt steigende Kosten an einen Zwischenproduzenten weiter und der wälzt die höheren Preise wiederum auf seine Kunden ab. Bei unserer Umfrage haben wir die Prozentzahl der Firmen, die Preise erhöhen wollen, mit der Prozentzahl verglichen, die das nicht vorhaben und die Differenz in so genannten Saldenpunkten ermittelt. Herausgekommen sind Werte, wie wir sie noch nie oder zumindest seit der Wiedervereinigung nicht mehr gesehen haben. Im Maschinenbau liegt der Wert bei 43 Punkten, bei elektrischen Ausrüstungen bei 47,5, im Metallbereich bei 50.

Konkret: Was treibt die Preise gerade so stark nach oben?
Natürlich vor allem die drastisch gestiegenen Preise für Vorleistungsgüter und Rohstoffpreise. Aber es gibt auch zum Teil preisliche Nachholeffekte – nämlich das Bestreben, in der Krise gewährte Rabatte und Preissenkungen parallel zu den Corona-Lockerungen nun wieder zurückzunehmen. Weil die Konjunktur gut läuft und die Nachfrage steigt, ist das am Markt auch durchsetzbar.

Inwiefern schlagen die steigenden Rohstoffpreise auch auf Konsumartikel durch – also auf den Verbraucher?
Ein Beispiel: Im Bereich Gummi und Kunststoff ist der Saldenwert auf 61 gestiegen. Das betrifft auch Verpackungsmaterial und wird im Einzelhandel bald auf die Preise verpackter Lebensmittel durchschlagen. Auch viele Kinderspielzeuge, die Kunststoff enthalten, werden jetzt teurer. Der Anteil der Spielzeughändler, die ihre Preise erhöhen wollen, ist in den vergangenen zwei Monaten deutlich gestiegen. Ein zweites Beispiel: Besonders stark nach oben geschossen ist in unseren Umfragen zuletzt der Saldenwert bei Möbeln. Hier lag der Wert im November nur bei 6,4 – nun sind es 61. Da schlagen gerade die exorbitant gestiegenen Holzpreise durch.

Holz: das neue Klopapier.
Könnte man so sagen. Da scheint mir gerade viel Hysterie am Markt zu sein. Es wird alles aufgekauft, was man kriegen kann, und dann erstmal gehortet, egal zu welchem Preis. Aber wir wissen alle, wie das mit Blasen so ist: Die können auch schnell wieder platzen.

Gibt es noch Branchen, in denen die Preise gerade nicht steil nach oben gehen?
Ja, exakt drei. Nämlich die Druckindustrie, der Sektor Textil/Bekleidung - und interessanterweise die Automobilbranche.

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