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Inflation Steigende Staatsschulden schüren die Angst vor einer kalten Enteignung

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Staatsschulden der USA in Relation zum nominalen BIP

Dass die Warnungen vor dem Entschulden der Staaten durch Inflation einen realen Hintergrund haben, zeigt das Beispiel der USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Waffengang hatte die Staatsschulden Amerikas bis 1946 auf mehr als 108 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Höhe getrieben (siehe Grafik Seite 23). In der folgenden Dekade gelang es den USA jedoch, die Schuldenquote bis auf rund 50 Prozent zu reduzieren – und das, obwohl der Staatshaushalt in dieser Zeit im Schnitt ein Defizit von 0,3 Prozent des BIPs pro Jahr auswies.

Der Trick: Die Notenbank drückte aufs Gaspedal und kurbelte die Inflation an. Das nominale BIP stieg stärker als die Außenstände des Staates, die Schuldenquote sank. Nach Berechnungen der Ökonomen der US-Bank Morgan Stanley gingen von 1946 bis 1955 von dem wachstumsbedingten Rückgang der Schuldenquote von 5,2 Prozent pro Jahr rund 3,7 Prozent auf das Konto der Inflation. Nur 1,5 Prozent beruhten auf realem Wirtschaftswachstum.

Vor diesem Hintergrund kann es kaum überraschen, dass immer mehr Ökonomen auch diesmal in der Inflation ein probates Mittel sehen, um die hohen Schulden der Staaten zu entwerten. Schon vor Monaten empfahl der ehemalige IWF-Chefökonom und Harvard-Professor Kenneth Rogoff der US-Notenbank, das Inflationsziel für eine begrenzte Zeit auf vier bis sechs Prozent anzuheben.

Attacke von links

Vor zwei Wochen zog auch der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard nach. In einem Positionspapier mit dem vielsagenden Titel „Rethinking Macroeconomic Policy“ stellte er die ketzerische Frage, ob „die Kosten einer Inflationsrate von vier Prozent wirklich höher sind als die von zwei Prozent Inflation“. Vordergründig argumentiert Blanchard, höhere Inflationsraten seien automatisch mit höheren Zinsen verbunden und böten den Zentralbanken im Krisenfall dadurch mehr Spielraum für Zinssenkungen. Tatsächlich dürfte es Blanchard jedoch darum gehen, ideologisch den Boden für einen Schwenk der Geldpolitik hin zu mehr Inflation zu bereiten.

Die Attacke von links hat stabilitätsorientierte Ökonomen auf den Plan gerufen. Axel Weber, Chef der Bundesbank, wirft Blanchard vor, eine „grob fahrlässige und schädliche“ Diskussion angezettelt zu haben.

Doch so schnell dürfte die Debatte nicht zu beenden sein. Vor allem im traditionell inflationsaffinen Frankreich fällt das Blanchard-Plädoyer für höhere Preissteigerungsraten auf fruchtbaren Boden. Jean-Paul Fitoussi, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts OFCE in Paris, hält die „Zeit für eine Revision der herrschenden Doktrin“ für gekommen. „Indem man sich nur auf die Inflationsbekämpfung konzentriert, macht man den Umgang mit dem Problem der öffentlichen Verschuldung und den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit komplizierter“, sagt Fitoussi.

Die Zeiten werden härter

Dass Inflation mit hohen Kosten verbunden ist, verschweigen die Befürworter jedoch. Dabei zeigt die Erfahrung, dass Inflation die Preisstrukturen verzerrt, Fehlinvestitionen auslöst, das Wachstum bremst, Gläubiger enteignet und schnell in eine kaum noch zu kontrollierende Inflationsspirale mündet.

Für Stabilitätspolitiker wie Bundesbank-Chef Weber dürften die Zeiten härter werden. Die steigende Schuldenlast und der Rückenwind durch die links-intellektuellen Inflationsbefürworter aus der Wissenschaft werden den politischen Druck auf die Notenbanken verstärken, es mit der Inflation nicht so genau zu nehmen.

Sollte Weber im Herbst nächsten Jahres Jean-Claude Trichet als EZB-Chef ablösen, könnte sich die Debatte noch verschärfen. Denn Paris dürfte versuchen, im Gegenzug den Franzosen Blanchard als neuen Chefökonomen in der EZB zu installieren. Der Kampf um den künftigen Kurs der Geldpolitik würde so direkt in die Notenbank getragen.

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