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Inflation Steigende Verbraucherpreise: Noch sind die Portemonnaies „gut gefüllt“

Die Kauflaune der Verbraucher steigt wieder. Quelle: dpa

Der Verbraucher soll zur treibenden Kraft des Aufschwungs werden. Was aber passiert mit der Konsumlust der Deutschen, wenn die Inflation immer weiter steigt?

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Für Rolf Bürkl ist die Sache klar: „Wir lassen den Lockdown mehr und mehr hinter uns“, sagt der Konsumexperte vom Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK. Das spiegelt sich auch in der Stimmung der Verbraucher wider: Für das Konsumklima prognostiziert das Institut für Juli einen Wert von minus 0,3 Punkten – der höchste Wert seit Sommer 2020. Im Juni des vergangenen Jahres lag der Wert noch bei minus 6,9 Punkten.

„Die Stimmung der Verbraucher ist optimistisch“, sagt Bürkl. Auch Ökonomenkollege Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Münchner ifo Instituts, ist sich sicher: „Der Konsum ist die tragende Säule der Erholung in Deutschland.“

Doch es gibt einen Faktor, der den von vielen Experten erwarteten Konsumboom in der zweiten Jahreshälfte bremsen könnte – die seit Monaten steigende Inflation. Am 29. Juli gibt das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung für den Monat Juli ab, und Analysten erwarten dann eine erneute Steigerung. Im Juni lag die Teuerungsrate bei 2,3 Prozent, nachdem sie im Dezember noch bei minus 0,3 Prozentpunkten gelegen hatte. Das teilte das Statistische Bundesamt am heutigen Dienstag mit.

Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Münchner ifo Instituts, rechnet damit, dass die Inflationsrate – getrieben von Sondereffekten – im Oktober oder November sogar auf knapp vier Prozent steigen wird. Erst 2022 werde die Inflation dann wieder auf unter zwei Prozent zurückgehen.

Eine steigende Inflationsrate wirke sich negativ auf die Verbraucherstimmung aus, sagt Konsumexperte Bürkl. Dies zeigten die Erfahrungen der vergangenen 30 Jahre. Allerdings seien „die finanziellen Reserven bei vielen Verbrauchern so hoch, dass auch die Schmerzgrenze bei steigenden Preisen höher ist“, glaubt der Konsumexperte.

Denn die Menschen in Deutschland haben im vergangenen Jahr gespart wie die Weltmeister – größtenteils notgedrungen. Reisen fielen aus, Geschäfte und Gaststätten durften ihre Dienstleistung über Wochen nur eingeschränkt anbieten. Bürkl: „Die Portemonnaies sind gut gefüllt“.



Ähnlich sieht es ifo-Ökonom Wollmershäuser: „Wenn die Löhne mit den Preisen nicht mithalten, verlieren wir an Kaufkraft – und wenn die Preise über einen längeren Zeitraum kräftiger steigen als die Löhne, wird das den Konsum belasten.“ Dieser Effekt sei aber „deutlich geringer als der positive Konsumeffekt durch die in Coronazeiten angehäufte Überersparnis der Haushalte. Da gibt es riesige Aufholeffekte.“

Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank belief sich das Bargeldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland Ende 2020 auf den Rekordwert von fast sieben Billionen Euro – eine Steigerung von knapp sieben Prozent im Vergleich zu Ende 2019.

Die Sparquote kletterte während des Lockdowns auf über 20 Prozent, im ersten Quartal 2021 lag sie nach Angaben des Statistischen Bundesamts sogar bei 23,2 Prozent. Das heißt: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legten die Haushalte 23 Euro auf die hohe Kante. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag die Quote bei 10,9 Prozent.



Bürkl rechnet daher nicht damit, dass die Inflation den Händlern nachhaltig die Geschäfte verdirbt – auch 2022 werde „der Konsum vermutlich weiter zulegen“.

Mehr zum Thema: Angst vor der Delta-Variante, explodierende Preise, schwächelnde Börse, sinkende Aufträge: Die Risiken für die Konjunktur steigen wieder. Wie stabil ist unser Aufschwung?

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